Veröffentlicht in Allgemein, Swasiland

Kleiner Park mit großen Werten

Von der Trockenzeit sehr stark gezeichnet und verglichen mit anderen Parks in  Botswana oder Südafrika eher ein Klecks auf der Landkarte, so beherbergt der Hlane Royal National Park doch eine ganze Reihe von Arten. Neben den Giraffen, die ich gestern in der Nähe der Durchgangsstraße gesehen hatte, wenigstens auch noch Impalas, Kudus und Wildbeests, die für die ebenfalls vorhandenen zwei größeren Löwenrudel die Hauptnahrungsquelle darstellen, dann noch Warthogs, Elefanten und Flusspferde sowie eine geheime Zahl von Breitmaulnashörnern. Abgesehen von ebenfalls einer ganzen Reihe von Vogelarten.

Etwas davon wollte ich ja gerne sehen, außer den drei reglos im nahe des Camps gelegenen Wasserloch stehenden Hippos. Wie drei abgerundete Felsen inmitten dieses größeren Teichs, ragt jeweils nur ein Teil des Rückens der Tiere aus dem Wasser, und würden sie sich nicht doch ab und zu bewegen, ein Ohrenpaar über die Wasseroberfläche hinaus schieben, oder sich mit der breiten Schnauze einen Schwall Wasser über den Rücken werfen, man würde sie glatt übersehen.

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Bei meiner Ankunft gestern hatte ich mich gleich danach erkundigt, ob am nächsten Morgen früh eine Pirschfahrt durch den Park angeboten würde, aber mangels Interesse war keine angesetzt. Lediglich für den selben Nachmittag noch, also quasi gleich, waren wohl schon vier Personen eingeschrieben und ich zögerte nicht lange und ließ mich schnell noch auf die Liste setzen. Um 16:00 Uhr sollte es losgehen, es war bereits 10 nach drei und so musste ich schnell mein Zelt aufbauen und einräumen, denn nach der Rückkehr von dem Ausflug (immerhin 2,5 Stunden) würde es bereits dunkel sein.
Auf das Duschen verzichtete ich und zog nur schnell lange Sachen an, um später, wenn die Sonne hinter den Horizont getaucht war, nicht im Fahrtwind des offenen Geländewagens zu frieren. Diese Erfahrung hatte ich schon einmal gemacht. Dann ließ ich mich gemeinsam mit zwei weiteren Deutschen und zwei Südafrikanern durch den Busch schaukeln.

Der Guide kennt natürlich sein Terrain und weiß wo er sehr wahrscheinlich welche Tiere finden wird, um sie uns Gästen zu präsentieren und dabei möglichst viele schöne Fotopositionen für uns zu arrangieren. Mit den Breitmaulnashörnern hatte er es nicht schwer, drei davon befanden sich gerade in der Nähe des Wasserlochs, vier weitere stöberte er in etwas größerem Abstand dazu auf. Vier Mädchen offenbar, wobei eine ‚den Hut aufhatte‘ und sich damit beschäftige, uns auf Abstand zu halten bzw. wieder loszuwerden. Nicht gereizt, nicht aggressiv, aber bestimmt.
Das war auch schon das Highlight des späten Nachmittags und offenbar auch das größte lebende Kapital des Parks.

 

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Zu dem Wasserloch vor der Terrasse des Restaurants des Camps, kommen die Tiere aber auch von allein, man muss ihnen jetzt zum Ende der Trockenzeit gar nicht hinterher fahren. Es ist nur schwer zu sagen, wann mal wieder eines vorbei schaut. Heute ist ein etwas heißerer Tag, die Sonne beginnt bereits am frühen Vormittag unerträglich zu werden und ich verbringe die Zeit überwiegend faul im Schatten eines der großen, ringsum offenen Rondavels. Ein Pausentag, denn die Beine einfach nur mal auszustrecken, ist auch wichtig.
Später, nach der größten Tageshitze, als ich mir die abgelegeneren Bereiche des Camps näher anschaue, tut sich dann auch am Wasserloch etwas mehr. Erst ist zunächst nur eine Gruppe Impalas in den Sträuchern, die etwas Abseits des Wassers wachsen, auf Nahrungssuche. Dann kommt eines der Rhinozerosse gemächlich ans Wasserloch spaziert, sondiert die Lage und setzt sich nach kurzer Zeit rücklinks in ein Schlammloch am Rand des Wassers und legt sich dann auf eine Seite.
Etwas später kommen noch zwei Elefanten etwas forscher aus dem Hintergrund an die Böschung des Wasserlochs heran gewandert, stürmen beinahe in das Wasserloch hinein, bespritzen sich mit Schlamm und saufen von dem Wasser.

