Veröffentlicht in Thailand

Von Bangkok in Richtung Sa Kaeo

Von Bangkok bin ich bereits am Dienstag weiter gereist und inzwischen wieder drei Tagesetappen entfernt. Besonders heute stand der Wind günstig, so dass ich trotz einem leicht welligen Gelände recht schnell vorwärts gekommen bin. Bei den jetzt etwas höher steigenden Temperaturen ist mir das ganz lieb, denn automatisch mache ich auch mehr Pausen und brauche trotzdem nicht länger.

Da ich mein Quartier in der Thailändischen Hauptstadt noch westlich des breiten Flusses Chao Phraya und des eigentlichen Zentrums hatte, musste ich zunächst quer durch die Stadt und dann vom östlichen Rand aus weiter in Richtung Flughafen radeln. Eine ständig dicht befahrene Strecke, auf der ich immer wieder am ewig langen Stau links vorbei fahren konnte, so wie all die vielen Mopedfahrer auch, die sich unerschrocken bis zur nächsten Ampel vorarbeiten, sich dort sammeln, immer weiter vortastend, und dann als ein brummender, röhrender Schwarm bereits zwei Sekunden vor der nächsten Grünphase sich über die noch nicht ganz freie Kreuzung ergießen.

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Etwa 17 km Streß, Hektik, Staub und Rußwolken aus manchmal altertümlichen LKWs dauerten so mehr als eine Stunde, bevor ich auf der Ausfallstraße in Richtung Flughafen wieder etwas durchatmen konnte. Viel dünner war der Verkehr dort allerdings auch nicht, dafür aber die Straße etwas breiter.
Volle Aufmerksamkeit erfordern Sammeltaxis, die verhältnismäßig langsam auf der linken Spur fahren, manchmal nicht viel schneller als ich auch, und deren Fahrer mehr auf potentielle Kunden am Straßenrand schauen, als auf mich.
Erst weit hinter dem Flughafen, von dem ich aus der Entfernung nicht viel gesehen habe, wurde der Verkehr dann wirklich dünner. Dort liegen u.a. mehrere Depots von Reisebussen und dutzende dieser Busse, die vermutlich ihre Fahrgäste direkt vom Flughafen abholen, bzw. dort abliefern, fahren hier entweder in diese Depots, staubige Freiflächen hinter hohen Zäunen, oder wenden an einer dafür verbreiterten Wendestelle und fahren in Richtung Flughafen oder Bangkok zurück.
Nach weit mehr als 30 Kilometern für mich dann auch Zeit, endlich eine längere Pause zu machen und etwas zu essen. Allerdings kann man von Restaurantdichte nicht mehr sprechen, ich muss noch ein Stück weiterfahren, bis ich eines finde, und auf dessen überdachter Fläche mit Aussicht über einen kleinen See setze ich mich für etwa eine halbe Stunde in den Schatten.

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Keine Gewerbegebiete und Industrie-Ansiedlungen mehr an der Straße, einfach nur Siedlungen und Geschäfte. Z.B. ein Fahrradhändler, bei dem ich mir eine große Luftpumpe nehmen durfte, um meine Reifen mal richtig nachzufüllen. Mit wieder rund 5 bar in den Rädern rollte es sich gleich nochmal so gut.
Doch kurz danach begann der richtig staubige Teil dieses Tages: die Straße wurde für viele Kilometer zu einer Baustelle, die Fahrbahn abgefräst und in der Breite reduziert, rechts und links wurde der Unterbau erweitert, teilweise neu angelegt. Nun war ich für LKWs ein Hindernis, die nur an mir vorbeikamen, wenn gerade kein Gegenverkehr kam. Ich machte mich richtig breit, damit es auch niemand versuchte. Die Fahrer können ja auch nichts dafür, doch wenn so ein breiter LKW erst vor mir fährt und mit seinen großen Rädern im Dreck wühlt, dann muss ich den Staub schlucken.
Zum Glück konnte ich vorzeitig auf eine kleinere Straße ausweichen und wie in einer anderen Welt, viel entspannter in Richtung Chachoengsao weiterfahren.
Auch eine größere Stadt, die ich dann an diesem Tag nach 78 Kilometern erreiche. In der weiten Landschaft, die von vielen Kanälen durchzogen ist, wird auch wieder Reis angebaut.

