Veröffentlicht in Thailand

Zur Ostküste des Golfs von Thailand

CDR_1275Erst früh am Morgen verstummte die Antriebsmaschine der Pumpe, die Wasser aus dem Hauptkanal in einen der Seitenarme für die Versorgung der umliegenden Fischteiche gedrückt hat. Das monotone Tuckern begleitete den Schlaf, der sich bei der ungewohnten Wärme nur schwer und mit Unterbrechungen einstellte. Trotzdem starten wir vom Chai Khlong Resort einigermaßen ausgeruht bei etwa 28°C und leicht diesiger Sicht in den Morgen. Um die breite Fernstraße und vor allem die Baustelle dort zu meiden, fahren wir auf einer schmalen Nebenstrecke schon bald durch frisch-grüne Reisfelder und nach nicht einmal 2 Kilometern begegnen uns zwei ältere Damen auf bepackten Reiserädern genau auf der Spitze einer kleinen Kanalbrücke. Zwei radbegeisterte Damen aus Amsterdam, die seit etwa 8 Wochen durch Thailand reisen, und das nicht zum ersten Mal, wie sie sagen.

Kurz nach dieser zufälligen Begegnung halten wir an einem kleinen Straßenrestaurant, um zu frühstücken. Zumindest ist dies unser Wunsch. Die freundliche Köchin räumt zwar gerade zusammen, aber sie bedeutet uns auch, dass wir noch etwas zu essen bekommen können und macht dann zwei Portionen einer leckeren Reispfanne mit Gemüse und Schrimps. Ein guter Start in den schon am frühen Vormittag recht heißen Tag, und da wir nur bis nach Chachoengsao fahren wollen, rollen wir anschließend gemächlich durch die flache Landschaft, in der sich Reisfelder und trockenes Brachland abwechseln. Auch hier sorgen mobile Pumpen an einigen Feldern für die Wasserverteilung aus einem größeren Kanal, der parallel zur Straße verläuft, in die entlang der Felder führenden Stichkanäle. Viele Reiher und Herons lauern an diesen Kanälen auf offenbar reichlich vorhandene Beute im Wasser. Störche segeln über die Landschaft und landen manchmal eher unbeholfen auf den Kokospalmen.

Die Landschaft ist auch ein wenig geprägt von den vielen Buddhistischen Klöstern, die nie gleich angeordnet sind und manchmal direkt an der Straße liegen, manchmal aber auch deutlich abseits. So hatte ich den auf einmal aus unbestimmter Richtung wahrnehmbaren Singsang als von einem der Klöster kommend eingeordnet. Aber mit dem eher monotonen Singsang der Mönche hatte das nichts gemein und beim Näherkommen waren auch arabische Fragmente in dem Gesang einer Männerstimme herauszuhören. Ein Muezzin von einer der vier sich ebenfalls in dieser Gegend westlich von Chachoengsao befindenden Moscheen, der jetzt am Vormittag nicht zum Gebet ruft, sondern offenbar den gesamten Korans singend herunter betet, bzw. über ein verteiltes Netz von Lautsprechern in die Gegend hinaus singt.

An einer Koranschule rollen wir direkt vorbei, die Moscheen liegen jeweils etwas abseits der Nebenstraße auf nicht mal 10 km verteilt, wie ich später auf der Karte sehe. Eine interessante Abwechslung im sonst sehr buddhistisch dominierten Thailand, und wenn ich genau hinsehe, dann tragen einige der jungen Frauen in dieser Gegend auch lange Kopftücher, die den Hals mit einbeziehen, so wie es Frauen in Malaysia oder Indonesien tun.