Die Hippos lassen sich von all dem nicht aus ihrer Ruhe bringen, ja würdigen die Anderen nicht einmal eines Blickes.
Selbst lange nach Sonnenuntergang stehen die Drei dann immer noch in der Mitte des Wasserlochs, warten, bis auch die Dämmerung vorrüber ist, die den Himmel nach vielen verschiedenen Orange- und Rotnuancen langsam grau und dunkel werden lässt. So lange bis ich sie als Beobachter nicht mehr vom Grau der Umgebung des Wasserlochs unterscheiden kann. Dann erst stapfen sie schweren Schrittes geräuschvoll aus dem Wasser. Das Glucksen und Klatschen lässt aber schnell wieder nach und von den Tieren ist dann nichts mehr zu hören.

Über dem Horizont genau hinter dem Wasserloch und dem trockenen Busch färbt sich der Himmel dann erneut orangerot. Erst nur an einer Stelle, dann über einen immer breiter werdenden Bereich, und darüber steigt dann schwarzer Rauch in den Himmel, eine erst unscheinbare Rauchsäule, die sich zu einer gewaltigen Wolke auswächst und irgendwann in der Dunkelheit wieder verschwindet. Kein Buschfeuer, sondern gezieltes Abbrennen eines der Zuckerrohrfelder, etwa 10 km weiter nördlich bei Simunye. Das Röhricht erntet sich leichter, wenn alle trockenen Bestandteile schon vorher entfernt wurden, sagt einer der Ranger des Parks. – Hm, überlege ich, toller Umweltschutz – und den Fallout in Form feiner Ascheflocken sieht man dann auch noch am nächsten Tag immer wieder mal zu Boden segeln.

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Die Hügel lassen nicht locker

Am Montag lasse ich mir Zeit mit dem Frühstück, wärme mich am Kamin des Gastraums von Malandela’s B&B auf und warte dann anschließend noch ein Weilchen, bis die Wolkendecke weiter aufreißt und das Thermometer auch wieder in Richtung 20 Grad gestiegen ist. Bis nach Manzini sind es nur um die 20 Kilometer und weiter will ich heute auch gar nicht fahren, habe also keine Eile.

Manzini ist das wirtschaftliche Zentrum Swasilands, entsprechend dicht ist der Verkehr dorthin. Von Malkerns folge ich noch den letzten 3 Kilometern der MR27 bis an den Autobahnzubringer MR103 heran, an deren Kreuzung offenbar ein Wechsel- oder Umsteigepunkt der vielen Kleinbusse, dem quasi öffentlichen Personentransport, zu sein scheint. So viele dieser modern aussehenden und offenbar aus chinesischer Produktion stammenden Kleinbusse an einem Punkt halten und weiterfahren, habe ich bisher in dem kleinen Land noch nicht gesehen. Entsprechend viele fliegende Händler sitzen entlang der Straße und ich nutze die Gelegenheit, um Bananen zu kaufen.
Auf dem rötlich braunen Boden der Gegend werden Zuckerrohr und Ananas angebaut. Die niedrigen Ananasstauden tragen allerdings keine Früchte, die sehe ich erst später auf einem Markt in Manzini.

