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Von Küste zu Küste

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Der gesamte Küstenbereich zwischen Chonburi und Bangsaen ist geprägt von Hotels und sogenannten Resorts, kleineren Hütten- oder Bungalow-Dörfern der verschiedensten Preiskategorien. Das setzt sich so ungefähr auch bis Pattaya fort, dessen Skyline schon von Bangsaen aus zu sehen ist. Das ist eine Ferienregion der Thailänder selbst, die aber auch bei vielen anderen Asiaten und Europäern beliebt ist.

Zwischen den Städten, die mit ihren Uferpromenaden bis ans Mehr reichen, gibt es immer wieder lange Sandstrände an denen ein schmaler Streifen von Schatten spendenden Kokospalmen angelegt ist, Ladenzeilen mit Schnellrestaurants und Garküchen, legen Fischeboote. Dort stehen immer wieder mal einfache Imbissbuden und in Richtung Wasser reihen sich die Liegestühle aneinander, die man mitsamt Sonnenschirm mieten kann. Besonders einladend ist das nicht, aber der Weg zu den Bettenburgen, oft gleich an der gegenüberliegenden Straßenseite, ist halt nicht weit.

Den Fehler, in einer solchen Touristenhochburg mit dem Fahrrad direkt an der Strandpromenade bzw. auf der Küstenstraße fahren zu wollen, mache ich nur einmal. Zu viele Reisebusse laden An- oder Abreisende ein oder aus oder warten auf Ausflügler. Sammeltaxis, Lieferwagen, oder Leute die einfach nur mit ihren Autos ans Meer fahren wollen und auf Parkplatzsuche sind blockieren immer wieder die linke Spur, auf der es Zweiradfahrer dann schwer haben. Schneller kommt man z.B. in Pattaya mit etwas Abstand zum Meer vorwärts.

Von Bangsaen aus fahren wir an einem sonnigen Morgen in Richtung Süden für einige Kilometer noch die Küste entlang, vorbei an einem kleinen Fischerhafen und nachdem wir den Campus der Burapha Universität passiert haben, der sogar ein eigenes Postamt beherbergt, hoch zur Fernverkehrsstraße 3. Die Sonne meint es gut, so wie schon an den ersten Tagen und die 30-Grad-Marke ist schon am frühen Vormittag schnell überschritten. Gleich an der zweiten Ampelkreuzung, an der wir halten müssen, kommen zwei weitere europäisch aussehende Radreisende von der Küste her auf die Fernverkehrsstraße und biegen in unsere Richtung ein. Ein Niederländisches Ehepaar im Rentenalter, er schon an die 70 Jahre alt, wie er sagt, das den Winter in Thailand und angrenzenden Ländern verbringt. Wir unterhalten uns kurz über die gegenseitigen Reisepläne, fahren dann aber in unserem eigenen Tempo für wenige Kilometer auf der sechsspurigen Fernstraße und kürzen bald durch das Fischerdorf Bang Phra ab, das direkt an der Küste liegt.

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Später treffen wir die beiden aber nochmal wieder, denn sie sind auf der Fernstraße schneller unterwegs, als wir in den kurvigen Gassen von Bang Phra, wo wir einem Flusslauf folgen, an dessen Ufer einige Boote liegen.

In Sri Racha verlassen wir die Küstenregion vorübergehend ganz und fahren die nächsten ca. 35 Kilometer durch Gewerbegebiete, die sich mit Landwirtschaft (Maniok, Zuckerrohr) und mit meist aneinandergereihten Siedlungen abwechseln. Hier macht das Fahren Spaß und ist der Straßenverkehr viel überschaubarer. Lediglich an zwei Kreuzungspunkten mit einer Autobahn ist der LKW-Verkehr dann wieder heftiger.

Erst am späten Nachmittag kommen wir an die Küste zurück und mitten nach Pattaya hinein. Hier ist nicht nur Rush-hour entlang der Uferstraße und der Verkehr steht weitgehend still. Auf der Promenade kommen wir wegen der vielen Fußgänger und einer sich dort entlang ziehenden Baustelle auch nicht richtig vorwärts. Also zurück in die zweite und dritte Reihe und an einem Hügel oberhalb des Fährhafens, etwa 2 km von der Küste entfernt, finden wir sehr ruhig gelegene Zimmer für die Nacht.