An den nächsten beiden Tagen hatte ich dann mit den Routen 304 und 359 hauptsächlich Schnellstraßen in meiner Richtung, die ich nur zum Teil umgehen konnte. Dabei ließ es sich auf diesen ziemlich geradlinig verlaufenden Straßen eigentlich ganz gut fahren, da der Wind inzwischen aus westlichen Richtungen kommt und mich hier jeweils gut geschoben hat. Außerdem war das Verkehrsaufkommen auf der Route 359 deutlich geringer als am Tag zuvor auf der 304.
Die Landschaft ist nun allerdings viel öder und trockener geworden, es wird viel Zuckerrohr angebaut und heute am Nachmittag, bevor ich Sa Kaeo erreicht habe, konnte ich über zwei Feldern schwarze Rauchsäulen stehen sehen. Wie in Afrika werden die Felder abgebrannt, um das Zuckerrohr leichter ernten zu können. Die Region ist verhältnismäßig dünn besiedelt, Restaurants oder vergleichbare Mikrobetriebe sind in Dörfern selten geworden, außerhalb davon erst recht. Aber was die Leute haben, bieten sie einem an.
So hatte ich in der Nachmittagshitze großen Appetit auf einen Eiskaffee, -tee oder zumindest eine kühle Cola und bei einem Restaurant, das durch einen schmalen Graben von der Straße getrennt war, angehalten und die Dame des Hauses aus ihrer Nachmittagsruhe vor dem altertümlichen Fernseher, der draußen im Schatten stand und lief, aufgestört und nach Cola gefragt, da Kaffee oder Tee nicht sehr wahrscheinlich waren. Die habe ich auch bekommen und ein Glas voll Eis dazu. Ihren Mann hatte ich im Schatten auf der Bank neben ihrem einfachen Stuhl gar nicht gesehen. Der wurde aber offenbar auch wach und kam nun zu mir und stellte mir noch ein Päckchen Toastbrot dazu, offenbar das einzige was seine Küche im Moment bieten konnte. Das fand ich ja auch nett.

Inzwischen ist das Chinesische Neujahrsfest vorrüber und heute morgen wurden in der Umgegend des Motels, in dem ich übernachtet hatte, viele kleine Feuerwerke abgebrannt. Jeweils ein kleiner Teppich von Knallkörpern die vor sich hin knattern und mit zwei lauten Böllern abschließen. Die Vögel der näheren Umgebung fühlen sich immer arg erschreckt. Gehört hatte ich soetwas morgens schon öfter in Thailand, aber nie so massiv wie heute morgen.

Zwei Tage vorher, kurz bevor ich nach Chachoengsao gekommen bin, hatte jemand vom Hof eines Tempels aus (Wat Bang Prong) Kanonenschläge in die Luft geschossen, die dann in vielleicht 100 bis 150 Metern Höhe als Dreifachböller mit kurzem Abstand explodiert sind.

In Sa Kaeo stehe ich nun kurz vor der Grenze nach Kambodscha und am Abend esse ich nochmal typisch Thailändisch, lasse mir Pad Thai machen und einen leckeren, Spicy Papaya-Salat mit Seafood im Mörser zubereiten (das habe ich nun auch gelernt).

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Von Stadt zu Stadt

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In Samut Songkhram bekomme ich nochmal das Flair einer größeren thailändischen Provinzstadt präsentiert, nach einem langen sonnigen Tag auf dem Rad und einer etwas unfreundlicher werdenden Landschaft. Von den nordwestlichen Stränden des Golfs von Thailand habe ich mich nun verabschiedet. Chao Samran war das letzte Nest, in dem mehrere Strandresorts um Gäste buhlen und wo die First Class-Reisebusse aus Bangkok in Richtung Süden offenbar als erstes Halt machen, um ihre Insassen bei einem großen Strandrestaurant mit Massenabfertigung für etwa eine Dreiviertelstunde zum Essen abzuladen.

Der Bus fuhr dann weiter in Richtung Süden, für mich wurde in nördlicher Richtung die Landschaft karger. Auf großen Flächen wird dort aus einem umfangreichen Grabensystem Wasser vom Meer her verteilt und verdunstet und das zurückgebliebene Salz dann mühsam gewonnen. Auf manchen Flächen steht einfach nur Wasser, auf anderen wird der bereits durch die Verdunstung zurück gebliebene Salzschlamm mit kleinen Walzen gleichmäßig planiert. Kein Baum, kein Schatten, über viele Kilometer.