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Ananas auf dem Feld in der Gegend von Matsapha

Wie gewohnt bleibt die Straße hügelig und erst als ich bei Matsapha dann auch tatsächlich auf die Autobahn fahre (ein Traktor ist dort auch unterwegs, so mache ich mir gar keine Gedanken), fährt es sich beinahe genussvoll. Die Autobahn endet in Manzini allerdings in schneller Talfahrt ohne Vorankündigung an einer Ampel. Und das ganze Zentrum der Stadt zieht sich dann in das Tal des hinunter und am Gegenhang über etwa eineinhalb Kilometer wieder leicht bergan. Viele kleine Geschäfte, Restaurants, Bürohäuser, Shopping Malls, Werkstätten und dann aus- und einparkende Autos die immer mal wieder zum Anhalten zwingen.
The George Hotel ist heute meine Wahl, etwas oberhalb des Stadtzentrums, durch das ich später am Nachmittag noch eine ganze Weile spaziere (ohne allerdings etwas Interessantes zu finden) und mich über die immer mehr werdenden Menschen wundere. Viele Geschäfte schließen offenbar schon recht früh und die Leute gehen ihrerseits selbst dann einkaufen.

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Bunte Wasserboiler hängen zum Verkauf

 

Heute am  Dienstag starte ich ziemlich früh (für meine Verhältnisse jedenfalls) in Manzini, bin bereits vor 9:00 Uhr auf der Strecke. Der Tag könnte heiß werden, denn von Anfang an ist keine Wolke am Himmel zu sehen. Von Anfang an komme ich aber trotzdem nur gebremst vorwärts, da es für die ersten vier Kilometer hauptsächlich aufwärts geht. Immer noch, obwohl das Gelände in Richtung Osten doch eigentlich in eine Tiefebene auslaufen sollte. Manizini lag auf etwa 700 Metern Höhe und der Hlane Royal National Park, bis zu dem ich heute kommen will liegt auf etwa 250 Metern, da sollte es doch… tut es auch, nur eben nicht gleichmäßig. Zwei wellige Höhenzüge liegen noch dazwischen und erst nach rund 25 km wird das Gelände richtig sanft (siehe Beitragsbild am Anfang).

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Die MR3 nördlich von Mpaka

Nach etwa 42 km mache ich heute auch einmal so richtig Mittagspause. Ich habe Hunger, trotz des umfangreichen Frühstücks im George Hotel und immer nur ein zwei Bananen während des Tages, ist zu wenig. In Mpaka, von dem ich nicht mehr als einen Eisenbahnhaltepunkt erwartet habe, das aber eine in der Fläche recht weit verstreute Siedlung ist, gibt es neben dem offenbar verwaisten Tio Ze Restaurant gleich am Beginn des Ortes auch noch eines an der wichtigsten Straßenkreuzung, kurz vor dem recht umfangreichen Güterbahnhof. Die junge Köchin hat Reis mit buntem Gemüse, Krautsalat und gebackenem Fisch im Angebot. Da schlage ich doch gerne zu, und mit einer kühlen Cola ist diese viel zu große Portion für mich schmalen Radreisenden für 30 Emalangeni (respektive Rand) auch noch ziemlich preiswert.

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Fisch mit Reis, Gemüse, Kartoffeln, Salat

Okay, Bananen kosten an der Straße sonst etwa 1 – 2 Rand, ein Apfel (das Angebot an Äpfeln ist erstaunlich groß) 1,5 Rand. Zum Vergleich: Der südafrikanische Rand wird etwa 16 zu 1 Euro gehandelt. Eine Banane kostet also rund 10 Cent. Für Avocados zahlt man etwa 5 Rand das Stück. Eine Cola kann 8 – 15 Rand kosten, ein Bier liegt meist bei 20 Rand, eine große 1,5 L Wasserflasche bei 12 – 18 Rand.

Nachdem ich die Bahngleise überquert habe (man hat hier sogar eine Straßenbrücke spendiert) beginnt links der Straße für viele Kilometer ein eingezäuntes Gebiet, in dem die Vegetation offenbar wachsen kann wie sie will. Trockene, größtenteils kahle, niedrig gewachsene Laubbäume (überwiegend Akazienarten) und Büsche bilden einen undurchdringlichen ‚Busch‘,  an dem die Straße schnurgerade entlang führt. Erst in östlicher Richtung und nach einer langgezogenen Kurve an dem Abzweig nach Siteki dann weiter in Richtung Norden, gegen die Sonne und auch gegen den Wind. Wobei der jetzt am Nachmittag gar nicht sehr stark bläst. Dann wieder eine Siedlung auf beiden Seiten der Straße.
Hier fülle ich an einer kleinen Grocery meinen Wasservorrat auf, der sich im Laufe des frühen Nachmittags, wegen der nun doch wieder mehr als 35° im Schatten, etwas reduziert hat.

