Veröffentlicht in Hong Kong, Macau

Von Macau ist Hong Kong nicht mehr weit

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Museumsboot in Hong Kong

Nach zwei Tagen, an denen ich Macau hauptsächlich zu Fuß erkundet und ansonsten die Beine hoch gelegt habe, setze ich mich wieder aufs Fahrrad. Hong Kong ist ja nicht wirklich weit entfernt, keine 50 Kilometer, allerdings direkt über Land nur mit einem gewaltigen Umweg über die Metropole Shenzhen erreichbar.
Vor etwa einem halben Jahr wurde zwar eine Straßenverbindung zwischen Zhuhai/Macau und Hong Kong eröffnet, ein Stück Autobahn von insgesamt 55 km Länge, ein Milliardenprojekt das über drei zusammenhängende Brücken und durch einen Tunnel führt, aber für Fahrräder natürlich tabu ist. Die Brücke wird hauptsächlich von Bussen genutzt, doch ob ich hier mein Fahrrad transportiert bekommen hätte, habe ich nicht weiter recherchiert.
Stattdessen habe ich mich mit den möglichen Fährverbindungen zwischen Macau und Hong Kong beschäftigt. Das warf mir schon genügend Fragen auf, die sich im Vorfeld nicht einmal abschließend haben klären lassen. Eine klassische
Fahrzeugfähre, wie die zwischen Hainan und Guangdong zum Beispiel, gibt es hier jedenfalls gar nicht, lediglich Personenfähren in Form von Speed-Booten.

Der für mich infrage kommende Fährhafen, von wo aus die Boote der Cotai-Waterjet-Linie in Richtung Hong Kong Island verkehren, liegt leider nicht im Norden Macaus an der Küste der Halbinsel (Outer Harbour), sondern auf der Insel Taipa (Taipa Ferry Terminal), was es für mich schwierig macht, die Fähre überhaupt zu erreichen.
Nord- und Südhälfte Macaus sind über drei Brücken miteinander verbunden, von denen jedoch keine offiziell für Fahrräder freigegeben ist. An beiden äußeren Brücken, über die jeweils autobahnähnliche Schnellstraßen geführt werden, stehen jeweils explizite Verbotsschilder, und die mittlere und zugleich schmalste Brücke ist eigentlich Bussen und Taxen vorbehalten.

Einerseits bin ich ganz froh, aus der engen Stadt wieder heraus zu kommen, obwohl Macau trotz seiner geringen Ausdehnung doch viele spannende Ecken hat, die zu entdecken für mich in den zweieinhalb vergangenen Tagen gar nicht möglich war.
Das Treiben in den verwinkelten kleinen Straßen der älteren Stadtteile macht die Stadt aber durchaus interessant und die Mischung aus alter portugiesischer Architektur, zum großen Teil als Weltkulturerbe gepflegt (aber auch touristisch stark nachgefragt), und der schlichten, eher planlos wirkenden Alltagsarchitektur ist einmalig. Dazu setzen die großen Klötze der Kasino-Hotels und der unwirklich wirkende, golden verspiegelte Turm des Grand Lisboa in Form einer Lotus-Blüte, sehr konträre Akzente. Auch der 334 Meter hohe Macao-Tower am südlichen Ende der Halbinsel ist ein eher unpassender Blickfang.

Vom Guia-Hotel bis zum Taipa-Fährhafen sind es keine 10 Kilometer Strecke. Ich hatte am gestrigen Abend noch versucht herauszufinden, ob ich mein Fahrrad auf ein Boot der Cotai-Waterjets bringen kann und wie ich es dafür vorbereiten müsste, doch bei dem einzigen fußläufig erreichbaren Ticket-Schalter dieser Fährgesellschaft, am „Sands“ Kasino-Hotel, konnte man mir dazu keine Auskunft geben.

Also starte ich mit dem ‚Mut zur Lücke‘ am späten Vormittag bei noch
einigermaßen sonnigem Wetter und rolle zunächst die Estrada do São Francesco hinab, in Richtung Südwesten, Richtung des Kasinos ‚Grand Lisboa‘ und habe schnell Schwierigkeiten, die richtige Fahrspur zu finden, auf der ich dann auch weiter in Richtung des Hafens und dann weiter nach Taipa komme, um nicht in der Zufahrt zu einem der Parkhäuser am
Grand Lisboa zu enden. Etwas zu euphorisch rolle ich zu lange auf dem äußeren Fahrstreifen, ohne rechtzeitig zu sehen, dass dieser eben nicht auf dennächsten Kreisverkehr mündet, der hier am unteren Ende der Halbinsel als
zentraler Verteiler dient.

Das Schlimme ist: nachdem ich mich bis an die Kaimauern vorgearbeitet habe und am Sockel des gar nicht so hoch wirkenden Macao-Towers vorbei gerollt bin, sehe ich schon, dass Zweiräder die Rampe zur Brücke nicht hinauffahren dürfen. Ein Hinweisschild dirigiert sie darunter hindurch und zu der von Nordwesten ebenfalls an die Brücke heranführenden Rampe, mitten durch eine Baustelle hindurch.
Ja, Motorräder haben ihren eigenen Fahrstreifen auf dieser Brücke, aber Fahrräder sind hier offensichtlich doch nicht erwünscht; ein weiteres Verbotsschild direkt an der Auffahrt ist da so eindeutig wie unbestechlich.
Daran vorbei fahren kann ich aber noch, zum Ärger der hinter mir ausgebremsten Fahrzeuge, und finde mich bald erneut am Fuße des markanten Sende- und Aussichtsturms wieder.

