Veröffentlicht in Singapur

Sozusagen ein Wasserstart

Nach zwei Tagen verlasse ich heute Singapur in Richtung Johor Bahru, Malaysia. In der Nacht gab es immer wieder kräftige Schauer, so wie auch schon an den Tagen zuvor. Das macht mir ja eigentlich wenig Lust auf die Radreise. Aber gehört der Regen in den Tropen nicht dazu? Was will ich denn aber auch erwarten, auf dem 1. nördlichen Breitengrad und quasi mitten im Indischen Ozean?
Zum Glück hatte ich mich doch noch dazu entschlossen, meine Regenjacke einzupacken, und damit fährt es sich bei dem leichten Dauerregen heute früh sogar ganz gut. Es regnet gleichmäßig bei etwa 24°C und die Jacke hält das Wasser zurück und mich zwar nicht lange trocken, denn natürlich schwitze ich schon recht bald darunter, aber ich kühle in dem Regen wenigstens nicht aus. Als Hose reicht mir ein dünner Windschutz, der sich zwar schnell vollsaugt und auf der Haut klebt, aber eben auch warm hält, und wenn der Regen vielleicht nachlässt, dann auch schnell wieder trocknet.
Von meinen Schuhen bin ich allerdings überrascht. Leichte Gore Tex-Wanderschuhe, die ich erst im Herbst gekauft hatte. Die halten sogar den ganzen Tag über meine Füße trocken.

Frühstücken werde ich unterwegs, ich will möglichst schnell durch das Zentrum der Stadt hindurch sein, weiß nicht wie lange ich an der Grenze zu Malaysia werde warten müssen und stehe deswegen einfach früh auf, esse nur eine Banane und eine Mini-Quiche, die ich gestern zum Schnäppchenpreis in einem Café der Innenstadt bekommen hatte – Abverkauf kurz vor’m Schließen, und fahre dann los.
Neujahrstag in Singapur und Dauerregen – es sind nur wenige Menschen auf den Straßen. Ich halte mich überwiegend auf dem Fuß-/Radweg, der entlang der Hauptstraße fast immer verfügbar ist. Ein betonierter Weg, häufig mit Regenschutz in Form einer Blechüberdachung, vor allem in der Nähe von Metrostationen.
Ich will mich langsam an das Fahren mit Gepäck gewöhnen, orientiere über die zentralen Kreuzungen an der Victoria Street und vorbei an Little India, später entlang der Bukit Timah Road und am Botanical Garden vorbei aus dem zentralen Bereich der Stadt hinaus. An vielen der Ampeln muss ich halten, was unangenehm lange dauern kann. Nach etwa 8 Kilometern rolle ich an einem kleinen McDonalds vorbei und halte spontan an. Erstmal wieder für ungefähr eine halbe Stunde trocknen.
„Happy New Year“ – wünsche ich. Die Mädchen hinterm Tresen sind freundlich drauf und ich genieße ein Frühstück aus gebuttertem Toast, einer Art Rösti, einem in eine rechteckige Form gepressten Rührei und Kaffee, natürlich.

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Leihfahrräder an der Woodlands Road, Bukit Panjang – Singapur

Der Radweg, auf dem ich fahre, schlägt manchmal Haken und an vielen Stellen sind die in Singapur überall mit dem Smartphone ausleihbaren Fahrräder in den Weg gestellt oder sogar geschmissen. Der Weg ist auch eher für diese Räder mit Einkaufskorb am Lenker gedacht, als für den bepackten Radreisenden und an einer der Metrostationen, die auf meinem Weg liegen, wird der Weg durch geparkte Räder dermaßen eng, dass meine linke Vordertasche ein Rad touchiert, ich ins Schlingern gerate und mit der rechten vorderen Tasche gegen die Betonwand der Station stoße, woraufhin es mir das Rad zur linken Seite hinschmeißt. Zum Glück nur ganz langsam und das Rad ist schnell wieder aufgerichtet. Aber der kurze Schreck wirkt, ab hier fahre ich nur noch auf der Straße.