Später am frühen Abend hören wir aber auch noch den tatsächlich sehr eintönigen Singsang der Buddhistischen Mönche, die im ‚Wat Sothon Wraram Wohawiran‘ ihre Art der Andacht zelebrieren, ein Kloster mit großer Tempelanlage, das in fußläufiger Nähe unseres Quartiers in dieser Stadt liegt. Dieser Tempel ist bei den Einheimischen offenbar sehr beliebt und am Nachmittag voller Besucher, als wir auf dem Weg zu dem Guesthouse, in dem wir hier übernachten, vorbei fahren.

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In Chachoengsao brauchen wir drei Anläufe, um ein Zimmer zu finden, da die ersten beiden Favoriten bereits ausgebucht sind. Damit hätte ich ja nicht gerechnet, aber auf diese Weise kommen wir in eine Ecke der Stadt, in der dieser Tempelbezirk und ein kleiner daran anschließender Nachtmarkt die Leute anzieht. An dem gegenüber liegenden Markt lassen wir uns in einem der Restaurants Nudelsuppe mit Seafood machen.

Am Sonntag fahren wir zeitig in Chachoengsao los, frühstücken nur schnell zwei Toasts, um überhaupt etwas im Magen zu haben, aber stehen dann erstmal eine Weile im Stau, weil vor dem Tempelbezirk, der gestern schon gut besucht war, die Autos heute in beiden Richtungen über eine weite Strecke anstehen, um an die Parkplätze auf dem Gelände zu kommen. Die bieten zwar viel Platz, das hatten wir gestern bei einem Rundgang auf dem weitläufigen Gelände noch gesehen, aber die Zufahrt ist umständlich und bei einem solchen Ansturm ein Nadelöhr. Nach etwa 10 Minuten sind wir aber daran vorbei und rollen bei morgendlichen 28°C zügig aus der Stadt heraus. Wenige Kilometer fahren wir am Rand der sechsspurig ausgebauten 314 gen Süden und zweigen schnell auf kleinere Verbindungsstraßen ab, die ebenfalls flach aber lange nicht mehr so geradlinig durch ehemalige Sumpfgebiete am Bang Pakong River führen.

Nach etwa 18 km befindet sich wie bestellt, offen aber überdacht und direkt oberhalb eines größeren Fischteichs, ein freundliches Restaurant, in dem wir eine Nudelsuppe mit Fisch (wen wundert’s?) bekommen. Dazu Eiskaffee und der Rest des Tages läuft gleich nochmal so gut.

Der einfachere, geradlinige Weg an die Küstengebiete nördlich von Pattaya hätte zwar eine deutlich kürzere Strecke bedeutet, aber diese 4- oder 6-spurigen Fernstraßen bedeuten auch viel Stress durch den permanenten Verkehr mit hohem LKW-Anteil. Wir fahren hier eine deutlich längere aber viel abwechslungsreichere Strecke, die immer zwar auch an die eine oder andere breite Straße heran und daran entlang führt, aber auch weniger Verkehr aufweist und auch viel mehr Einblicke ins Land bietet. An unserem Tagesziel Bangsaen kommen wir dann nach 71 Kilometern trotzdem noch recht früh am Nachmittag an.

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Veröffentlicht in Allgemein, Thailand

Neustart in Bangkok

Die Fahrradtaschen sind immer schnell gepackt, kurz bevor es los geht. Das Fahrrad braucht etwas länger, aber am Vortag der Abreise habe ich es auch fertig verschnürt, jetzt muss nur das Großraumtaxi pünktlich sein und dann kann es eigentlich losgehen. Wohin? Zunächst fliege ich nach Bangkok und will dann mit dem Fahrrad noch einmal in Richtung Kambodscha und darüber hinaus weiter in Richtung Nordosten reisen. Für die angrenzenden Länder habe ich jeweils Visa beantragt und bekommen, sogar für China, was ein recht aufwändiger Prozess war, da man beim Visa-Center persönlich erscheinen muss, um nicht nur den Antrag sondern auch noch seine Fingerabdrücke abzugeben. Als Individualreisender muss man außerdem jede Übernachtung belegen, und wenn man über Land reisen will, so wie ich es vorhabe, muss man auch noch einigermaßen detailliert seine Pläne darlegen – ohne jedoch das Fahrrad zu erwähnen.