Die Stadt Samut Songkhram liegt etwas nördlich der Fernverbindung 4, auf der ich zuletzt mangels Alternative einige Kilometer fahren musste. Der Seitenstreifen ist dort zwar breit, aber der ständig vorbeiziehende Verkehr mit seinem permanenten Lärm nervt und belastet doch recht stark. Da ist es beinah schon wieder erholsam, langsam durch die mit schmucklosen, herunter gekommenen Betonbauten gesäumten Straßen zu rollen. Dabei muss ich hier noch aufmerksamer fahren, als am Rand der Fernstraße, denn die vielen Motorräder, Sammeltaxis, Kleintransporter, die immer mal abrupt am Straßenrand halten oder aus einer Einfahrt oder Seitenstraße kommen, sind keine Ausnahme sondern eher die Regel. Mopedfahrer fahren zudem gerne auch in die falsche Richtung.
Die Straßen der Stadt sind hoffnungslos verstopft, als ich am späten Nachmittag dort ankomme, aber über die Wochen habe ich mir angewöhnt, mit dem Fahrrad genauso frech und beharrlich am Stau vorbei zu rollen, wie es die Motorradfahrer tun und dabei nötigenfalls zwischen den stehenden Autos die Spur zu wechseln, um bis zur nächsten Ampel vorwärts zu kommen. Später werde ich von illegal am Straßenrand haltenden Fahrzeugen eh wieder geschnitten oder ‚abgeklemmt‘.
Ich finde mein Hotel in der Nähe eines Sportstadions aber trotzdem recht gut und bekomme dort ein Zimmer in einer der oberen Etagen für auch einmal wieder deutlich unter 1000 Baht. In den Ferienorten lagen die Preise zuletzt doch deutlich höher.


Viel Zeit für eine Stadterkundung bleibt mir wegen der einsetzenden Dämmerung nicht. Rund um das Wat Phet Samut ist bereits ein Nachtmarkt im Gange, die Straßen sind voller Menschen und für den Verkehr nur teilweise gesperrt. So ist das Durchkommen auch zu Fuß gar nicht so einfach, aber höchst spannend. Die Geräuschkulisse ist unbeschreiblich, wo sich in der Dämmerung nun auch noch tausende Vögel auf den Häuserdächern und in den vielen Kabeln, die überall in den Straßen oberirdisch geführt werden, niederlassen.

Zum Abendessen lasse ich mir in einem sehr stark von Einheimischen frequentierten Straßenrestaurant am Rand des Zentrums erst eine, später eine zweite Portion Reisnudeln mit Meeresfrüchten, Gemüse und Ei aus dem Wok zaubern. Da ich wiedermal um eine Version ’not so spicy‘ gebeten habe, verzichtet die Köchin ganz auf scharfe Gewürze, so dass ich ein Schälchen frisches Chili doch noch nachbestellen muss. Das esse ich dann auch leer, denn inzwischen bin ich ja eine gewisse Schärfe gewöhnt, die ich auch gar nicht missen will.

Nachts ist es ja im Moment einigermaßen kühl, die Temperatur fällt auf unter 26° C ab, aber der nächste Morgen bringt wieder viel Sonne und ich habe eine etwa 80 km-Etappe zu fahren. Aus Samut Songkhram hinaus fahre ich zunächst auf der kleineren Route 3092 für nicht ganz 20 km fast schnurgerade mit wenigen Kilometern Abstand parallel zur breit ausgebauten Fernroute 35. Weiterhin sind es Salinen, die beiderseits der Straße Flächen verbrauchen. Nach etwa halber Strecke hört hier jedoch der Asphalt plötzlich auf – die schöne Straße geht in eine Baustelle über. Zum Glück nur für ein kurzes Stück.
Doch die Nebenroute mündet dann in die Fernstraße, kurz bevor diese den Fluss Sunak Hon überquert, und am Randstreifen dieser 2x dreispurigen, einer Autobahn ähnlichen Straße radele ich dann der Hauptstadt Bangkok entgegen. Wenn nicht der Lärm und die Abgase der vielen Fahrzeuge wären, eigentlich auch nicht weiter schlimm. Vom LKW-Verkehr profitiere ich am Rand der breiten Straße insofern, als dass mir die Luftwirbel, die diese Fahrzeuge mit sich mitziehen, ein wenig den Windwiderstand nehmen, so komme ich letztlich viel schneller vorwärts als wenn ich allein die Luft vor mir herschieben würde. Der Lärm un der Staub sind aber auf Dauer sehr unangenehm.

