Veröffentlicht in Allgemein, Thailand

Zurück in Bangkok

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Wat Phlap Phla Chai am frühen Morgen

Liebe Freunde und Follower,

ein kurzes Update: gestern bin ich mit dem Nachtzug von Ubon Ratchathani aus bereits nach Bangkok zurückgekehrt, was bei diesem antiquierten Transportmittel auch eine interessante Erfahrung ist. Zuvor von Savannakhet aus über den Mekong nach Mukdahan und von dort zwei Tage später mit dem Bus nach Ubon Ratchathani. Meine Radreise ist als solche damit beendet. Nach China hätte ich wegen des Coronavirus-Ausbruchs eh nicht mehr fahren können, so habe ich bereits frühzeitig über eine Verkürzung nachgedacht.

Dummerweise habe ich mir auf dem Weg nach Savannakhet irgendetwas eingefangen, das meinen Abbruch leider etwas beschleunigt hat und das ich hier nun erstmal näher abklären lassen will. Es geht mir nicht wirklich schlecht, aber es geht auch nicht richtig gut.

Die noch fehlenden Berichte folgen dann irgendwann noch nach…

Veröffentlicht in Kambodscha, Thailand

Kambodscha zum Zweiten

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Kambodscha empfängt mich mit viel Staub und schwüler Hitze. Die Stadt Poipet, gleich hinter der Grenze zu Thailand gelegen, ist voller Lärm und Verkehr, staubig, und Dank der vielen Werbetafeln und Straßenhändler, die sich direkt am Straßenrand aufreihen, sehr unübersichtlich. Überall wuselnde Mopeds, die sich teilweise auch in entgegengesetzter Fahrtrichtung ihren Weg bahnen, hupende Autos und LKW, die zwar relativ langsam rollen, aber sich unbeirrbar ihren Weg bahnen.

Die Einreiseformalitäten haben sich viel länger hingezogen, als ich erwartet hatte, allerdings sind wir auch direkt zur Mittagszeit an der Grenze angekommen, was vielleicht ein ungünstiger Zeitpunkt war. Obwohl alle vier Schalter in der kleinen Immigration-Baracke auf kambodschanischer Seite offen waren. Nicht alle diensttuenden Grenzbeamten waren gleich hoch motiviert, so dauerte es etwa eine Dreiviertelstunde, bis der Einreisestempel mit 30 Tagen Aufenthaltserlaubnis endlich in meinen Pass gedrückt wurde.

Es macht bei der Einreise übrigens keinen Unterschied, ob schon ein Visum im Pass klebt, oder ob man erst noch zur Visa-Stelle muss, an der man auf dem Weg durchs Niemandsland eh vorbeirollt. Das Einkleben dieses Visa on arrival geht schnell vonstatten, kostet zur Zeit noch 30 US$, und einen zusätzlichen Einreisezettel muss man so oder so immer ausfüllen und abstempeln lassen. Auch, wenn man mit elektronischem Visum ankommt. Dieses e-Visum bringt keinen Vorteil; man muss es ausgedruckt mitbringen, und es hält alle anderen Wartenden auf, da der Beamte den Barcode dieses Ausdrucks scannen muss, und um dies machen zu können, muss er seinen Schalter verlassen und an einem separaten Arbeitsplatz diesen Ausdruck scannen und ablegen.
In meiner Warteschlange standen einige Spanier vor mir, für die der recht gemütlich agierende Beamte einige Extraminuten angesammelt hatte, allein durch die Bearbeitung der vielen e-Visa.
Ungeduldig werden hilft an solcher Stelle aber gar nicht, und in der Baracke war es immerhin schattig und dank der vielen Ventilatoren auch erträglich.