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Also ungefähr dort, wo ich vor zwei Jahren meine Reise beendet habe, will ich wieder einsteigen und der Flug von Amsterdam her ist sogar pünktlich in Bangkok. Früher Vormittag, es ist diesig und natürlich sehr warm, eigentlich ein herrlicher Tag, aber an die hochstehende Sonne und die drückende Hitze muss ich mich erst gewöhnen. Im Schatten sind es etwa 32°C, als Maik und ich an einem der vielen Ausgänge des Terminals starten. Maik wird mich etwa für ein Viertel der geplanten Strecke begleiten.

Wir sind aber zunächst auf dem falschen Level. Die hier an den Ausgängen der Ankunftshalle vorbeiführende, überbaute Straße führt als eine Hochstraße direkt auf die Autobahn. Also schieben wir die Räder zurück ins Gebäude und fahren mit dem nächstgelegenen Aufzug in den Keller. Dort kommen wir dann zu ebener Erde vom Terminal weg und können unterhalb der Autobahn bis zum nächsten Kreuzungspunkt mit einer kleineren Fernverkehrsstraße nach rechts und in Richtung Chachoengsao abbiegen. Flughäfen dieser Dimension sind nun mal nicht für Radfahrer konzipiert.

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Oh ja, es ist ein heißer Tag. Vom Flughafen weg bis zur Luang Phaeng Road, die uns dann weiter in Richtung Osten bringt, läuft die Straße durch sehr weitläufige, am Flughafengelände angesiedelte Gewerbeflächen und weite Grünflächen, auf denen irgendwann sicherlich auch noch Lager- oder Fabrikhallen stehen werden. Danach wird der Verkehr dichter und hektischer. Die Straße ist teilweise von vielen kleinen Geschäften und Werkstätten gesäumt, Busdepots oder weiteren Gewerbeflächen. Manchmal kreuzt ein breiter Wassergraben den Straßenverlauf, der dann mit längeren aber auch einengenden Brücke überspannt ist; unangenehme Verkehrspunkte.

Von einer dieser Brücken aus sehe ich im Vorbeifahren ein etwas abseits gelegenes Straßenrestaurant, das wir dann ansteuern, um endlich auch etwas zu essen und eine Pause zu machen. Unter dem relativ hohen Schutzdach staut sich allerdings die Wärme des frühen Nachmittags. Eine ältere Thailänderin betreibt die kleine Garküche und kocht uns in ihrem Wok etwas Gemüse mit Fleisch und einem Spiegelei zu dem Reis, den sie eh schon fertig hat.

Hier habe ich nun die Ruhe, mich mit der Telefonkarte zu beschäftigen, die ich am Flughafen noch gekauft hatte. Sie funktioniert in meinem Smartphone auf Anhieb, und damit kann ich Verbindung nach hause halten, sowie gelegentlich auch Texte wie diesen hier hochladen.

Wenige Kilometer weiter kommen wir an einem Fahrradhändler vorbei, dessen offenes Geschäft von der Straße auch gut einzusehen ist. Maik braucht noch einen Flaschenhalter an seinem Fahrrad und der freundliche Mann kann auch prompt ein geeignetes Teil an Maiks Fahrrad montieren. Unser Wasserbedarf ist groß und wenigstens eine Flasche in Griffweite zu haben, macht das Trinken etwas leichter. An meinem Rad habe ich seit jeher drei Halter.

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So kommen wir schrittweise unserem Tagesziel immer näher, das ich für den Ankunftstag heute nicht weit vom Flughafen gelegen gewählt hatte. Ein kleines Hüttendorf, weit abseits der Hauptstraße die inzwischen in eine Baustelle übergegangen ist, an einem Seitenarm des parallel zur Straße verlaufenen Kanals gelegen. Ruhig ist es dort leider nicht, da eine Wasserpumpe rund um die Uhr vor sich hin tuckert, aber sauber und preiswert.

