Veröffentlicht in Laos

Pistengaudi und kleine Komfortzonen

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Nun ja, die Straßen in direkter Nähe zum Mekong sind nicht gerade die besten. Schon der Abzweig von der Fernstraße 13 nach Nakasong hinunter und an das östliche Ufer des Mekong ist löchrig. Der Asphalt fehlt dort teils großflächig, die Löcher sind oft nur grob mit Schotter oder Sand überdeckt. Mit dem Fahrrad zirkelt man drum herum oder außen vorbei, Busse brettern drüber hinweg und schmeißen dichte Staubwolken. Auf den kleineren Mekong-Inseln gibt es nicht einmal Straßen, das Hauptverkehrsmittel ist dort das Moped und dem reicht auch ein schmaler Pfad.

Nachdem ich mich kurz in Hua Det, dem kleinen Ort auf Don Det umgesehen hatte, der hauptsächlich aus Bars, Restaurants und Gästehäusern besteht und den Eindruck einer großen Chill-out-Zone im Karibik-Stil macht, wobei die Gebäude teils aus Kolonialzeiten stammen oder entsprechend gestaltet sind. Sicherlich mag dies für manchen ein Urlaubsparadies sein, aber wohlfühlen würde ich mich dort nicht. Es mag komisch klingen, aber das Bild wird ein wenig durch die vielen westlichen Touristen getrübt, deren nicht vorhandene Kleiderordnung eben überhaupt nicht dorthin passt.

Mit der nächsten Möglichkeit lasse ich mich auf die nördlich von Hua Det gelegene Insel Don Som übersetzen, was zufällig recht schnell geht, weil noch jemand mit Motorrad dorthin will und der kleine, motorisierte Schwimmponton gerade jemanden in Hua Det anlandet. Nach Don Som verirren sich Touristen sonst eher nicht, um zu bleiben. Dort gibt es lediglich kleine Siedlungen entlang des Uferbereichs und Reisfelder, die aus dem Fluss bewässert werden. Unter dem Karrweg, der die langgezogene Insel fast ganz umrundet, queren immer wieder Wasserrohre zu den Feldern oder ganz allgemein zur Versorgung einzelner Grundstücke. Stolperstellen fürs Fahrrad, denn oft ist der Pfad an diesen Stellen leicht abgesackt, oder aber das Rohr ragt nach oben aus dem Boden heraus, so dass ich jeweils scharf abbremsen muss, bevor ich drüber rolle.

 

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Die Häuser an denen ich vorbei komme, sind in der Regel auf Stelzen gebaut und unter dem Haus ist den ganzen Tag über Schatten, wo sich die Bewohner gerne aufhalten, sofern sie zuhause sind. Kinder rufen mit ihr schrilles „Sa-bai-dee“ oft entgegen, ohne dass ich sie im Schatten der Häuser erkenne.Manchmal stehen sie auch winkend am Pfad. Und es wird häufig gebrüllt, während ich die Augen gar nicht vom unebenen Boden nehmen will. Schneller bin ich durch eine im Schatten eines Baumes liegende Bodenwelle hindurch gerumpelt, und in Folge auf dem Rad zusammengestaucht, als mir lieb ist.

Letzten Endes ist es ein schönes Fahren über diese Insel, der Pfad wird vorübergehend zu einer breiteren Piste, gabelt sich irgendwann, wird wieder schmaler und sehr uneben und irgendwann bin ich am nächsten Fährpunkt. Ich komme nicht sehr schnell vorwärts, aber die Landschaft mit den vielen Reisfeldern, mit den buddhistischen Klöstern (die auch auf Don Som nicht fehlen) mit den irritiert schauenden Mopedfahrern und -fahrerinnen und den immer wieder freundlich „Hallo“ – „Sa-bai-dee“ rufenden Leuten bin ich hier in einer weit von meinem eigenen Alltag entfernten Welt angekommen. Auch nach dem erneuten Übersetzen nach Don Khong, der größten der Mekong-Inseln bleibt die Straße zunächst eine staubige Piste, geht aber in Asphalt über, an der Kreuzung mit einer vom östlichen Flussufer kommenden Straße, die seit einigen Jahren die kleine Stadt Muang Khong eben mit dem Festland verbindet.

Muang Khong hat sogar mehrere größere Hotels und ich gönne mir nach den letzten beiden anstrengenden Tagen einmal ein großes Zimmer mit Blick nicht nur über den Fluss, sondern auch auf einen Pool direkt vor der Zimmertür. Bevor ich die Biene ausstrecke kann ich mit einigen Runden in diesem Pool einmal wieder ganz andere Muskelgruppen zur Arbeit bewegen – eine schöne Entspannung nach dem staubigen Tag.

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Die Hoffnung, allzeit guten Asphalt oder Beton unter die Räder nehmen zu können, stirbt immer dann, wenn der Asphalt auch tatsächlich endet. In Muang Khong endet der Aspahlt in Richtung Norden z.B. exakt mit dem letzten Wohngrundstück und geht nahtlos in eine Baustelle über; halbseitig frisch gegossener Beton, noch abgedeckt und feucht gehalten. Die andere Hälfte liegt etwa 20 cm tiefer und ist fest planierter Sand, der manchmal leider gar nicht so fest planiert ist.

Das Betonband wächst in Handarbeit in nördlicher Richtung weiter, nach etwa 4 Kilometern habe ich die Stelle passiert. Leider kommen mir die Betonmischer auf der Piste entgegen, was jeweils ein ordentliches Staubbad bedeutet. Die Erholung vom Vorabend ist schnell dahin. Und so schön gestern die schmalen, unebenen Wirtschaftspfade auf Dom Som gewesen sind, so brutal ist hier die um Don Khong herumführende Piste, deren Qualität mit manchmal recht grobem, scharfkantigem Kies stark schwankt, denn sie wird von mehr Fahrzeugen genutzt. Die anliegenden Häuser tragen eine dicke Staubschicht.

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Und immer wieder sorgt der Fluss für Abwechslung. Von Don Khong bringt mich eine weitere kleine Fähre ans westliche Flussufer, am späten Nachmittag ist es eine rustikale Seilfähre, die einen der vielen Zuläufe des Mekong überbrückt. Die meisten schmalen Bäche sind mit Brücken überspannt, bei denen jeder Kleinlaster nur im Schritttempo drüber rollt, weil die Holzbeplankung marode und teilweise löchrig ist. Vertrauen sollte man schon haben.

Eine launige Piste bleibt die westliche Uferstraße bis einige Kilometer vor Soukhouma, einem größeren Ort etwas abseits des Flusses, in dem ich ein einfaches Gästehaus finde und nette Leute im Ort, die in ihrem Wok auch noch eine größere Portion Reis mit Ei und Gemüse zaubern können. Mittags gab es, wie so häufig, Nudelsuppe.

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Ein Kommentar zu „Pistengaudi und kleine Komfortzonen

  1. Schöön, Christian,auch für die schönen Bilder. Liebe Grüße aus dem kalten und karnevalistischen Bonn :-)) und noch eine schöne Zeit wünsch ich Dir. Michaela

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