Entlang der breiten Fernstraße befinden sich dann Industrie- und Gewerbegebiete, Autohändler, eine Art von Vergnügungspark, eine Shopping-Mall, aber auch eine großflächige Tempelanlage und nach etwa 40 km mache ich in Samut Sakhon eine längere Pause und esse in einer Seitenstraße mal wieder frisch aus dem Wok. Die Frauen, die solch kleine Garküchen betreiben, lachen immer wieder, wenn ich versuche, durch Zeigen auf ihre teils in Schüsseln liegenden, teils ausgebreiteten Zutaten ein Gericht zusammenzustellen.
Auch Samut Sakhon liegt nicht direkt an dieser Schnellstraße und es führt auch kein direkter Abzweig dorthin. Ich muss mit dem Verkehr eine Ausfahrt nehmen, die zunächst in eine andere Richtung führt und dann an einem größeren Kreisverkehr den richtigen Weg erwischen. Bei Spurwechseln bin ich natürlich vorsichtig, aber fahre bestimmt, dränge mich mit Handzeichen auch zwischen die Fahrzeuge, was nicht so schwierig ist, da man in Kolonne nicht schnell fahren kann. Denn nichts ist schlimmer, als mit dem schwer bepackten Rad irgendwo am linken Rand halten zu müssen, um dann aus dem Stillstand heraus über mehrere Spuren zur anderen Seite zu queren, weil die gewünschte Ausfahrt dort liegt.
An dieser Stelle geht es aus dem Keisverkehr heraus gleich auf die Rampe einer Brücke, die dann die Autobahn quert. Hinter mir fährt ein Polizei-Pickup, auf dessen Ladefläche mehrere Beamte sitzen, von denen später einer, als der Wagen an mir vorbei zieht, meine Gesten beim Manövrieren über die verschiedenen Fahrstreifen hinweg winkend und mit hochgerecktem Daumen honoriert.

Bangkok erreiche ich dann am Nachmittag. Von Singapur her sind es doch etwas mehr als 2600 Kilometer geworden, die ich in den letzten sechs Wochen auf dem Rad zurückgelegt habe. Die Fernstraße 35, entlang welcher ich von Samut Songkhram hauptsächlich weitergefahren bin, wurde dabei zu einer 2x fünfstreifigen Zumutung, wobei der Verkehr aus der Stadt heraus offenbar noch dichter war, als der in meiner Richtung auf Bangkok zu.
Aber ich setze mich etwa 15 km vor dem Zentrum von dieser Straße ab, fahre auf einer der kleineren Vorortstraßen, die ebenfalls gerade aufs Zentrum zulaufen, in Richtung Chom Thong bzw. Thon Buri, wo ich letztlich in einem der kleineren Hotels ein schönes Zimmer für drei Nächte finde. Beine ausstrecken auf einer wunderbar angelegten, gepolsterten Fensterbank.

 

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Begegnungen? – Ja, viele.

Ich habe aufgehört sie zu zählen, dafür treffe ich hier in Thailand einfach zu viele andere Radfahrer. Meistens ist nicht mehr als ein kurzes ‚Hallo‘ oder ein sich zuwinken drin, und einige ignorieren mich auch. Vielleicht haben sie ja selbst bereits zu viele Gleichgesinnte getroffen.

Der nördliche Abschnitt der Küste des Golfs von Thailand ist aber auch ein ausgesprochen gutes Revier zum Radfahren, und je weiter ich nun nach Norden komme, desto dichter wird außerdem die Ferien-Infrastruktur. Weiter südlich, zwischen Surat Thani und Chumphon sind die Resorts klein, schlicht und teilweise sogar verwaist, da für die einheimischen Touristen jetzt offenbar keine Saison ist. Dafür habe ich dort ein ländliches, ursprünglicheres Thailand zu Gesicht bekommen, das man im Norden (zumindest entlang der Küste) gar nicht mehr findet. Europäische oder australische Touristen kommen wohl eher selten dorthin, was aber Ausnahmen nicht ausschließt. Unterkünfte sind noch vergleichsweise preiswert, was nicht heißt, dass sie schlicht oder auf niedrigem Niveau sein müssen. Die Qualität ist einfach sehr unterschiedlich.
Um die Stadt Chumphon herum ist das Gelände zudem etwas bergiger, weshalb Radurlauber diese Region wohl eher als die südliche Grenze für einen längeren ‚Ausflug‘ von Bangkok her sehen.