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Der Wunsch, die fremden, exotischen Orte dieser Welt zu erkunden, ist bei mir schon immer groß und solange mein Umfeld es mir ermöglicht, dem von Zeit zu Zeit nachzugeben – nun ja, ich plane gerne und setze meine Pläne eben noch lieber um.

Veröffentlicht in Hong Kong

Vielseitiges Hong Kong

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Weniger als einen Kilometer von meinem Quartier in der Lee Garden Road entfernt, befindet sich eine kleine Parkanlage, der Victoria Park. Dort führt eine schmale Tartanbahn in einer Art Rundkurs durch das Grün und um eine große Rasenfläche mit Sportanlage herum. Die Strecke ist 625 Meter lang, sie ist alle 25 Meter markiert und eigentlich für Läufer reserviert, aber auch viele Spaziergänger nutzen diese Bahn, manchmal zu zweit oder zu dritt nebeneinander her spazierend und sich angeregt unterhaltend.
Dies ist eine ruhige Oase unweit der hektischen und lauten Geschäftsstraßen. An drei Tagen drehe ich hier morgens meine Runden. Von meinem kleinen Hostel aus laufe ich im leichten Nieselregen entlang der unübersichtlichen Straßen, auf denen so viele Menschen auf dem Weg ins Büro oder zur U-Bahn hin und her hetzen, beinahe eingezwängt zwischen den teilweise mehr als 40 Etagen hohen Bürotürmen und Shopping-Malls. Morgens ist der leichte Regen ganz angenehm beim Laufen, kommt die Sonne durch die Wolken wird es schnell schwülwarm, aber das passiert selten.

Hong Kong, oder besser: Hong Kong Island, ist schon recht speziell. Der bebaute Küstenstreifen ist verhältnimäßig schmal, nur wenige 100 m bis knapp über 2 km breit, dahinter steigt das felsige Gelände steil an. Ich habe den Eindruck, die Hochhäuser in der Bay würden bis in die Höhe der Berge aufragen.
Für ein paar Tage lasse ich das Fahrrad auf dem Balkon des Hostels stehen und bewege mich nur zu Fuss oder mit der Metro durch die Stadt. Die Straßen in der Causeway Bay sind wegen dieser hohen Gebäude schlichtweg unübersichtlich, etwas bessere Orientierung gewinne ich aber dadurch, dass ich mich kreuz und quer in diesem Teil der Stadt bewege. Es braucht z.B. zwei beinahe vergebliche Versuche, das nächstgelegene Postamt zu finden, obwohl in der Übersichtskarte verzeichnet, da es sich überraschender Weise im 10. Geschoss eines 18-stöckigen Shopping- und Bürohochhauses befindet und eben nicht zu ebener Erde und in einem Einzelgebäude, wie ich es vermutet hätte. Unten ein riesiger Eingangsbereich mit Galerien von kleineren Restaurants und Geschäften über zwei Etagen, darüber noch weitere 5 Etagen mit Geschäften für Mode, Mobilfunkzubehör und anderen Dingen die niemand braucht, darüber mehrere Etagen mit Handelsvertretungen, Versorgungseinrichtungen und weiteren kleineren Geschäften. Das Postamt besteht auch nur aus einem kleinen Schalterraum mit vielleicht 25 m2 Grundfläche und in die Wand zum Flur eingelassenen Briefkästen. Briefmarken bekomme ich hier genügend, Postkarten muss ich woanders suchen. Die finde ich dann später bei einem kleineren Laden etwas abseits der Hennessy-Road in einer Nebenstraße, der einem alles mögliche an antikem Trödel verkauft. Hier gibt es so etwas wie Souvenirs und eben Karten, wenn die auch schon etwas abgelagert aussehen, im Gegensatz zu den Shopping-Malls, wo selbst gut bestückte Schreibwarenhändler keine Postkarten im Angebot haben.