In Poipet muss ich mich dann erstmal orientieren, obwohl die Straße nur geradeaus führt. Die Fülle der Eindrücke und die Wärme des frühen Nachmittags wirken ermüdend. Etwa 2,5 Kilometer müssen wir bis zu dem von mir favorisierten Hotel in die Stadt hineinfahren. Vor zwei Jahren habe ich dort schon einmal übernachtet und es hat sich nicht verändert. Einzig das angegliederte kleine Restaurant ist nicht mehr in Betrieb, was schade ist, denn auf der kleinen Veranda konnte man abends einigermaßen ungestört vom Straßenverkehr sitzen. Die Zimmer mit Balkon liegen zur von der Hauptstraße abgewandten Seite und in der Nachmittagshitze trocknet die schnell durchgespülte Wäsche auch noch bis zum Abend.
In der näheren Umgebung des Ly Heng Chhay Hotels gibt es dann genügend Restaurants, wie wir später bei einer kurzen Erkundungstour sehen. Aber erst will ich mich mit Geld versorgen und der Zweitwichtigste Schritt heutzutage ist die Beschaffung einer SIM-Karte mit genügend Datenvolumen für die nächsten Wochen. Banken mit phantasievollen Namen und mit ATM gibt es einige und der Geldautomat, den ich wähle, spuckt leider nur US-$ aus, die ich beim nächstgelegenen Geldwechsler in Kambodschanische Riel umtausche, was natürlich nur ein Verlustgeschäft sein kann.
Eine SIM-Karte mit 30 Tagen Gültigkeit und einem Datenvolumen, das ich auch zuhause niemals in einem Monat verbrauchen würde, bekommen wir dann jeder für 9 Dollar. Die junge Dame in dem Laden von SMART Mobile ist sehr kompetent und hilfsbereit beim Einrichten der Karte.

Später am Abend sitzen wir dann in einem Khmer-Restaurant, das offenbar ausschließlich von Einheimischen besucht wird. Es gibt leckeren gegrillten Squid und eine mit Eiswürfeln gekühlte Rohkostplatte, dazu bestellen wir noch gebratenen Reis mit Gemüse und thailändisches Bier. Die Einheimischen halten es genauso.

Kurzzeitig fällt der Strom aus und draußen ist es längst dunkel. Nach kurzer Zeit leuchten einige ‚Glühwürmchen‘ in dem großen, hohen Restaurant auf, die Leute leuchten sich mit ihren Smartphones auf die Tische. Für solche Situationen habe ich meine Stirnlampe dabei, aber die liegt nun im Hotel, in Thailand gab es bisher keinen Bedarf dafür. Die Unterbrechung dauert aber nur wenige Minuten, während der sich der Straßenverkehr draußen allein mit den Fahrzeugscheinwerfern durch Staub und Dunst arbeitet.

Das letzte Quartier in Thailand, am Rande des Dörfchens Khlong Hat, war dagegen nochmal ein sehr schönes Beispiel für einfache aber gepflegte Bungalows, die dort abseits der Durchgangsstraße in eine Art Gärtnereibetrieb integriert sind. Die Managerin machte nicht viel Federlesen, als wir dort am frühen Nachmittag ankamen, und begrüßte uns gleich mit dem Zimmerpreis – „you get a room for 600 Baht“, ohne dass wir auch nur fertig gefragt hätten. Ein sauberer Raum in ruhiger Umgebung. Praktisch, dass die Dame auch kochen kann und am Abend für uns immerhin noch eine Reispfanne mit Gemüse zaubert.

Auch die letzten beiden Tagesstrecken in Thailand hatten Spaß gemacht. Die bergige Landschaft in der südlichen Hälfte der Provinz Sa Kaeo bietet schon eine andere Abwechslung fürs Auge, als es die Küstenregionen können. Bewaldete Berghänge, Karstlandschaften und landwirtschaftliche Flächen, hauptsächlich Zuckerrohr und gelegentlich kleinere Kautschuk-Plantagen.

Etwa 20 km nördlich von Ban Nam Ron waren bunte Zelte und so etwas wie ein Volksfest auf einem Klostergelände abseits der Straße 317 zu sehen und zu hören. Als würde ein Stadionsprecher Ansagen machen, dröhnte eine laute Stimme aus einem Lautsprecher auf dem Gelände. Vielleicht eine Sportveranstaltung? Als wir neugierig die Räder unterhalb der Zelte abstellen, werden wir sofort freundlich angesprochen und zum Essen und Probieren eingeladen. An einigen Tischen werden Obst und Getränke gereicht, frische Ananas und gefärbtes Wassereis an dünnen Holzstielen; irgendwo wird gegrillt. Ein freundlicher Herr versucht mit uns ins Gespräch zu kommen.