Nördlich von Chumphon aber treffe ich doch einige Radler, die jeweils zwei bis drei Wochen im Land unterwegs sind. Abgesehen von immer mehr Strandurlaubern oder sonstigen Touristen bzw. auch Überwinterern. Es sind nicht wenige Rentner aus allen möglichen Ecken Europas, die hier braungebrannt auf ihren Scootern durch die Straßen tuckern.
Zwischen Chumphon und Prachuap Khiri Khan gibt es sogar einzelne Orte, an denen sich Touristen aus Nordeuropa sozusagen konzentrieren, wobei die Strände nicht unbedingt die schönsten sind, bis auf Ausnahmen, die als Geheimtipp gelten könnten. Bei Ban Krut etwa, wo der ca. 20 Kilometer lange Strandabschnitt nach Süden hin außerdem von einer sehr malerischen Bucht abgeschlossen wird.
Und z.B. bei Huai Yang, das fest in Skandinavischer Hand ist. Dort ist der Strand nach Norden hin durch ein Naturreservat abgegrenzt und im Ort und dessen Umgebung weisen viele Werbetafeln in schwedischer Sprache auf den Verkauf und die bauliche Entwicklung von Grundstücken und Ferienhäusern hin, und die Speisekarte zumindest des Restaurants in dem ich am Abend gegessen habe, ist neben Thai und Englisch auch in Schwedisch abgefasst. Schon witzig.
Der kleine Bahnhof des Dörfchens Huai Yang erinnert wegen der Holzbauweise und seinem roten und gelben Anstrich durchaus auch entfernt an Schweden. Die meisten Bahnhöfe der Linie Surat Thani – Bangkok sind zwar in diesem Stil errichtet, aber hier liegt die Assoziation besonders nah.

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Bahnhof von Huai Yang

Und hier nun, etwa 100 Kilometer nördlich von Prachuap Khiri Khan ist nichts mehr mit Geheimtipps, hier stehen die Hotels und Resorts manchmal nahtlos nebeneinander, Restaurants buhlen um Kundschaft und Läden bieten neben bunten Stoffen für den Strand, Souvenirs, Koffern und Taschen z.B. „The Hugo Boss Collection – Beach Schneiderei“. Morgens wird am Meer gejoggt, Urlauber radeln mit geliehenen City-Bikes die Promenade auf und ab oder liegen den halben Tag in der Sonne. Am Stadtstrand von Cha-Am stehen die Sonnenschirme wie an der italienischen Riviera, oder der bulgarischen Schwarzmeerküste zu hunderten in mehreren Reihen nebeneinander.
Meins ist das nicht, aber die große Nachfrage an Bettenkapazität schafft auch ein recht vielfältiges Angebot und so kann ich hier zwischen wunderbar gestalteten Anlagen mit Pool und viel Security auch preiswerte Zimmer in schönen Hotels bekommen, die auch nicht weiter entfernt vom Meer liegen, ihre beste Zeit aber vielleicht schon hinter sich haben. Sie sind vielleicht etwas angestaubt, dafür nicht so stark ausgebucht und bieten mir trotzdem den Komfort, den ich als Radreisender nach einer langen Etappe suche. So ging es mir zumindest in Pak Nam Pran und auch hier am Rand von Cha-Am, wo ich mal wieder einen Tag pausiere.

Man kann in Thailand offenbar einigermaßen gute Fahrräder mit Gepäckträger preiswert leihen. Gestern traf ich bei einer Seafood-Farm mit angeschlossenem Restaurant, wo ich mittags eine längere Pause gemacht hatte, zwei Radler aus Deutschland, die von Bangkok aus südwärts radeln und so wie Andere auch, die ich einige Tage zuvor getroffen hatte, später mit der Bahn wieder zurück reisen wollen. Die Mountain-Bikes, mit denen sie unterwegs sind, kosten wohl 150 Euro für die drei Wochen, was vergleichsweise preiswert ist. Zumindest verglichen mit den Transportkosten für das eigene Fahrrad, abhängig von der gewählten Airline natürlich, die in der Regel deutlich höher liegen, und abgesehen vom Verpackungsaufwand, den man mit dem eigenen Fahrrad hat. Packtaschen und eigene Sättel haben sie mitgebracht.

Zwar weniger, aber dafür nette und überraschende Begegnungen, an die ich mich auch sehr gerne erinnere, hatte ich zu Beginn dieser Reise in Malaysia. Einmal war da der Versuch des Fahrers eines Kleintransporters, an einem heißen, sonnigen Vormittag mich mit Handzeichen aus seinem Fenster heraus zu stoppen, was ihm erst im zweiten Versuch gelang, da ich ja von Natur aus skeptisch bin, und dann die Überraschung für mich, als er mir eine Dose eines isotonischen Getränks (Plus100) in die Hand drückte.