Am nächsten Tag finde ich dann noch viel mehr Karten bei den Zeitungshändlern am Pier der Star Ferry Gesellschaft in Kowloon, auf der gegenüberliegenden Seite der Bay. Mit der Metro ist das relativ einfach zu erreichen, die Causeway Bay Station liegt schließlich keine 200 m von meinem Quartier entfernt. So erkunde ich am Nachmittag die Gegend um die Metrostation Tsim Sha Tsui. Die Straßen sind dort etwas regelmäßiger angeordnet, aber nicht weniger unübersichtlich. In einem der Hochhäuser am Hafen, das sowohl Hotel als auch Mall ist, finde ich einen Buchhändler, der sich über zwei verwinkelte Etagen erstreckt. Hier ist der Stress von der Straße weiter unten weit entfernt.
Am Pier weht der Wind kühl und feucht von See her, das Wetter ist insgesamt regnerisch. Die niedrigen Fähranleger der Star Ferry Gesellschaft, die heute fast nur noch touristische Bedeutung hat, sind zwar überdacht, aber sehr zugig. Deshalb zieht es mich immer wieder in den einen oder anderen Shopping-Tempel, die hier in der ‚Harbour City‘ alle irgendwie miteinander verbunden sind, auch wenn mich die Mode-Label nicht sonderlich interessieren.

Das Wetter ist leider auch am Tag meiner Weiterreise von Hong Kong Island hinüber nach Kowloon und weiter nach Tsuen Wan nicht sehr freundlich. Ich starte nach einem leckeren Frühstück im ‚Lucky Star‘, zwei Ecken vom Hostel entfernt, und arbeite mich dann mit dem Fahrrad im leichten Nieselregen hinunter zur Hennessy Road, und entlang der Causeway Road weiter bis zum Fährhafen am North Point. Die Boote der First Ferry Gesellschaft nehmen immerhin auch Fahrräder mit an Bord, was bei der Star Ferry laut deren Beförderungsbedingungen ausgeschlossen ist. Das hatte ich am Tag vorher noch recherchiert und das freundliche Männlein an den Drehkreuzen, die den Zugang zum Pier versperren dann gefragt, ob ich denn mit meinem bepackten Rad passieren dürfte. Leider verstand er kein Englisch aber den Begriff 自行车 für ‚Fahrrad‘ konnte ich mir nach kurzem Überlegen noch zusammenreimen, und da wurde der kleine Mann richtig lebendig, öffnete mir ein Seitentür zum Wartebereich und rechnete die 10HK$ fürs Rad sogar in eine separate Handkasse ab.

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Etwa 10 Minuten dauert die Überfahrt über die Kowloon Bay und das an diesem trüben Vormittag nur mit wenigen Passagieren besetzte Boot legt dann am Kowloon City Ferry Pier, nicht allzu weit von dem seit vielen Jahren bereits stillgelegten, ehemaligen Innenstadt-Flughafen an.

Die Strecke bis nach Tsuen Wan im Nordwesten von Kowloon ist für mich dann mit einigen Herausforderungen gespickt, da mich die generelle Einbahnstraßenregelung immer wieder zu Umwegen zwingt. An einem Kreuzungspunkt mehrerer Schnellstraßen in Cheung Shan, die für Radfarher natürlich tabu sind, komme ich nur über ein längeres Stück Fußweg weiter in meine Richtung. Die etwas später folgende Lai King Hill Road trägt ihren Namen zu recht und nach dem kurzen aber mühsamen Anstieg habe ich dann doch auch mal eine kleine Übersicht auf die in dieser Ecke Hong Kongs völlig unregelmäßig angelegten Straßen.