Der Grund der sonntäglichen Party ist offenbar der gemeinschaftliche Bau des Klostergebäudes. Das Dach wird gerade gedeckt und mehrere Stapel von Dachsteinen in zwei verschiedenen Farben liegen unter einem der bunten Zelte direkt vor dem Gebäude, das sich selbst noch im Rohbau befindet. Jeder kann sich mit Spenden beteiligen und einzelne Dachsteine mit Widmungen versehen, oder einfach nur signieren. Nach der freundlichen Einladung und der leckeren Ananas spenden wir auch und so kommt es, dass einer der orange gefärbten Steine jetzt meinen Namen trägt.
Wir bleiben nicht lange, denn was wir am Tag zuvor an Strecke gespart haben, müssen wir heute nachholen, bis nach Khlong Hat werden es etwa 75 Kilometer. Uns kommt dabei das wellige Straßenprofil etwas entgegen, denn es führt uns hauptsächlich abwärts und oft läuft das Rad wie von selbst.
In Soi Dao ziehen wir die Mittagspause nach etwa 35 km vor, da das Frühstück in Ban Nam Ron so spartanisch ausgefallen war. Ich habe längst Hunger und weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, auf solch einer Reise zu wenig zu essen. Maik kann ich aber auch schnell überzeugen, außerdem wollen wir hier nochmal nach einem Fahrradwerkstatt Ausschau halten, der die Unwucht in seiner vorderen Felge bearbeiten kann. Das scheitert jedoch daran, dass an einem Sonntag zumindest in der Provinz viele Läden geschlossen bleiben. Auch später kommen wir noch in wunderschöner Landschaft an einer Fahrradwerkstatt vorbei, die der Eigentümer verschlossen und verlassen hat und wo uns auch die Nachbarin nicht helfen kann, ihn zu finden (obwohl er dort zu wohnen scheint).

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Also blieb nichts übrig, als bis heute und bis kurz vor die Grenze zu warten, denn die Stadt Aranya Prathet ist groß genug für mehrere Fahrradhändler, und wir haben dort letztlich auch Glück und finden einen gut ausgebildeten und ausgestatteten Zweiradmechaniker, der sich sofort die Zeit nimmt, Maik zu helfen. Anschließend ist die Vorderfelge beinahe wieder wie neu und wir müssen uns keine weiteren Gedanken deswegen machen.

Auf der Strecke von Khlong Hat bis Aranya Prathet, die immer wieder mal recht nah an der Grenze zu Kambodscha verläuft, gibt es dann an beinahe jeder größeren Kreuzung Check-Points von der Polizei, die auch alle besetzt waren, ohne dass wir aber angehalten wurden.

Hier in Kambodscha fallen uns sofort das etwas reserviertere Verhalten der Leute gegenüber uns Fremden und die viel geringere Rücksichtnahme im Straßenverkehr auf. Die Grundsituation ist offenbar auch eine andere, denn schon in den Seitenstraßen ist die Armut offensichtlich, sind Häuser verwahrlost und liegt überall Müll herum, wird direkt an der Straße auf offenem Feuer gekocht und ist die Qualität dieser Nebenstraßen teilweise katastrophal.

Wie sich die Nationalstraße 5 in Richtung Osten entwickelt, werden wir dann morgen sehen, diese Straße führt eigentlich fast schnurgerade bis hinunter nach Phnom Phen. Wegen des Felgenproblems hatte ich beschlossen, keine weiteren Umwege bis Siem Reap zu fahren, wo die Reise für Maik dann geplant endet.

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Veröffentlicht in Thailand

Von der Provinz Rayong nach Sa Kaeo

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Inzwischen ist die Küste des Golfs von Thailand weit weg, das Landschaftsbild hat sich stark gewandelt, nur das heiße Klima ist geblieben. Allerdings war die erste Nacht am Rande eines mittelgebirgsähnlichen Höhenzugs gestern schon etwas kühler als die Nächte am Meer, auch wenn wir nur etwa 240 Meter hoch lagen, rund 50 km nördlich von Chantaburi. Der Aufstieg zum Ende der heutigen Tagesetappe am heißen Nachmittag war ganz schön hart, denn auch wenn die Temperatur nachts jetzt auf 25°C zurückgeht, so sind es nachmittags weiterhin 33°C – 35°C im Schatten – bei fast dauerhaftem Sonnenschein. Die eher sehr lockere Bewölkung ändert daran nicht viel. Kurze Pausen streue ich deshalb immer wieder mal ein, um das Wassertrinken nicht zu vernachlässigen, und an dieser Rampe von 6 – 9 % Steigung konnten wir dies sogar im Schatten eines wandernden Buddha tun.