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Einige Kilometer weiter beginnt das Schutzgebiet dann offiziell. Ein unspektakuläres Gate mit einem Viehrost soll Tiere am Verlassen hindern und Rinder natürlich fern halten. Dahinter dann ein Hinweisschild, dass mit Großwild an der Straße gerechnet werden muss. Die Straße durchschneidet nun für etwa 15 km Länge den Hlane Royal National Park und ich freue mich schon auf das Camp, das sich mitten da drin befindet.

Langsam fahre ich nun die letzten Kilometer bis zu meinem Tagesziel, schaue aufmerksam nach rechts und links in den Busch. Kaum vorstellbar, dass sich bei dem doch relativ starken Durchgangsverkehr Wildtiere an die Straße wagen sollten. Aber die sind den Verkehr vermutlich gewohnt, denn bald sehe ich zwei Giraffen im Schatten einer etwas größeren Akazie gar nicht mal so weit entfernt stehen. Eine davon nimmt auch schnell reißaus, das langsam rollende, bunte Fahrrad auf der Straße scheint ihr nicht zu behagen.

 

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Das Wetter dreht am Rad

Wie gut doch so eine heiße Dusche tut, ich hätte es mir für eine Reise durch Afrika nicht träumen lassen. Da stehe ich nun im Bad eines geschmackvoll eingerichteten kleinen Zimmers mit überdachter Terrasse vor dem breiten Fenster mit orangefarbenen Vorhängen, umgeben von einem grünen Idyll aus riesigen Strelizien und wilden Bananenstauden und taue endlich wieder auf. Das Städtchen Malkerns liegt nicht allzu weit entfernt, aber hier um das Malandela’s B&B herum befinden sich weitläufige Zuckerrohrfelder.

Der Regen ist von Norden her durchgezogen und hat offenbar eine Kaltfront mitgeschleppt, die mich an den Winter von zuhause erinnert. Also körperlich.
Schon gestern hatte sich das schlechte Wetter in den Bergen angekündigt, als morgens Nebel aufzog, der sich nur allmählich im Laufe des Vormittags zu einer dichten Wolkendecke in größeren Höhen verlagert hat. Später gab es ein kurzes Gewitter ohne das es richtig geregnet hätte, nur die Sonne kam nie so recht durch die Wolken. So konnte ich die Foresters Arms Lodge und ihre Umgebung bei Mhlambanyatsi kaum so recht genießen, bin lediglich am späten Nachmittag etwa 2 Stunden lang um den Golfplatz! herum und durch die Kiefernpflanzungen gewandert.

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Golfplatz bei Mhlambanyatsi

Heute morgen kam als erstes ein Gewitter mit kräftigem Schauer, und bei Dauerregen und kaltem Wind ist es dann geblieben. Da war ich aber froh, dass ich doch zwei Windjacken eingepackt habe und dass mein dünner Pullover eine Kapuze hat. Nach dem Tag Pause in der ansonsten sehr angenehmen Lodge weit oberhalb Bhunyas, muss ich heute zwangsläufig weiterfahren. Natürlich trotz des schlechteren Wetters.
Ich warte zwar nach dem ausgiebigen Frühstück noch, bis der Dauerregen etwas dünner wird und in Niesel übergeht, aber der bleibt mir dann den ganzen Tag über erhalten. Ganze acht Grad zeigt mein Thermometer am Tacho, als ich mit zwei Schichten an den Beinen und drei, später vier Schichten am Oberkörper, von Wind und Regen begleitet, den Weg zurück ins Tal des Lusutfu-Flusses fahre. Richtige Regenkleidung habe ich ja leider nicht dabei, lediglich die dünne Windhose und -jacke. So bin ich nach kurzer Zeit von außen richtig nass. Das Zwiebelprinzip wirkt aber trotzdem, und als ich noch eine zweite Windjacke unter die schon durchweichte erste Jacke ziehe, merke ich auch von der Kälte der Windböen nicht mehr allzu viel. Schlimm ist es nur bei längeren Abwärtspassagen und Geschwindigkeiten von mehr als 25 km/h, dann zieht die Kälte doch bis in die unterste Schicht. Während der ersten etwa 5 km kann ich mich an den kürzeren Zwischenanstiegen jeweils warm strampeln. Das fällt mir bei der Kälte mit dem Gegenwind allerdings genauso schwer wie zwei Tage zuvor schon, nur irgendwie waren mir die 30° mehr an dem Tag doch lieber, denn jetzt komme ich nur langsam auf Betriebstemperatur. Zum Glück sind wegen des Sonntags nur wenige LKW unterwegs.