In Kwai Chung muss ich später dann nochmal einen Hügel erklimmen, bevor ich mein Hotel erreiche, das leider doch in einer gemischten Gewerbe- und Wohngegend liegt, gegenüber einer größeren Baustelle. Es ist aber kein Problem, ein Zimmer zu bekommen, das in die abgewandte Richtung schaut, Fenster lassen sich allerdings nicht mal öffnen. Das Zimmer ist deutlich größer, als mein erstes am anderen Ende der Stadt, und hier passt sogar das Fahrrad zwischen Fenster und Bett.

Veröffentlicht in Hong Kong, Macau

Von Macau ist Hong Kong nicht mehr weit

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Museumsboot in Hong Kong

Nach zwei Tagen, an denen ich Macau hauptsächlich zu Fuß erkundet und ansonsten die Beine hoch gelegt habe, setze ich mich wieder aufs Fahrrad. Hong Kong ist ja nicht wirklich weit entfernt, keine 50 Kilometer, allerdings direkt über Land nur mit einem gewaltigen Umweg über die Metropole Shenzhen erreichbar.
Vor etwa einem halben Jahr wurde zwar eine Straßenverbindung zwischen Zhuhai/Macau und Hong Kong eröffnet, ein Stück Autobahn von insgesamt 55 km Länge, ein Milliardenprojekt das über drei zusammenhängende Brücken und durch einen Tunnel führt, aber für Fahrräder natürlich tabu ist. Die Brücke wird hauptsächlich von Bussen genutzt, doch ob ich hier mein Fahrrad transportiert bekommen hätte, habe ich nicht weiter recherchiert.
Stattdessen habe ich mich mit den möglichen Fährverbindungen zwischen Macau und Hong Kong beschäftigt. Das warf mir schon genügend Fragen auf, die sich im Vorfeld nicht einmal abschließend haben klären lassen. Eine klassische
Fahrzeugfähre, wie die zwischen Hainan und Guangdong zum Beispiel, gibt es hier jedenfalls gar nicht, lediglich Personenfähren in Form von Speed-Booten.

Der für mich infrage kommende Fährhafen, von wo aus die Boote der Cotai-Waterjet-Linie in Richtung Hong Kong Island verkehren, liegt leider nicht im Norden Macaus an der Küste der Halbinsel (Outer Harbour), sondern auf der Insel Taipa (Taipa Ferry Terminal), was es für mich schwierig macht, die Fähre überhaupt zu erreichen.
Nord- und Südhälfte Macaus sind über drei Brücken miteinander verbunden, von denen jedoch keine offiziell für Fahrräder freigegeben ist. An beiden äußeren Brücken, über die jeweils autobahnähnliche Schnellstraßen geführt werden, stehen jeweils explizite Verbotsschilder, und die mittlere und zugleich schmalste Brücke ist eigentlich Bussen und Taxen vorbehalten.

Einerseits bin ich ganz froh, aus der engen Stadt wieder heraus zu kommen, obwohl Macau trotz seiner geringen Ausdehnung doch viele spannende Ecken hat, die zu entdecken für mich in den zweieinhalb vergangenen Tagen gar nicht möglich war.
Das Treiben in den verwinkelten kleinen Straßen der älteren Stadtteile macht die Stadt aber durchaus interessant und die Mischung aus alter portugiesischer Architektur, zum großen Teil als Weltkulturerbe gepflegt (aber auch touristisch stark nachgefragt), und der schlichten, eher planlos wirkenden Alltagsarchitektur ist einmalig. Dazu setzen die großen Klötze der Kasino-Hotels und der unwirklich wirkende, golden verspiegelte Turm des Grand Lisboa in Form einer Lotus-Blüte, sehr konträre Akzente. Auch der 334 Meter hohe Macao-Tower am südlichen Ende der Halbinsel ist ein eher unpassender Blickfang.