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Die Streckenlängen liegen jetzt zwischen 60 und 100 km und wegen eines Reifenschadens an Maiks Fahrrad hatte ich etwas umgeplant, damit wir in Chantaburi genügend Zeit hatten, um uns von einem Fahrradhändler dort helfen zu lassen. Ein netter junger Mann, der allerdings mehr seine gerade ankommende Lieferung von Neuware im Kopf hatte, als einige Dinge von Maiks Rad, die wir nach der Reparatur erstmal in seinem Laden suchen mussten. Nördlich dieser Provinzstadt erstrecken sich entlang der kleineren Landstraßen viele kleine Siedlungen, die mehr oder weniger ineinander übergehen, gelegentlich sind Kautschuk-Plantagen und auch kleinere Pflanzungen von Ölpalmen zu sehen. Entlang der Küste fiel mir das dortige Bisschen Landwirtschaft kaum in die Augen; Maniok wird dort angebaut, manchmal Ananas. Vielmehr mussten wir westlich von Rayong eine große Chemie- und Öl verarbeitende Anlage durchqueren, die offenbar die Ölversorgung für einen Teil des Landes bewerkstelligt.

Von Phala Beach aus führte die Straße beinahe geradlinig in geringem Abstand parallel zur Küste und auf die Chemie- bzw. Raffinerie-Anlagen zu, die vom dortigen Strand in der Ferne schon zu sehen waren. Der kürzeste Weg, daran vorbei zu kommen, ist derjenige hindurch, und auch wenn es ein Anlagenkomplex auf der Fläche einer Kleinstadt ist, nach nicht mal einer halben Stunde lag dieses Areal wieder hinter uns. In den anschließenden Vororten von Rayong war dieses Bild aber schnell wieder vergessen. Stattdessen dörfliches Flair mit den üblichen Geschäften, Straßenhändlern – einem offenen Friseurgeschäft. Die junge Dame gibt sich geduldig mit dem Schnitt des Jungen auf ihrem Stuhl. Eher zufällig halte ich zum Trinken im Schatten genau gegenüber von ihrem Laden.

Nach Rayong hinein fährt man dann, ähnlich wie schon zwischen Chonburi und Pattaya, durch langsam dichter werdende Gewerbe- und Wohnbebauung. Touristen verirren sich in diese Region kaum, höchstens außerhalb von Rayong, weiter ostwärts dieser etwas größeren Provinzstadt, und natürlich eher in Küstennähe. Rayong selbst liegt einige Kilometer nördlich des Meeres. Es gibt dort einen großen Markt mit teils chaotischem Lieferverkehr, wie in anderen Städten auch. Und das dortige Postamt war einigermaßen schnell zu finden.


Die Strände weiter östlich sind dann schon deutlich einsamer, als sie es in der Gegend von Pattaya und selbst noch in Phala gewesen sind. Trotz des natürlich immer vorhandenen Verkehrs fährt es sich mit dem Rad dort prima, lange nicht mehr so stressend wie an den großen Touristenorten. Entlang des Lan Hin Khao Strandes liegen an einigen Stellen bunte, kleine Fischerboote am Strand und viele kleine improvisierte Restaurants unter Palmen bieten Krabben, Krebse, Meeresschnecken und andere Mollusken. Vorher kann man sie sich in großen Aquarien anschauen. Nichts für mich, aber die Nachfrage scheint groß zu sein.
Von Ban Phe aus, in dessen Nähe wir einen Tag pausiert haben, gehen zudem regelmäßige Fährschiffe zur Insel Ko Samet ab. Dort trifft man u.a. auf Überwinterer aus Europa, oder Rentner, die gleich ihren ganzen Lebensabend in Thailand verbringen, so z.B. ein freundlicher Schweizer, beruflich ehemals Koch, der bereits 7 Jahre mit seiner thailändischen Partnerin im Land lebt, seit 2 Jahren an diesem abgeschiedenen Küstenabschnitt.