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Am nächsten Tag ändert sich vor allem das Verkehrsaufkommen. Von Pattaya aus fahren wir zunächst in südlicher Richtung mit einigem Abstand parallel zu der hektischen Uferstraße, eine recht neu angelegte Ausfallstraße fast nur für uns Radfahrer, zumindest solange, bis sie uns erneut auf die Fernstraße 3 lenkt. Hier ist es zwar immer laut und der Verkehr fließt unaufhörlich, aber wegen des breiten Seitenstreifens kann man hier als Radfahrer beinahe unbehelligt fahren und kommt je nach Wind und Geländeprofil verhältnismäßig schnell vorwärts. So spulen wir die ersten 15 Kilometer entlang dieser Schnellstraße ab und biegen dann in eine hügelige Region ab, in der sich neben einem großen Golfareal auch ein für die Buddhisten Thailands wichtiges Ziel, the Big Buddha Hill, befindet. Hier ist die Kontur eines sitzenden Buddhas in Gold auf die steile Wand eines riesigen, einst abgebrochenen Granitfelsens gemalt.

Die Strecke führt entlang von Stauseen und an zwei Steinbrüchen vorbei, windet sich auch einmal unangenehm in die Höhe, und bringt uns nun weit weg von den touristischen Hochburgen an der östlichen Golfküste. An der weiter ostwärts führenden 332 kommen wir auch fast direkt in eine Baustelle an der wir einen Umweg von etwa 2 km in Kauf nehmen müssen, die uns dann aber genauso unerwartet für einige weitere Kilometer ein fast exklusives Asphaltband beschert.

Eine etwas längere Mittagspause machen wir dann kurz vor einer Straßenkreuzung im Schatten eines von dieser Straße etwas zurück gesetzten Straßenrestaurants. Es gibt eine leckere Suppe mit knusprigen Nudeln und die heiße Brühe tut richtig gut, auch wenn ich von der ständigen Sonnenbestrahlung während des Radfahrens schon recht aufgeheizt bin.

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Auf die Fernstraße 3 treffen wir am Nachmittag wieder und folgen ihr diesmal für wenige Kilometer in Richtung Osten, bevor wir die letzten 5 – 6 Kilometer wieder zurück zur Golfküste fahren. In Phala Beach ist die Auswahl an Gästehäusern nicht besonders groß und da Maik gerne noch ins Meer springen will, steigen wir in zwei Bungalows direkt auf dem Strand ab. Hier kann man die Menschen am Strand schon mit den Fingern nur einer Hand abzählen. Allerdings kann man in der dunstigen Ferne in Richtung Rayong auch die Silhouette eines riesigen Tanklagers und den weit ins Meer ragenden Pier für Tankschiffe erahnen, was diese Idylle doch etwas trübt.

Veröffentlicht in Thailand

Zur Ostküste des Golfs von Thailand

CDR_1275Erst früh am Morgen verstummte die Antriebsmaschine der Pumpe, die Wasser aus dem Hauptkanal in einen der Seitenarme für die Versorgung der umliegenden Fischteiche gedrückt hat. Das monotone Tuckern begleitete den Schlaf, der sich bei der ungewohnten Wärme nur schwer und mit Unterbrechungen einstellte. Trotzdem starten wir vom Chai Khlong Resort einigermaßen ausgeruht bei etwa 28°C und leicht diesiger Sicht in den Morgen. Um die breite Fernstraße und vor allem die Baustelle dort zu meiden, fahren wir auf einer schmalen Nebenstrecke schon bald durch frisch-grüne Reisfelder und nach nicht einmal 2 Kilometern begegnen uns zwei ältere Damen auf bepackten Reiserädern genau auf der Spitze einer kleinen Kanalbrücke. Zwei radbegeisterte Damen aus Amsterdam, die seit etwa 8 Wochen durch Thailand reisen, und das nicht zum ersten Mal, wie sie sagen.

Kurz nach dieser zufälligen Begegnung halten wir an einem kleinen Straßenrestaurant, um zu frühstücken. Zumindest ist dies unser Wunsch. Die freundliche Köchin räumt zwar gerade zusammen, aber sie bedeutet uns auch, dass wir noch etwas zu essen bekommen können und macht dann zwei Portionen einer leckeren Reispfanne mit Gemüse und Schrimps. Ein guter Start in den schon am frühen Vormittag recht heißen Tag, und da wir nur bis nach Chachoengsao fahren wollen, rollen wir anschließend gemächlich durch die flache Landschaft, in der sich Reisfelder und trockenes Brachland abwechseln. Auch hier sorgen mobile Pumpen an einigen Feldern für die Wasserverteilung aus einem größeren Kanal, der parallel zur Straße verläuft, in die entlang der Felder führenden Stichkanäle. Viele Reiher und Herons lauern an diesen Kanälen auf offenbar reichlich vorhandene Beute im Wasser. Störche segeln über die Landschaft und landen manchmal eher unbeholfen auf den Kokospalmen.