Vom Guia-Hotel bis zum Taipa-Fährhafen sind es keine 10 Kilometer Strecke. Ich hatte am gestrigen Abend noch versucht herauszufinden, ob ich mein Fahrrad auf ein Boot der Cotai-Waterjets bringen kann und wie ich es dafür vorbereiten müsste, doch bei dem einzigen fußläufig erreichbaren Ticket-Schalter dieser Fährgesellschaft, am „Sands“ Kasino-Hotel, konnte man mir dazu keine Auskunft geben.

Also starte ich mit dem ‚Mut zur Lücke‘ am späten Vormittag bei noch
einigermaßen sonnigem Wetter und rolle zunächst die Estrada do São Francesco hinab, in Richtung Südwesten, Richtung des Kasinos ‚Grand Lisboa‘ und habe schnell Schwierigkeiten, die richtige Fahrspur zu finden, auf der ich dann auch weiter in Richtung des Hafens und dann weiter nach Taipa komme, um nicht in der Zufahrt zu einem der Parkhäuser am
Grand Lisboa zu enden. Etwas zu euphorisch rolle ich zu lange auf dem äußeren Fahrstreifen, ohne rechtzeitig zu sehen, dass dieser eben nicht auf dennächsten Kreisverkehr mündet, der hier am unteren Ende der Halbinsel als
zentraler Verteiler dient.

Das Schlimme ist: nachdem ich mich bis an die Kaimauern vorgearbeitet habe und am Sockel des gar nicht so hoch wirkenden Macao-Towers vorbei gerollt bin, sehe ich schon, dass Zweiräder die Rampe zur Brücke nicht hinauffahren dürfen. Ein Hinweisschild dirigiert sie darunter hindurch und zu der von Nordwesten ebenfalls an die Brücke heranführenden Rampe, mitten durch eine Baustelle hindurch.
Ja, Motorräder haben ihren eigenen Fahrstreifen auf dieser Brücke, aber Fahrräder sind hier offensichtlich doch nicht erwünscht; ein weiteres Verbotsschild direkt an der Auffahrt ist da so eindeutig wie unbestechlich.
Daran vorbei fahren kann ich aber noch, zum Ärger der hinter mir ausgebremsten Fahrzeuge, und finde mich bald erneut am Fuße des markanten Sende- und Aussichtsturms wieder.

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Torre de Macau vor der wachsenden Skyline der benachbarten Xiaohengqin Insel (Zhuhai/China)

Da bleibt mir nichts anderes übrig, als zurück um den Binnensee Lago Nam Van herum zum zentralen Kreisel an der Praca de Ferreira do Amaral zu radeln und mein Glück dort zu versuchen. Die dortige Brücke in Richtung Taipa ist allerdings schmal. Zunächst sind keine Busse hinter mir in Sichtweite, als ich die lange Rampe hinauf fahre. Taxis können mich leicht überholen, aber die Stadtbusse sind eben etwas breiter und irgendwann bildet sich doch ein Stau hinter mir, weil sich ein Busfahrer nicht traut. Er beginnt auch bald zu hupen und als ich die Spitze des etwa 35 Meter hohen Dreiecks passiert habe, das die Brücke bildet, zieht er endlich vorbei. Die südliche Rampe der Brücke führt fast wieder auf Meeresniveau hinunter und dann noch für etwa einen Kilometer weiter bis zur Küste von Taipa. Ob dies tatsächlich ein offizieller Weg für mich ist, um dort hin zu kommen – ich weiß es nicht.

Fahrräder sind dort offenbar keine Favoriten, denn nach der Brücke wird es nicht besser. Ich mache einen kurzen Orientierungsstopp an der Zufahrt zu einer Baustelle, einige Wohnhochhäuser versperren mir die Sicht, genauso wie bereits an anderen Stellen der Stadt. In einer Schleife muss ich mit dem Verkehr um einen Hügel herum fahren, aber ich komme nicht direkt bis zum Hafen, die Wendeschleife kurz davor ist bereits Teil der Autobahnzufahrt zum Flughafen, der auch nicht weit entfernt liegt. Das Rad schiebend komme ich aber über die breite Schnellstraße und die zwischen den Richtungen liegende Barriere hinweg, und über eine Seitenstraße und zwischen Industrieanlagen hindurch dann letztlich doch auf die Fährhafenzufahrt.