Der konstante Regen lässt den ganzen Vormittag über nicht nach. Erst in Woodlands, kurz vor der Grenze nach Malaysia wird er dünner und die Temperatur steigt schnell von den anfänglichen 24° auf 28°.
Die Grenzstation ist eine recht große Anlage in etwa 20 m Höhe, hat eine direkte Zufahrt von der Autobahn und vom Stadtteil Woodlands aus eine weitere Rampe, an der Fahrräder (und auch Mopeds, Motorräder) offenbar nicht vorgesehen sind. Ich probiere es dennoch an der Rampe für Autos. Oben angekommen, stehe ich plötzlich zwischen zwei Autofahrspuren und sehe ganz links, durch eine für jeweils mehrere Zentimeter unterbrochene Barriere davon getrennt, die ebenfalls von der Autobahn kommende Motorradspur. Auf die wechsle ich nun an einer geeigneten Stelle und fahre dann etwas bestimmter die etwa 50 Meter bis an die Kontrollstelle weiter, wo sich diese Motorradspur in drei Spuren aufteilt. Eine durchaus unübersichtliche Angelegenheit.
Von irgendwo weiter vorne ruft mir jemand zu, ich möge die ganz linke Spur nehmen, und das mache ich dann auch. An einem freien Schalter bekomme ich den Ausreisestempel und dann fahre ich aus der Kontrollstelle wieder hinaus und eine lang gezogene Linkskurve hinunter auf Meeresniveau und auf den etwa 600 Meter langen Damm in Richtung Malaysia.

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Veröffentlicht in Singapur

Ordentliche Großstadt

Der Empfang hätte erdender kaum sein können. Mein Fahrrad habe ich bei der Sperrgepäckstelle ausgepackt, aufgebaut und beladen, dabei dauert der Vorgang vom Verlassen des Flugzeugs bis zum Losschieben des fertigen Rads etwa 2 Stunden. Durch die Zollkontrolle winken mich die lächelnden Beamten freundlich hindurch, Wasser kann ich an einem der Wasserspender im Flughafenterminal noch auffüllen. Jetzt stehe ich draußen in der tropischen Abendwärme vor der Ankunftshalle und suche, ein wenig abseits einer Bushaltestelle, den richtigen Weg zur Stadt. Das restliche Tageslicht wird mir dabei nicht mehr lange helfen.

In vielen Städten Europas und Afrikas konnte ich bisher den jeweiligen Flughafen mit dem Fahrrad direkt erreichen oder direkt von dort weiterfahren. Doch nicht so in Singapur, denn der Polizist, der hinter mir herruft, als ich das Fahrrad auf die Fahrbahn schiebe, erklärt mir eindeutig, dass ich hier nicht Radfahren dürfe und den Versuch auch besser sein lassen sollte. Auf Highways ist das Radfahren gesetzlich verboten und wird mit 100 S$ Strafe geahndet (etwa 60 Euro) und leider gilt die Straßenanbindung des Flughafens als Highway. Dabei wäre nach etwa 3 – 4 km bereits ein Wechsel auf einen Nebenweg möglich (so hatte ich es zumindest geplant), doch die Ordnungsmacht verweist mich an die Flughafen-Info und die verschiedenen ÖPNV-Möglichkeiten sowie Taxis. Metro und Bus scheiden aus, in der Metro sind maximal Falträder erlaubt, doch es gibt einen eigenen Service-Schalter für Großraumtaxis – na immerhin.

So dauert es etwa eine weitere Dreiviertelstunde, bis ich von einem älteren, knochigen Einheimischen dann doch noch in Richtung Downtown gefahren werde, zu meinem Hotel in der Sims Avenue. Es liegt noch wenige Kilometer vom eigentlichen Zentrum entfernt, am Rande eines chinesischen Viertels, und an den nächsten Tagen habe ich dann genügend Gelegenheit, vor allem die verschiedenen Eigenheiten der chinesischen Küche zu probieren.

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Und es gibt noch sehr viel mehr zu entdecken in dieser Großstadt, die bei Touristen in aller Welt so beliebt ist. Auf den ersten Blick vor allem architektonische Highlights, die sich im Zentrum im wahrsten Sinne ‚auftürmen‘. Bei Regenwetter ist es zwischen den Büro- und Geschäftstürmen nicht gar so angenehm und man bleibt im Zweifel einfach drinnen, denn ein umfangreiches Gewirr von Verbindungstunneln an den verschiedenen Metrostationen, lässt einen viele der verteilten Shopping-Zentren auch ohne Kontakt zum Tageslicht erreichen. Wenn man es denn darauf anlegen würde.

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An der Marina Bay und anderen touristisch vermarkteten Punkten trifft man auf die Besucher der Stadt aber wohl bei jedem Wetter.

 

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Die Stadt ist auch sehr grün, hat viele meist kleinere Parkanlagen und an der Ocean Front auch großzügige Beach-Parks. Wo die Vegetation nicht eingedämmt wird, und sei es nur eine kleine Lücke, breitet sie sich ansonsten schnell aus, denn in dem dauerhaft feuchtwarmen Klima kann man dem Wachstum beinahe zusehen.

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