Die Landschaft ist auch ein wenig geprägt von den vielen Buddhistischen Klöstern, die nie gleich angeordnet sind und manchmal direkt an der Straße liegen, manchmal aber auch deutlich abseits. So hatte ich den auf einmal aus unbestimmter Richtung wahrnehmbaren Singsang als von einem der Klöster kommend eingeordnet. Aber mit dem eher monotonen Singsang der Mönche hatte das nichts gemein und beim Näherkommen waren auch arabische Fragmente in dem Gesang einer Männerstimme herauszuhören. Ein Muezzin von einer der vier sich ebenfalls in dieser Gegend westlich von Chachoengsao befindenden Moscheen, der jetzt am Vormittag nicht zum Gebet ruft, sondern offenbar den gesamten Korans singend herunter betet, bzw. über ein verteiltes Netz von Lautsprechern in die Gegend hinaus singt.

An einer Koranschule rollen wir direkt vorbei, die Moscheen liegen jeweils etwas abseits der Nebenstraße auf nicht mal 10 km verteilt, wie ich später auf der Karte sehe. Eine interessante Abwechslung im sonst sehr buddhistisch dominierten Thailand, und wenn ich genau hinsehe, dann tragen einige der jungen Frauen in dieser Gegend auch lange Kopftücher, die den Hals mit einbeziehen, so wie es Frauen in Malaysia oder Indonesien tun.

Später am frühen Abend hören wir aber auch noch den tatsächlich sehr eintönigen Singsang der Buddhistischen Mönche, die im ‚Wat Sothon Wraram Wohawiran‘ ihre Art der Andacht zelebrieren, ein Kloster mit großer Tempelanlage, das in fußläufiger Nähe unseres Quartiers in dieser Stadt liegt. Dieser Tempel ist bei den Einheimischen offenbar sehr beliebt und am Nachmittag voller Besucher, als wir auf dem Weg zu dem Guesthouse, in dem wir hier übernachten, vorbei fahren.

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In Chachoengsao brauchen wir drei Anläufe, um ein Zimmer zu finden, da die ersten beiden Favoriten bereits ausgebucht sind. Damit hätte ich ja nicht gerechnet, aber auf diese Weise kommen wir in eine Ecke der Stadt, in der dieser Tempelbezirk und ein kleiner daran anschließender Nachtmarkt die Leute anzieht. An dem gegenüber liegenden Markt lassen wir uns in einem der Restaurants Nudelsuppe mit Seafood machen.

Am Sonntag fahren wir zeitig in Chachoengsao los, frühstücken nur schnell zwei Toasts, um überhaupt etwas im Magen zu haben, aber stehen dann erstmal eine Weile im Stau, weil vor dem Tempelbezirk, der gestern schon gut besucht war, die Autos heute in beiden Richtungen über eine weite Strecke anstehen, um an die Parkplätze auf dem Gelände zu kommen. Die bieten zwar viel Platz, das hatten wir gestern bei einem Rundgang auf dem weitläufigen Gelände noch gesehen, aber die Zufahrt ist umständlich und bei einem solchen Ansturm ein Nadelöhr. Nach etwa 10 Minuten sind wir aber daran vorbei und rollen bei morgendlichen 28°C zügig aus der Stadt heraus. Wenige Kilometer fahren wir am Rand der sechsspurig ausgebauten 314 gen Süden und zweigen schnell auf kleinere Verbindungsstraßen ab, die ebenfalls flach aber lange nicht mehr so geradlinig durch ehemalige Sumpfgebiete am Bang Pakong River führen.

Nach etwa 18 km befindet sich wie bestellt, offen aber überdacht und direkt oberhalb eines größeren Fischteichs, ein freundliches Restaurant, in dem wir eine Nudelsuppe mit Fisch (wen wundert’s?) bekommen. Dazu Eiskaffee und der Rest des Tages läuft gleich nochmal so gut.