Meine Bedenken wegen der Fahrradmitnahme zerstreuen sich schnell, als ich am Ticketcounter direkt ein Fahrradticket kaufen kann. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet, das Fahrrad muss ich für den Transport nicht einmal zerlegen und an Bord der Speedfähre wird das Rad dann hinter einem nicht benutzten Tresen verstaut. Das Ticket kostet allerdings 65 Hongkongdollar (etwa 7 Euro).

Die Fahrt nach Hong Kong Island dauert über eine Stunde, in der First Class gubt es sogar kalte Getränke. Die Überfahrt ist sehr bequem und wegen des Fahrrads werde ich sogar recht früh in die Reihe zum Aussteigen gebeten. Die Passkontrolle ist auch in Hong Kong unproblematisch und genbau wie in Macau gibt es keinen Stempel in den Pass, sondern lediglich einen Ausdruck, der mir den Aufenthalt bis Anfang Juni gestattet. Außerhalb des „Macao-Ferry-Terminal“ muss ich mich dann erstmal orientieren. Auch hier in Hong Kong ist Linksverkehr angesagt und es gibt eigentlich nur Einbahnstraßen, und dann ist der Verkehr mehr oder weniger dreidimensional, denn die Fahrbahnen sind auch übereinander angeordnet. Und diese Überbauungen, häufig führen Sie auf eine der Schnellstraßen, sind für Fußgänger und Radfahrer natürlich tabu.

IMG_1162Ich will zur Queens Road kommen und diese dann auch ein Weilchen entlang fahren und es ist zum Glück auch eine der wenigen Straßen, die ausgeschildert sind. So brauche ich anfangs nur dieser Aussilderung zu folgen. Es gibt viele Bushaltestellen und neben Taxen sind die doppelstöckigen Busse die mir am meisten auffallenden Fahrzeuge auf der Straße. Sie sind durchweg sehr schnell unterwegs und an den Haltestellen fahren sie mir meist rücksichtslos in den Weg. Offenbar gibt es viele unterschiedliche Linien und die Haltepunkte liegen zumindest hier in der Innenstadt sehr dicht, oft nur wenige hundert Meter auseinander.

An vielen Ampeln muss ich halten, fahre dort meist vor bis zur Linie und bin dann meist der Erste. Zumindest solange bis mich ein überholender und gleich an der nächsten Haltestelle wieder an den Rand fahrender Bus ausbremst. 2 – 3-spurig ist die Straße; eine für Zweiräder reservierte Spur gibt es hier in Hong Kong nicht. Dafür ist die Bordsteinkante hoch und ein Zaun grenzt oft den Fußweg neben der Fahrbahn ab.

IMG_1151Ich bin längst auf der Hennessy Road und an der Causeway Metro-Station angekommen, von der mein Hostel nur etwa 200 Meter entfernt liegt, aber ich brauche eine ganze Weile, um es auch zu finden. Es ist ein verhältnismäßig kleines Gebäude zwischen all den hohen Büro- und Shopping-Türmen und viele Hinweisschilder auf mehrere kleine Hostels hängen an den beiden Eingängen. Das Zimmer, das ich dann im ersten Stock bekomme, ist extrem klein, erinnert mich ein wenig an Amsterdam und die manchmal ebenfalls sehr kleinen Hotelzimmer dort. Das Fahrrad kann ich für die nächsten Tage auf eine Art Balkon, bzw. erweiterte Vordachterasse stellen, genau vor das kleine Fenster meines Zimmers.