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Im Nordwesten von Hainan

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Am Rand des Zentrums von Haikou

Dass Hainan vor etwa 25 Jahren eher noch als Entwicklungsgebiet eingestuft wurde, sieht man der chinesischen Provinz heute kaum noch an. Haikou und Sanya sind Großstädte, die genauso boomen wie andere Städte in China auch. Vielleicht ist die Bauaktivität hier sogar noch etwas stärker als in anderen Provinzen, denn Hainan hat nach wie vor den Status einer Sonder-Entwicklungszone und der Staat fördert hier zudem massiv den Ausbau des Tourismus. Die Chinesen haben die Insel längst als ihr tropisches Ferienparadies entdeckt.
Wegen des bevorstehenden Chinesischen Neujahrsfestes sind nun Anfang Februar auch entsprechend viele Urlauber und Heimkehrer aus allen Provinzen des Landes hier. Man merkt es nicht nur am Autoverkehr.

Die küstennahe Ausfallstraße von Haikou aus in Richtung Westen ist zunächst sechs-, später vierspurig angelegt, und der innerhalb der Stadt noch als Nebenfahrbahn parallel geführte Zweirad- bzw. Mehrzweckweg wird dann zu einem eigenen Radweg abseits der Straße. Eigentlich ist dies eine ganz praktische Trennung, die aber nicht konsequent beachtet wird. Sowohl Zweiradfahrer nutzen die Bahn in beiden Richtungen, wie auch gelegentlich Autofahrer, niemanden scheint es zu stören. Stattdessen wird hupend drauf hingewiesen, dass ‚man kommt‘.
Ein Verhalten, an das ich mich gewöhnen muss, genauso wie das Benutzen von Fußgängerüberwegen an großen Straßenkreuzungen. Das Radfahren ist dann auf der eigentlichen Fahrbahn viel entspannter, als auf diesem Mehrzweckweg.

Nachdem wir den Hafen und zwei Marinestützpunkte passiert haben, folgen mehrere Strandabschnitte mit Grünstreifen, die noch am Vormittag im Nebel liegen, da die Luft feucht von See her aufs kühlere Land drückt. Später ist es sonnig und wird mit 28° sehr warm. Ab und zu wird gestoppt, um im Schatten kurz abzukühlen und zu trinken, oder Obst zu essen. Da meine Haut noch nicht an die intensive Sonnenbestrahlung gewöhnt ist, schmiere ich mir zweimal selbige ein.

Unser Tagesziel Lingao erreichen wir erst am späten Nachmittag nach 98 km Fahrt entlang von Badeorten, die noch im Entstehen sind, und durch kleinere Städtchen abseits der Hauptverbindungswege sowie durch einige landwirtschaftlich genutzte Flächen. In den Niederungen sind es neben einzelnen Reisfeldern vor allem Gemüse und vereinzelt Erdbeeren, in höher gelegenen unebenen Flächen sind es Ananaspflanzungen, Bananen und Eukalypthus-Pflanzungen.

Lingao ist eine etwas größere Provinzstadt im Nordwesten Hainans, etwa 12 km von der Küste entfernt gelegen. Im Zentrum eng und pulsierend, wobei aber ganze Straßenzüge erweitert werden, um offenbar Platz für mehr Verkehr zu schaffen, an der Peripherie der Stadt weit und regelmäßig angelegt. Verlässt man die Stadt in Richtung Norden, so fährt man alsbald durch Geisterbezirke, wo frisch angelegte Straßen noch ins Nichts führen und 20-Geschosser entstehen, die von noch niemandem bewohnt werden. Selbst an der Küste wird eine ganze Hochhaussiedlung buchstäblich in den sandigen Boden gesetzt.
An einer Landzunge befindet sich eine kleine Parkanlage in der ein monumentales Denkmal an die Befreiung Hainans von der japanischen Besatzung im 2. Weltkrieg erinnert, unweit einer Fischersiedlung.

Die Nacht zum Chinesischen Neujahrstag wird sehr laut und stickig. Feuerwerk war ja schon den ganzen Tag über immer mal und irgendwo, in der Nähe oder von weiter weg zu hören. Um Mitternacht aber beginnt ein Dauerfeuer in der näheren und weiteren Umgebung. Die Kracher sind hierzulande dann auch viel lauter, als in Deutschland je erlaubt wäre. Schnell zieht der Qualm nicht nur die Straßen entlang, sondern zwischen den hohen Gebäuden auch aufwärts, so dass ich die Balkontür für den Rest der Nacht geschlossen halte. An Schlaf ist vorläufig nicht mehr zu denken, und den Jetlag habe ich noch längst nicht verdaut.

Von Lingao aus fahren wir weiter in südlicher Richtung, zunächst entlang einer der stärker befahrenen Landstraßen, über eine Autobahn hinweg, die einmal um die ganze Insel herum führt und nach etwa 18 Kilometern erst auf eine Nebenstrecke und dann entlang von teils unbefestigten Wirtschaftswegen durch eine etwas hügeliger werdende und teils dicht bewachsene Landschaft. Von einem größeren Staubecken gehen einige wasserführende Kanäle aus, die ein offenbar weit verzweigtes Bewässerungsnetz speisen. Rund um den Ort Nabao befinden sich weitere landwirtschaftliche Flächen, die offenbar auf diese Weise mit Wasser versorgt werden.
Es ist inzwischen Zeit für eine längere Pause, außerdem meldet sich nach rund 40 km Strecke auch der Hunger. Hier in Nabao finden wir dann auch eine kleine Straßenküche, in der wir Brotteig am Spieß und Spinatgemüse frittiert serviert bekommen, mariniert in einer leckeren süßlichen, scharfen Soße. Es ist allerdings auch die einzige Alternative an diesem frühen Nachmittag.
Hier im Ort, wie auch immer wieder entlang der bisherigen Strecke, sind sporadisch Böller und Kracher zu hören. Das Abbrennen von Feuerwerk hat mit der Neujahrsnacht nicht geendet, sondern offenbar erst begonnen und vielerorts werden Böllerketten in großen, rotgelb dekorierten Verpackungen an der Straße verkauft.

Nadao erreichen wir nach 67 Kilometern durch diese abwechslungsreiche aber teils auch hügelige Landschaft, die Nachmittagshitze lässt bereits etwas nach. Der Straßenverkehr ist an diesem Feiertag überschaubar, das Busterminal, an dem wir vorbeikommen, ist geschlossen. Die Stadt ist Sitz der Provinzverwaltung, deren repräsentatives Gebäude am Rande des Stadtzentrums inmitten einer großen, bewachten Parkanlage liegt.
Später, auf der Suche nach einem Restaurant in der Innenstadt, spazieren wir auch an diesem Park vorbei und ein junger Mann spricht mich in sehr gebrochenem Englisch an. Er würde eine internationale Sprachschule betreiben und sucht einen neuen Englischlehrer – fragt mich, ob ich nicht gleich bleiben wolle. Da kann ich ihn dann nur enttäuschen.

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Ein Kommentar zu „Im Nordwesten von Hainan

  1. du machst also wieder eine tolle Reise! Freut mich, dass ich daran etwas teilnehmen kann. Aber dieses Mal bist du nicht allein? Alles Gute und viele schöne Eindrücke – Monika.

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