Der einfachere, geradlinige Weg an die Küstengebiete nördlich von Pattaya hätte zwar eine deutlich kürzere Strecke bedeutet, aber diese 4- oder 6-spurigen Fernstraßen bedeuten auch viel Stress durch den permanenten Verkehr mit hohem LKW-Anteil. Wir fahren hier eine deutlich längere aber viel abwechslungsreichere Strecke, die immer zwar auch an die eine oder andere breite Straße heran und daran entlang führt, aber auch weniger Verkehr aufweist und auch viel mehr Einblicke ins Land bietet. An unserem Tagesziel Bangsaen kommen wir dann nach 71 Kilometern trotzdem noch recht früh am Nachmittag an.

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Veröffentlicht in Allgemein, Thailand

Neustart in Bangkok

Die Fahrradtaschen sind immer schnell gepackt, kurz bevor es los geht. Das Fahrrad braucht etwas länger, aber am Vortag der Abreise habe ich es auch fertig verschnürt, jetzt muss nur das Großraumtaxi pünktlich sein und dann kann es eigentlich losgehen. Wohin? Zunächst fliege ich nach Bangkok und will dann mit dem Fahrrad noch einmal in Richtung Kambodscha und darüber hinaus weiter in Richtung Nordosten reisen. Für die angrenzenden Länder habe ich jeweils Visa beantragt und bekommen, sogar für China, was ein recht aufwändiger Prozess war, da man beim Visa-Center persönlich erscheinen muss, um nicht nur den Antrag sondern auch noch seine Fingerabdrücke abzugeben. Als Individualreisender muss man außerdem jede Übernachtung belegen, und wenn man über Land reisen will, so wie ich es vorhabe, muss man auch noch einigermaßen detailliert seine Pläne darlegen – ohne jedoch das Fahrrad zu erwähnen.

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Also ungefähr dort, wo ich vor zwei Jahren meine Reise beendet habe, will ich wieder einsteigen und der Flug von Amsterdam her ist sogar pünktlich in Bangkok. Früher Vormittag, es ist diesig und natürlich sehr warm, eigentlich ein herrlicher Tag, aber an die hochstehende Sonne und die drückende Hitze muss ich mich erst gewöhnen. Im Schatten sind es etwa 32°C, als Maik und ich an einem der vielen Ausgänge des Terminals starten. Maik wird mich etwa für ein Viertel der geplanten Strecke begleiten.

Wir sind aber zunächst auf dem falschen Level. Die hier an den Ausgängen der Ankunftshalle vorbeiführende, überbaute Straße führt als eine Hochstraße direkt auf die Autobahn. Also schieben wir die Räder zurück ins Gebäude und fahren mit dem nächstgelegenen Aufzug in den Keller. Dort kommen wir dann zu ebener Erde vom Terminal weg und können unterhalb der Autobahn bis zum nächsten Kreuzungspunkt mit einer kleineren Fernverkehrsstraße nach rechts und in Richtung Chachoengsao abbiegen. Flughäfen dieser Dimension sind nun mal nicht für Radfahrer konzipiert.

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Oh ja, es ist ein heißer Tag. Vom Flughafen weg bis zur Luang Phaeng Road, die uns dann weiter in Richtung Osten bringt, läuft die Straße durch sehr weitläufige, am Flughafengelände angesiedelte Gewerbeflächen und weite Grünflächen, auf denen irgendwann sicherlich auch noch Lager- oder Fabrikhallen stehen werden. Danach wird der Verkehr dichter und hektischer. Die Straße ist teilweise von vielen kleinen Geschäften und Werkstätten gesäumt, Busdepots oder weiteren Gewerbeflächen. Manchmal kreuzt ein breiter Wassergraben den Straßenverlauf, der dann mit längeren aber auch einengenden Brücke überspannt ist; unangenehme Verkehrspunkte.

Von einer dieser Brücken aus sehe ich im Vorbeifahren ein etwas abseits gelegenes Straßenrestaurant, das wir dann ansteuern, um endlich auch etwas zu essen und eine Pause zu machen. Unter dem relativ hohen Schutzdach staut sich allerdings die Wärme des frühen Nachmittags. Eine ältere Thailänderin betreibt die kleine Garküche und kocht uns in ihrem Wok etwas Gemüse mit Fleisch und einem Spiegelei zu dem Reis, den sie eh schon fertig hat.

Hier habe ich nun die Ruhe, mich mit der Telefonkarte zu beschäftigen, die ich am Flughafen noch gekauft hatte. Sie funktioniert in meinem Smartphone auf Anhieb, und damit kann ich Verbindung nach hause halten, sowie gelegentlich auch Texte wie diesen hier hochladen.