In der Bucht von Klaeng, bei Ban Pak Nam Prasae mündet nicht nur ein breiter Fluss ins Meer, an dessen Ufer ein malerisches Fischerdörfchen mit mindestens so vielen Kuttern wie Einwohner liegt, die Gegend ist auch ein weitläufiges Feuchtgebiet, in dem Mangroven wachsen und offenbar über eine große Fläche auch neu angepflanzt werden. In einem Restaurant am Flussufer, wo es leckere Fischsuppe gibt, werden die Geister der Seefahrer mit Lebensmittelspenden wohlgesonnen gestimmt, so wie sonst auch die Geister, die sich ja hierzulande überall aufhalten – eine interessante Facette
Auf einem dem Restaurant nahe gelegenen Klostergelände brennt dann jemand unvermittelt ein Feuerwerk ab, denn das Chinesische Neujahrsfest steht ja kurz bevor. Was für ein Höllenlärm – ab und an hatten wir heute schon derartiges gehört, jedoch immer nur schwer zuordenbar und irgendwo weit weg.

Doch den Küstenbereich verlassen wir dann bald, Chantaburi liegt etwa 10 km landeinwärts in hügeligem Gelände und von dort aus ging es heute nun vorübergehend in die Berge. In Ban Nam Ron setzen wir uns nach der Anstrengung nun kurz in ein Café, das der großen Tankstelle an der dortigen Straßenkreuzung angegliedert ist und trinken Eiskaffee. Der Ort ist nicht groß, aber es gibt immerhin ein ordentliches Motel und dort treffen wir überraschender Weise auf einen weiteren Berliner – mit Fahrrad – nennen wir ihn Günter. Sein früheres Leben als BVG-Busfahrer hat er lange hinter sich gelassen und verbringt nun den Winter in Thailand. Er ist allerdings in umgekehrter Richtung unterwegs und will über Bangkok weiter in Richtung Süden fahren.

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Veröffentlicht in Thailand

Zur Ostküste des Golfs von Thailand

CDR_1275Erst früh am Morgen verstummte die Antriebsmaschine der Pumpe, die Wasser aus dem Hauptkanal in einen der Seitenarme für die Versorgung der umliegenden Fischteiche gedrückt hat. Das monotone Tuckern begleitete den Schlaf, der sich bei der ungewohnten Wärme nur schwer und mit Unterbrechungen einstellte. Trotzdem starten wir vom Chai Khlong Resort einigermaßen ausgeruht bei etwa 28°C und leicht diesiger Sicht in den Morgen. Um die breite Fernstraße und vor allem die Baustelle dort zu meiden, fahren wir auf einer schmalen Nebenstrecke schon bald durch frisch-grüne Reisfelder und nach nicht einmal 2 Kilometern begegnen uns zwei ältere Damen auf bepackten Reiserädern genau auf der Spitze einer kleinen Kanalbrücke. Zwei radbegeisterte Damen aus Amsterdam, die seit etwa 8 Wochen durch Thailand reisen, und das nicht zum ersten Mal, wie sie sagen.

Kurz nach dieser zufälligen Begegnung halten wir an einem kleinen Straßenrestaurant, um zu frühstücken. Zumindest ist dies unser Wunsch. Die freundliche Köchin räumt zwar gerade zusammen, aber sie bedeutet uns auch, dass wir noch etwas zu essen bekommen können und macht dann zwei Portionen einer leckeren Reispfanne mit Gemüse und Schrimps. Ein guter Start in den schon am frühen Vormittag recht heißen Tag, und da wir nur bis nach Chachoengsao fahren wollen, rollen wir anschließend gemächlich durch die flache Landschaft, in der sich Reisfelder und trockenes Brachland abwechseln. Auch hier sorgen mobile Pumpen an einigen Feldern für die Wasserverteilung aus einem größeren Kanal, der parallel zur Straße verläuft, in die entlang der Felder führenden Stichkanäle. Viele Reiher und Herons lauern an diesen Kanälen auf offenbar reichlich vorhandene Beute im Wasser. Störche segeln über die Landschaft und landen manchmal eher unbeholfen auf den Kokospalmen.