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Torre de Macau vor der wachsenden Skyline der benachbarten Xiaohengqin Insel (Zhuhai/China)

Da bleibt mir nichts anderes übrig, als zurück um den Binnensee Lago Nam Van herum zum zentralen Kreisel an der Praca de Ferreira do Amaral zu radeln und mein Glück dort zu versuchen. Die dortige Brücke in Richtung Taipa ist allerdings schmal. Zunächst sind keine Busse hinter mir in Sichtweite, als ich die lange Rampe hinauf fahre. Taxis können mich leicht überholen, aber die Stadtbusse sind eben etwas breiter und irgendwann bildet sich doch ein Stau hinter mir, weil sich ein Busfahrer nicht traut. Er beginnt auch bald zu hupen und als ich die Spitze des etwa 35 Meter hohen Dreiecks passiert habe, das die Brücke bildet, zieht er endlich vorbei. Die südliche Rampe der Brücke führt fast wieder auf Meeresniveau hinunter und dann noch für etwa einen Kilometer weiter bis zur Küste von Taipa. Ob dies tatsächlich ein offizieller Weg für mich ist, um dort hin zu kommen – ich weiß es nicht.

Fahrräder sind dort offenbar keine Favoriten, denn nach der Brücke wird es nicht besser. Ich mache einen kurzen Orientierungsstopp an der Zufahrt zu einer Baustelle, einige Wohnhochhäuser versperren mir die Sicht, genauso wie bereits an anderen Stellen der Stadt. In einer Schleife muss ich mit dem Verkehr um einen Hügel herum fahren, aber ich komme nicht direkt bis zum Hafen, die Wendeschleife kurz davor ist bereits Teil der Autobahnzufahrt zum Flughafen, der auch nicht weit entfernt liegt. Das Rad schiebend komme ich aber über die breite Schnellstraße und die zwischen den Richtungen liegende Barriere hinweg, und über eine Seitenstraße und zwischen Industrieanlagen hindurch dann letztlich doch auf die Fährhafenzufahrt.

Meine Bedenken wegen der Fahrradmitnahme zerstreuen sich schnell, als ich am Ticketcounter direkt ein Fahrradticket kaufen kann. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet, das Fahrrad muss ich für den Transport nicht einmal zerlegen und an Bord der Speedfähre wird das Rad dann hinter einem nicht benutzten Tresen verstaut. Das Ticket kostet allerdings 65 Hongkongdollar (etwa 7 Euro).

Die Fahrt nach Hong Kong Island dauert über eine Stunde, in der First Class gubt es sogar kalte Getränke. Die Überfahrt ist sehr bequem und wegen des Fahrrads werde ich sogar recht früh in die Reihe zum Aussteigen gebeten. Die Passkontrolle ist auch in Hong Kong unproblematisch und genbau wie in Macau gibt es keinen Stempel in den Pass, sondern lediglich einen Ausdruck, der mir den Aufenthalt bis Anfang Juni gestattet. Außerhalb des „Macao-Ferry-Terminal“ muss ich mich dann erstmal orientieren. Auch hier in Hong Kong ist Linksverkehr angesagt und es gibt eigentlich nur Einbahnstraßen, und dann ist der Verkehr mehr oder weniger dreidimensional, denn die Fahrbahnen sind auch übereinander angeordnet. Und diese Überbauungen, häufig führen Sie auf eine der Schnellstraßen, sind für Fußgänger und Radfahrer natürlich tabu.

IMG_1162Ich will zur Queens Road kommen und diese dann auch ein Weilchen entlang fahren und es ist zum Glück auch eine der wenigen Straßen, die ausgeschildert sind. So brauche ich anfangs nur dieser Aussilderung zu folgen. Es gibt viele Bushaltestellen und neben Taxen sind die doppelstöckigen Busse die mir am meisten auffallenden Fahrzeuge auf der Straße. Sie sind durchweg sehr schnell unterwegs und an den Haltestellen fahren sie mir meist rücksichtslos in den Weg. Offenbar gibt es viele unterschiedliche Linien und die Haltepunkte liegen zumindest hier in der Innenstadt sehr dicht, oft nur wenige hundert Meter auseinander.

An vielen Ampeln muss ich halten, fahre dort meist vor bis zur Linie und bin dann meist der Erste. Zumindest solange bis mich ein überholender und gleich an der nächsten Haltestelle wieder an den Rand fahrender Bus ausbremst. 2 – 3-spurig ist die Straße; eine für Zweiräder reservierte Spur gibt es hier in Hong Kong nicht. Dafür ist die Bordsteinkante hoch und ein Zaun grenzt oft den Fußweg neben der Fahrbahn ab.

IMG_1151Ich bin längst auf der Hennessy Road und an der Causeway Metro-Station angekommen, von der mein Hostel nur etwa 200 Meter entfernt liegt, aber ich brauche eine ganze Weile, um es auch zu finden. Es ist ein verhältnismäßig kleines Gebäude zwischen all den hohen Büro- und Shopping-Türmen und viele Hinweisschilder auf mehrere kleine Hostels hängen an den beiden Eingängen. Das Zimmer, das ich dann im ersten Stock bekomme, ist extrem klein, erinnert mich ein wenig an Amsterdam und die manchmal ebenfalls sehr kleinen Hotelzimmer dort. Das Fahrrad kann ich für die nächsten Tage auf eine Art Balkon, bzw. erweiterte Vordachterasse stellen, genau vor das kleine Fenster meines Zimmers.