Ein anderes Mal, wenige Tage später, als ich früh mit wenigen Bananen und Keksen im Bauch losfahre, weil das Hotel (in Batu Pahat) kein Frühstück anbietet, mache ich nach etwa 18 Kilometern eine Pause bei einem Restaurant an der Straße, das mir sympathisch erscheint. Es ist inzwischen sonniger Vormittag und unter der weitläufigen, niedrigen Überdachung etwas abseits der Straße sind einige Tische noch frei.
In der kleinen Glasvitrine gleich neben der Koch- und Grillplatte, auf der jemand Teigfladen bäckt, liegen einige kleine Teig-Quader aufgeschichtet, daneben eine Schüssel mit rohen Eiern und eine mit Salat und Lauchzwiebeln. Davor befinden sich weitere Schüsseln mit verschiedenen, eher dünnflüssigen Soßen. Das sieht nach scharfen Gewürzen aus. In einem großen, gut isolierten Eimer befindet sch Reis.
Eine der beiden Frauen, die hier offenbar gemeinsam mit dem Mann an der Koch-/Grillplatte den Betrieb schmeißen, frage ich nach einem Kaffee, den ich kurz darauf von der zweiten Frau in einem Glas geliefert bekomme. Tiefschwarz mit würzigem Geschmack und leicht gesüßt. Ich frage die Frau, was ich zu essen bekommen kann und deute auf den Teig. – Roti, sagt sie, was ich nicht verstehe, aber ich bedeute ihr, dass ich gerne zwei Stück davon hätte und zwei Spiegeleier dazu. Kurz darauf habe ich zwei knusperdünne Teigfladen auf einem Teller vor mir auf dem Tisch und ein Spiegelei obendrauf. Das Zweite Ei ist wohl im Rauschen untergegangen. Dazu bekomme ich ein Schälchen mit einer bräunlichen, sämigen Soße, in der Chili-Kerne schwimmen und ich habe zunächst Bedenken, davon zu essen. Die Soße stellt sich aber als sehr leckere und milde Erdnusssoße mit Curry-Note heraus, die sogar sehr gut zu den Fladen passt. Kurz: ich bin mit diesem für mich zweiten Frühstück höchst zufrieden und wahrscheinlich merkt man mir dies auch an.

Während ich esse, mache ich mir auch Notizen in meinem Tagebuch, wie eigentlich immer wenn ich eine längere Pause mache, und ich bin mit den beiden Fladen noch nicht ganz fertig, da sagt die freundliche Frau, die mir den Teller mit dem Essen gebracht hatte, etwas von bezahlen. Ja na klar – denke ich, bezahlen muss ich auch, und greife zu meiner Bauchtasche. Nein, nein – bedeutet sie mir, es sei schon bezahlt, der ältere Herr am Nebentisch hätte für mich mitbezahlt.
Uups – geht es mir durch den Kopf, und es fällt mir nicht so recht etwas dazu ein – das verblüfft mich dann doch. Den freundlichen Moslem am Nebentisch, älterer Herr in grau gefärbtem Kaftan und mit weißer Taqiyah auf seinem grauhaarigen Kopf, in Begleitung einer ebenfalls älteren Frau, hatte ich durchaus wahrgenommen und bei meiner Ankunft auch freundlich gegrüßt, ansonsten aber nicht weiter beachtet.
Ich weiß nicht was ich sagen soll, danke ihm jedenfalls, und die Frau nickt mir lächelnd zu, während er sich ebenfalls lächelnd aber schweigend entfernt.
Was ihn zu der Geste bewogen hat, ist mir nicht so recht klar geworden, gefreut hat es mich aber allemal.

Derartige Begegnungen machen natürlich einen Teil der Spannung bei einer solchen Reise aus, die ich nicht missen möchte. Genauso wenig wie die zufälligen Begegnungen mit anderen Fernreisenden oder Weltenbummlern, die wie ich die langsame Fortbewegung mit dem Zweirad in der Fremde lieben.

Da sind die beiden jungen schwedischen Pärchen, die jeweils von Stockholm aus einmal um die Welt, bzw. bis nach Singapur reisen und die ich im Abstand von etwa zwei Wochen getroffen habe, und da sind Kanzo aus Südkorea und seine Frau aus Thailand, die ich am Morgen als ich Melaka in Richtung Norden verließ, plötzlich gemächlich radelnd vor mir hatte und die sich ebenfalls die kurze Zeit genommen haben, sich mit mir über Erfahrungen und Reisepläne auszutauschen. Das war noch mit die schönste Begegnung, die ich in Malaysia hatte. Solch gemütliche und ausgeglichene Menschen trifft man wohl sehr selten.
Bis Myanmar hätten wir theoretisch gemeinsam fahren können, dorthin haben sie ihren Fokus gelegt und den ersten Grenzübergang dorthin habe ich erst vorgestern passiert, doch mein Reisetempo ist für die beiden zu hoch. So rollten wir nur einige Kilometer zusammen mit dem Verkehr entlang der Hauptstraße, da es in diesem Bereich keine Alternative gab, fanden eine Stelle an der wir uns im Schatten und etwas abseits der Straße unterhalten konnten und wünschten uns dann gegenseitig viel Glück für die weitere Strecke. Kanzo hat sein Arbeitsleben bereits an den Nagel gehangen und die beiden machen nicht die erste Tour dieser Art in Asien. Er ist auch der einzige, den ich mit Liegerad reisend getroffen habe.