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Nebel in den Bergen

Sobald ich wieder im Tal bin und Bhunya passiert habe, halte ich nach einer Tankstelle Ausschau, bei der ich mich aufwärmen könnte, aber außer einem großen und gut gesicherten Materialdepot der Forstgesellschaft sehe ich nichts. Dafür kleine Verkaufshütten an der Straße und ein paar Jungs, die offenbar auch im Regen auf Kundschaft warten. Ich kaufe zwei Bananen und rolle weiter. Die Straße in Richtung Manzini ist nun breiter als die Gebirgsstraße und führt viel sanfter über die nur noch leicht hügeligen Flanken des weiter werdenden Tals.
An einem verlassenen Kiosk etwas abseits der Straße stelle ich mich für einige Zeit trocken unter und esse eine der Bananen. Irgendwie geht es ja doch trotz des dauernden Regens weiter und zwei Grad wärmer ist es im Tal auch schon geworden. Lange stehen kann ich nicht, da kühle ich irgendwann aus. Also fahre ich recht schnell weiter. Die Landschaft ist jetzt viel offener, die Berge rücken weit in den Hintergrund oder verschwinden ganz in den Wolken und Wald ist nur noch in der Ferne zu erahnen. Während der nächsten 30 km halte ich immer wieder mal an, um mich unterzustellen, oder um Obst zu kaufen und gleich an Ort und Stelle zu essen. Kurze Aufwärmphasen. In Luyengo komme ich an der landwirtschaftlichen Fakultät der University of Swaziland vorbei, in der weiteren Fläche wird offenbar Zuckerrohr und Gemüse angebaut. Kohl war mir vorher schon aufgefallen.

An einer Tankstelle kurz vor Malkerns mache ich doch noch eine längere Pause. Es fuhr sich zuletzt zwar ganz angenehm über die sanfter werdenden, auslaufenden Hänge, aber ziemlich ausgekühlt bin ich inzwischen auch. Und eine heiße Schokolade sowie warmer Blätterteig helfen Schlimmeres zu verhindern.
Durch Malkerns bin ich dann auch bald hindurch, mache jetzt aber langsam, denn wo genau sich die Lodge befindet, bei der ich heute übernachten will, weiß ich nicht. Außerhalb des Ortes sollte es aber sein.

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Zuckerrohrplantage bei Malkerns

Eine Konservenproduktion, in der Obst und Gemüse verarbeitet werden, bestimmt mit ihren weitläufigen Gemüsefeldern für einige Kilometer das Bild. Dann wieder Zuckerrohr und über die Felder ziehen die Wolken tief hängend hinweg.
Malandela’s Lodge und das Festivalgelände ‚House on Fire‘ liegen da mitten drin.
Schön, dass noch (mehr als) ein Zimmer frei ist und nach der heißen Dusche sschalte ich erstmal den Radiator ein, trinke einen warmen Tee und lege mich eine Weile ins Bett.

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Bergiges, kleines Königreich

Etwas einfacher hatte ich es mir ja doch vorgestellt, die 17 km von Amsterdam bis zum Grenzübergang Nerston/Sandlane nach Swasiland zu radeln. Doch die Strecke windet sich erst leicht ansteigend durch ein schmaler werdendes Tal und steigt dann schnell um etwa 200 Meter an. Immer wieder muss ich gegen den Wind ankämpfen, so brauche ich für den Aufstieg bis zum Grenzposten fast zwei Stunden.
Wie verlassen liegt die Station in der drögen Vormittagshitze auf einem kleinen Plateau. Im Schatten des Vordachs, das auf Südafrikanischer Seite die Straße überspannt, sitzen zwei Frauen mit hellgelb reflektierenden Westen und ein Mann in Polizeiuniform, die ihre Unterhaltung einstellen, als ich frage, welchen Ablauf ich hier einhalten sollte. Der Beamte notiert zwar nur KFZ-Kennzeichen in seiner aufgeschlagenen Kladde, ist aber fasziniert von dem Gedanken, mit dem Fahrrad aus Deutschland in seine Gegend zu kommen. Er schickt mich weiter zum abseits gelegenen Immigration-Office. Dort hole ich mir den Ausreisestempel, nachdem mein Pass vom dort hinter Glas sitzenden Beamten zweimal gescannt wurde.