Wenige Kilometer weiter kommen wir an einem Fahrradhändler vorbei, dessen offenes Geschäft von der Straße auch gut einzusehen ist. Maik braucht noch einen Flaschenhalter an seinem Fahrrad und der freundliche Mann kann auch prompt ein geeignetes Teil an Maiks Fahrrad montieren. Unser Wasserbedarf ist groß und wenigstens eine Flasche in Griffweite zu haben, macht das Trinken etwas leichter. An meinem Rad habe ich seit jeher drei Halter.

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So kommen wir schrittweise unserem Tagesziel immer näher, das ich für den Ankunftstag heute nicht weit vom Flughafen gelegen gewählt hatte. Ein kleines Hüttendorf, weit abseits der Hauptstraße die inzwischen in eine Baustelle übergegangen ist, an einem Seitenarm des parallel zur Straße verlaufenen Kanals gelegen. Ruhig ist es dort leider nicht, da eine Wasserpumpe rund um die Uhr vor sich hin tuckert, aber sauber und preiswert.

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Der Wunsch, die fremden, exotischen Orte dieser Welt zu erkunden, ist bei mir schon immer groß und solange mein Umfeld es mir ermöglicht, dem von Zeit zu Zeit nachzugeben – nun ja, ich plane gerne und setze meine Pläne eben noch lieber um.

Veröffentlicht in Hong Kong

Vielseitiges Hong Kong

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Weniger als einen Kilometer von meinem Quartier in der Lee Garden Road entfernt, befindet sich eine kleine Parkanlage, der Victoria Park. Dort führt eine schmale Tartanbahn in einer Art Rundkurs durch das Grün und um eine große Rasenfläche mit Sportanlage herum. Die Strecke ist 625 Meter lang, sie ist alle 25 Meter markiert und eigentlich für Läufer reserviert, aber auch viele Spaziergänger nutzen diese Bahn, manchmal zu zweit oder zu dritt nebeneinander her spazierend und sich angeregt unterhaltend.
Dies ist eine ruhige Oase unweit der hektischen und lauten Geschäftsstraßen. An drei Tagen drehe ich hier morgens meine Runden. Von meinem kleinen Hostel aus laufe ich im leichten Nieselregen entlang der unübersichtlichen Straßen, auf denen so viele Menschen auf dem Weg ins Büro oder zur U-Bahn hin und her hetzen, beinahe eingezwängt zwischen den teilweise mehr als 40 Etagen hohen Bürotürmen und Shopping-Malls. Morgens ist der leichte Regen ganz angenehm beim Laufen, kommt die Sonne durch die Wolken wird es schnell schwülwarm, aber das passiert selten.

Hong Kong, oder besser: Hong Kong Island, ist schon recht speziell. Der bebaute Küstenstreifen ist verhältnimäßig schmal, nur wenige 100 m bis knapp über 2 km breit, dahinter steigt das felsige Gelände steil an. Ich habe den Eindruck, die Hochhäuser in der Bay würden bis in die Höhe der Berge aufragen.
Für ein paar Tage lasse ich das Fahrrad auf dem Balkon des Hostels stehen und bewege mich nur zu Fuss oder mit der Metro durch die Stadt. Die Straßen in der Causeway Bay sind wegen dieser hohen Gebäude schlichtweg unübersichtlich, etwas bessere Orientierung gewinne ich aber dadurch, dass ich mich kreuz und quer in diesem Teil der Stadt bewege. Es braucht z.B. zwei beinahe vergebliche Versuche, das nächstgelegene Postamt zu finden, obwohl in der Übersichtskarte verzeichnet, da es sich überraschender Weise im 10. Geschoss eines 18-stöckigen Shopping- und Bürohochhauses befindet und eben nicht zu ebener Erde und in einem Einzelgebäude, wie ich es vermutet hätte. Unten ein riesiger Eingangsbereich mit Galerien von kleineren Restaurants und Geschäften über zwei Etagen, darüber noch weitere 5 Etagen mit Geschäften für Mode, Mobilfunkzubehör und anderen Dingen die niemand braucht, darüber mehrere Etagen mit Handelsvertretungen, Versorgungseinrichtungen und weiteren kleineren Geschäften. Das Postamt besteht auch nur aus einem kleinen Schalterraum mit vielleicht 25 m2 Grundfläche und in die Wand zum Flur eingelassenen Briefkästen. Briefmarken bekomme ich hier genügend, Postkarten muss ich woanders suchen. Die finde ich dann später bei einem kleineren Laden etwas abseits der Hennessy-Road in einer Nebenstraße, der einem alles mögliche an antikem Trödel verkauft. Hier gibt es so etwas wie Souvenirs und eben Karten, wenn die auch schon etwas abgelagert aussehen, im Gegensatz zu den Shopping-Malls, wo selbst gut bestückte Schreibwarenhändler keine Postkarten im Angebot haben.