Die Landschaft ist auch ein wenig geprägt von den vielen Buddhistischen Klöstern, die nie gleich angeordnet sind und manchmal direkt an der Straße liegen, manchmal aber auch deutlich abseits. So hatte ich den auf einmal aus unbestimmter Richtung wahrnehmbaren Singsang als von einem der Klöster kommend eingeordnet. Aber mit dem eher monotonen Singsang der Mönche hatte das nichts gemein und beim Näherkommen waren auch arabische Fragmente in dem Gesang einer Männerstimme herauszuhören. Ein Muezzin von einer der vier sich ebenfalls in dieser Gegend westlich von Chachoengsao befindenden Moscheen, der jetzt am Vormittag nicht zum Gebet ruft, sondern offenbar den gesamten Korans singend herunter betet, bzw. über ein verteiltes Netz von Lautsprechern in die Gegend hinaus singt.

An einer Koranschule rollen wir direkt vorbei, die Moscheen liegen jeweils etwas abseits der Nebenstraße auf nicht mal 10 km verteilt, wie ich später auf der Karte sehe. Eine interessante Abwechslung im sonst sehr buddhistisch dominierten Thailand, und wenn ich genau hinsehe, dann tragen einige der jungen Frauen in dieser Gegend auch lange Kopftücher, die den Hals mit einbeziehen, so wie es Frauen in Malaysia oder Indonesien tun.

Später am frühen Abend hören wir aber auch noch den tatsächlich sehr eintönigen Singsang der Buddhistischen Mönche, die im ‚Wat Sothon Wraram Wohawiran‘ ihre Art der Andacht zelebrieren, ein Kloster mit großer Tempelanlage, das in fußläufiger Nähe unseres Quartiers in dieser Stadt liegt. Dieser Tempel ist bei den Einheimischen offenbar sehr beliebt und am Nachmittag voller Besucher, als wir auf dem Weg zu dem Guesthouse, in dem wir hier übernachten, vorbei fahren.

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In Chachoengsao brauchen wir drei Anläufe, um ein Zimmer zu finden, da die ersten beiden Favoriten bereits ausgebucht sind. Damit hätte ich ja nicht gerechnet, aber auf diese Weise kommen wir in eine Ecke der Stadt, in der dieser Tempelbezirk und ein kleiner daran anschließender Nachtmarkt die Leute anzieht. An dem gegenüber liegenden Markt lassen wir uns in einem der Restaurants Nudelsuppe mit Seafood machen.

Am Sonntag fahren wir zeitig in Chachoengsao los, frühstücken nur schnell zwei Toasts, um überhaupt etwas im Magen zu haben, aber stehen dann erstmal eine Weile im Stau, weil vor dem Tempelbezirk, der gestern schon gut besucht war, die Autos heute in beiden Richtungen über eine weite Strecke anstehen, um an die Parkplätze auf dem Gelände zu kommen. Die bieten zwar viel Platz, das hatten wir gestern bei einem Rundgang auf dem weitläufigen Gelände noch gesehen, aber die Zufahrt ist umständlich und bei einem solchen Ansturm ein Nadelöhr. Nach etwa 10 Minuten sind wir aber daran vorbei und rollen bei morgendlichen 28°C zügig aus der Stadt heraus. Wenige Kilometer fahren wir am Rand der sechsspurig ausgebauten 314 gen Süden und zweigen schnell auf kleinere Verbindungsstraßen ab, die ebenfalls flach aber lange nicht mehr so geradlinig durch ehemalige Sumpfgebiete am Bang Pakong River führen.

Nach etwa 18 km befindet sich wie bestellt, offen aber überdacht und direkt oberhalb eines größeren Fischteichs, ein freundliches Restaurant, in dem wir eine Nudelsuppe mit Fisch (wen wundert’s?) bekommen. Dazu Eiskaffee und der Rest des Tages läuft gleich nochmal so gut.

Der einfachere, geradlinige Weg an die Küstengebiete nördlich von Pattaya hätte zwar eine deutlich kürzere Strecke bedeutet, aber diese 4- oder 6-spurigen Fernstraßen bedeuten auch viel Stress durch den permanenten Verkehr mit hohem LKW-Anteil. Wir fahren hier eine deutlich längere aber viel abwechslungsreichere Strecke, die immer zwar auch an die eine oder andere breite Straße heran und daran entlang führt, aber auch weniger Verkehr aufweist und auch viel mehr Einblicke ins Land bietet. An unserem Tagesziel Bangsaen kommen wir dann nach 71 Kilometern trotzdem noch recht früh am Nachmittag an.

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