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Begegnung nördlich von Melaka

Dass ich hier Radreisende treffen würde, hatte ich vermutet, eigentlich auch erwartet – dass es insgesamt so viele sein würden, eher nicht. In Afrika waren es in der Vergangenheit doch eher seltene Begegnungen, die ich bei meinen dortigen Reisen hatte. Mal einen Deutschen im Südosten Burkina Fasos, der damals ganz Westafrika bereist hatte, einen Kanadier im Norden Malawis auf Weltumrundung, zwei Franzosen in Zambia – das war’s auch schon. Aber immerhin, mit dem Fahrrad ist man heutzutage eigentlich nirgends auf der Welt mehr alleine.

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Landschaften

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Blick vom Dinsor Mountain, nördlich von Chumphon

So ein Tag beginnt schon mal mit kleinen Überraschungen. Einmal werde ich durch einen Stromausfall am Morgen wach. Der Hauptschalter des Bungalows fällt mangels Netzspannung geräuschvoll ab – keine Kühlung und kein fließendes Wasser mehr. Zähneputzen mit Trinkwasser aus dem Wasserkocher vom Vortag (gestern hatte ich Wasser für Kaffee gekocht), rasieren fällt im Moment aus und die eine Klospülung setze ich mit Bedacht ein. Gut wäre es, hier jetzt einen mit Wasser gefüllten Noteimer zu haben, wie sie in manchen Hotels in Malaysia auch tatsächlich im jeweiligen Bad gestanden hatten, aber den gibt es nicht.

Ein anderes Mal beginnt es nach dem Weckerklingeln zu regnen. Erst sacht, doch das Geräusch der auf den Boden vor der Hütte fallenden Wassertropfen schwillt langsam an, wird zu einem Rauschen und steigert sich auf dem Blechdach von einem Prasseln schnell zu einem Tosen.
Vorläufig komme ich hier nicht weg, nicht mal, um die ca. 300 Meter zum Haupthaus der Anlage zu gehen oder zu laufen, in der ich mich hier am Bang Boet Beach für eine Nacht einquartiert hatte. Da ich aber frühstücken will und irgendwann auch weiter fahren (der Regen muss ja auch wieder aufhören), gehe ich nach mehr als einer Stunde Wartens, in der ich immerhin Fotos sortieren und Post erledigen konnte, doch mit Regenschirm und dünner -jacke los. Inzwischen steht aber das Wasser in der Bungalowanlage stellenweise Knöchelhoch auf den eh schon höher liegenden, gefliesten Wegen. Es ist das erste Mal, dass meine ansonsten Wasser abweisenden Schuhe volllaufen. Die kann ich dann später noch ein Weilchen trocknen lassen. An diesem Morgen komme ich erst viel zu spät am Vormittag los. Es ist aber auch der erste Tag, an dem die Temperatur bei 24° C fest stehen bleibt. Dauerbewölkung, Nieselregen, Wind – zum Radfahren eigentlich nicht so schlecht.

Von Chumphon aus fahre ich zunächst nicht allzu weit, nur bis nach Saphli, das ich am Nachmittag noch als Ausgangspunkt für eine kurze Bergwanderung nutzen will, die Aussicht vom Dinsor Mountain ist dann später auch grandios. Es dauert nur erst ein Weilchen, bis ich auch ein Quartier gefunden habe, denn die ersten beiden Hotels/Motels, bei denen ich nach einem Zimmer fragen will, sind verschlossen. Ich finde aber etwas außerhalb des Ortes eine Anlage, in der immerhin schon zwei der recht großen Zahl an Hütten vermietet sind. Hier bekomme ich eine hölzerne Hütte im Thai-Stil für die Nacht.