Am nächsten Tag finde ich dann noch viel mehr Karten bei den Zeitungshändlern am Pier der Star Ferry Gesellschaft in Kowloon, auf der gegenüberliegenden Seite der Bay. Mit der Metro ist das relativ einfach zu erreichen, die Causeway Bay Station liegt schließlich keine 200 m von meinem Quartier entfernt. So erkunde ich am Nachmittag die Gegend um die Metrostation Tsim Sha Tsui. Die Straßen sind dort etwas regelmäßiger angeordnet, aber nicht weniger unübersichtlich. In einem der Hochhäuser am Hafen, das sowohl Hotel als auch Mall ist, finde ich einen Buchhändler, der sich über zwei verwinkelte Etagen erstreckt. Hier ist der Stress von der Straße weiter unten weit entfernt.
Am Pier weht der Wind kühl und feucht von See her, das Wetter ist insgesamt regnerisch. Die niedrigen Fähranleger der Star Ferry Gesellschaft, die heute fast nur noch touristische Bedeutung hat, sind zwar überdacht, aber sehr zugig. Deshalb zieht es mich immer wieder in den einen oder anderen Shopping-Tempel, die hier in der ‚Harbour City‘ alle irgendwie miteinander verbunden sind, auch wenn mich die Mode-Label nicht sonderlich interessieren.

Das Wetter ist leider auch am Tag meiner Weiterreise von Hong Kong Island hinüber nach Kowloon und weiter nach Tsuen Wan nicht sehr freundlich. Ich starte nach einem leckeren Frühstück im ‚Lucky Star‘, zwei Ecken vom Hostel entfernt, und arbeite mich dann mit dem Fahrrad im leichten Nieselregen hinunter zur Hennessy Road, und entlang der Causeway Road weiter bis zum Fährhafen am North Point. Die Boote der First Ferry Gesellschaft nehmen immerhin auch Fahrräder mit an Bord, was bei der Star Ferry laut deren Beförderungsbedingungen ausgeschlossen ist. Das hatte ich am Tag vorher noch recherchiert und das freundliche Männlein an den Drehkreuzen, die den Zugang zum Pier versperren dann gefragt, ob ich denn mit meinem bepackten Rad passieren dürfte. Leider verstand er kein Englisch aber den Begriff 自行车 für ‚Fahrrad‘ konnte ich mir nach kurzem Überlegen noch zusammenreimen, und da wurde der kleine Mann richtig lebendig, öffnete mir ein Seitentür zum Wartebereich und rechnete die 10HK$ fürs Rad sogar in eine separate Handkasse ab.

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Etwa 10 Minuten dauert die Überfahrt über die Kowloon Bay und das an diesem trüben Vormittag nur mit wenigen Passagieren besetzte Boot legt dann am Kowloon City Ferry Pier, nicht allzu weit von dem seit vielen Jahren bereits stillgelegten, ehemaligen Innenstadt-Flughafen an.

Die Strecke bis nach Tsuen Wan im Nordwesten von Kowloon ist für mich dann mit einigen Herausforderungen gespickt, da mich die generelle Einbahnstraßenregelung immer wieder zu Umwegen zwingt. An einem Kreuzungspunkt mehrerer Schnellstraßen in Cheung Shan, die für Radfarher natürlich tabu sind, komme ich nur über ein längeres Stück Fußweg weiter in meine Richtung. Die etwas später folgende Lai King Hill Road trägt ihren Namen zu recht und nach dem kurzen aber mühsamen Anstieg habe ich dann doch auch mal eine kleine Übersicht auf die in dieser Ecke Hong Kongs völlig unregelmäßig angelegten Straßen.

In Kwai Chung muss ich später dann nochmal einen Hügel erklimmen, bevor ich mein Hotel erreiche, das leider doch in einer gemischten Gewerbe- und Wohngegend liegt, gegenüber einer größeren Baustelle. Es ist aber kein Problem, ein Zimmer zu bekommen, das in die abgewandte Richtung schaut, Fenster lassen sich allerdings nicht mal öffnen. Das Zimmer ist deutlich größer, als mein erstes am anderen Ende der Stadt, und hier passt sogar das Fahrrad zwischen Fenster und Bett.