Am nächsten Tag starte ich dann etwas früher, nachdem ich noch zwei Karten geschrieben habe. Durch den starken Wind vom Meer her habe ich in Nordrichtung auf der Straße ab und zu Rückenwind. Die Steigung bis zum Dinsor Mountain fährt sich doch etwas leichter als erwartet. Bei einem großen Obst-Verkaufsstand an der Straße (viele Ananas und Melonen) kaufe ich frische Bananen. Das Gelände bleibt für etwa 10 km weiterhin hügelig, bis zu einer Einmündung auf die Route 3201 in Richtung Strand. Nun geht es wieder flach weiter und ab hier ist der Seitenstreifen in beiden Richtungen auch als Radweg ausgewiesen. Also, so richtig mit runden, blauen Schildern und Fahrradsymbol auf dem Asphalt. Ist das vielleicht für Touristen gedacht? – Leider ist der so markierte Streifen gleich am Anfang zugeparkt.

Auf den kurzen Straßenabschnitten, die ich direkt in östlicher Richtung fahre, weht mir der Wind kräftig von der See her entgegen, doch ich drehe ja bald wieder in Richtung Norden und habe den Wind dann böig und quer zu meiner Fahrtrichtung und das macht sich zumindest nicht mehr ganz so negativ bemerkbar. Heute habe ich zwei Begegnungen: hinter einer langen Biegung, in der die Straße ihre Richtung um fast 270 Grad dreht und wo außerdem erst vor kurzem neu asphaltiert wurde, befindet sich ein Restaurant an einem schmalen Flusslauf, der ein Stückweit zur Straße parallel verläuft und dem Restaurant so nur wenig Raum lässt. Es ist deswegen langgezogen und schlecht zu überblicken, aber am Holzzaun zur Straße stehen vier Fahrräder mit Packtaschen, die mir sofort ins Auge fallen. Die dazu gehörenden Fahrerinnen und Fahrer sitzen im Schatten des Restaurants und löffeln Nudelsuppe, nette Leute aus Holland und Belgien. Ich bestelle mir einen frischen Ananas-Apfel-Saft und setze mich zu ihnen, wir unterhalten uns ein Weilchen in Deutsch, was mir auch mal ganz gut tut. Sie machen eine Radtour von Bangkok aus nach Chumphon (da war ich vor zwei Tagen) und wollen mit der Bahn wieder zurückfahren.
Das ist eine recht geschickte Idee, wenn man die Hauptwindrichtung betrachtet.

Eine Mittagspause mache ich erst etwas später und dabei die Erfahrung, dass die Köchin sich doch auch bei den Zutaten mal vergreifen kann. Die Portion „Stir fried seafood“ ist laut Karte nicht besonders groß (selten, dass es bei einem der vielen kleinen Straßenrestaurants überhaupt einmal eine Karte gibt), aber diese kleine Portion ist mit Ingwer, Chili und grünem Pfeffer hoffnungslos überwürzt. Ich habe ja Hunger, aber so schlecht wie hier hat es noch nie geschmeckt.

Eigentlich ist es jetzt richtig herrlich, so entlang des Strands zu radeln, tief im Südosten Asiens. Inzwischen bin ich von Singapur mehr als 2000 Kilometer entfernt und habe 10 Breitengrade überquert.
Diese Gegend ist insgesamt nur dünn besiedelt, größere Orte befinden sich meist weiter im Landesinneren entlang der Bahnlinie nach Bangkok, aber selten direkt an der Küste.
Bei einer kurzen Pause im Schatten am Strand rollen zwei weitere Radfahrer mit Packtaschen beladen oben auf der Straße in Gegenrichtung an mir vorbei. Sie nehmen mich nicht wahr, freuen sich offenbar, mit dem Wind recht schnell vorwärts zu kommen.
Es sind nicht nur Kokospalmen, die in dem hier schmalen Streifen zwischen Meer und Straße Schatten geben, immer häufiger lockern Zedern das Bild auf. Im Wind sehen sie allerdings mit ihren eher zottelig gewachsenen Ästen recht zerzaust aus. Ihre langen Nadeln bilden an manchen Stellen einen Teppich entlang des Rands der Straße.

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Alle paar Kilometer bilden Karstfelsen und manchmal kleinere Berge mit dem Küstenstreifen vorgelagerten kleinen Inseln einen natürlichen Abschluss eines längeren Strandabschnitts. Der Tidenhub scheint nicht sehr bedeutend zu sein, bei Ebbe ist der flache Strand 20 – 30 Meter breit sein, bei Flut bleibt davon so gut wie nichts übrig. Die Buchten können schon mal 8 – 10 Kilometer lang sein.
Die Durchgangsstraße windet sich dann weiter ins Land, passt sich dem Gelände in vielen Kurven und manchmal langen Umwegen um so einen Berg herum an. An besonders exponierten Lagen befindet sich dann gerne mal eine Buddhistische Tempelanlage. Abwechslung ist also reichlich vorhanden.

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