50 Meter weiter befinde ich mich bereits in Swasiland, ein Willkommensschild weist darauf hin. Eine herunter gelassene Schranke versperrt jedoch den Weg. Das Customs Office ist hier etwas kleiner angelegt, dafür sitzen mehr Männer in dem Raum, die ihre Unterhaltung kurz unterbrechen, um mich zu mustern. Ich greife mir einen der auf dem Tresen herum liegenden Einreisezettel und beginne die wenigen Felder auszufüllen. Ein Grenzpolizist vergleicht daraufhin die Daten aus dem Pass mit denen auf dem Zettel und will mich nach Fahrzeugpapieren fragen, als er draußen das Fahrrad sieht.

Wo ich denn hin wolle, fragt er kurz, um mir dann viel Spaß zu wünschen, mir einen Stempel in den Pass zu drücken und dann noch einen weiteren Zettel zu stempeln und hinein zu legen. Dort schreibt er ‚Bicycle‘ drauf. Muss ich den etwa bis zur Ausreise im Pass lassen? – frage ich mich, als ich meine Papiere wieder in einer der Packtaschen verstauen will. Doch nein, es gibt noch einen Schrankenwärter und der wartet schon auf den Zettel und gibt mir lachend die Straße frei, als ich ihm den in die Hand drücke.

So rolle ich weiter in die Berge von Swasiland, kaufe im erstbesten Kiosk, etwa 100 Meter hinter der Grenze, eine kühle Cola und fahre dann noch ein paar Kilometer weiter, bevor ich mir unter den Bäumen abseits der Straße einen Schattenplatz für eine kurze Pause suche. Die Straße ist schmaler, als sie es im Nachbarland war, der Asphalt ist rauer, die Gefälle sind steiler – in Swasiland folgt der Straßenbau offenbar noch direkter den Vorgaben des Geländes. Hatte ich in Südafrika bisher maximal 5 – 6 Prozent Gefälle oder Steigung, so sind es hier schnell mal 8 – 10 Prozent. Entsprechend langsamer komme ich nun die Anstiege hinauf und desto vorsichtiger gehe in die nächste Schussfahrt. Die Bremsen halten es bisher gut aus.

Die Hitze des Tages und das immer wieder steile Aufwärtskurbeln machen mir inzwischen zu schaffen. Der Wind lässt auch heute nicht nach und bläst mir entweder unangenehm in die Seite, oder kommt von vorn. Da die Straße oft auf Kammlage verläuft, bekomme ich den Wind häufig ungebremst ab.
Die Grundtendenz ist durchaus abwärts zu fahren, und die nächste größere Ortschaft Bhunya, etwa 35 km hinter der Grenze, liegt auch weit im Tal auf etwa nur noch 1000 Meter, aber es geht von Absatz zu Absatz immer wieder auch steil aufwärts.
Irgendwann habe ich einen jungen Mann auf gleicher Höhe, der mir für wenige Kilometer auf seinem Mountainbike folgt, bis zu einer Schule, an der er arbeitet, wie er mir erklärt. Er ist fasziniert bei dem Gedanken, dass ich mit dem ganzen Gepäck von Amsterdam her über die Berge radle. Bis Bhunya würde ich wohl gut kommen.

Dann kommt irgendwann der steile Abstieg, die Straße wird kurz zuvor breiter und der Asphalt glatter. Das Rad rollt gleich merklich leichter, noch bevor das Gefälle beginnt. Doch die Freude über diesen offenbar noch neuen Straßenabschnitt währt nur kurz, denn nach wenigen Kilometern endet der Ausbau auch schon wieder. Man hat wohl die früher schlimmsten Passagen etwas entschärft und danach geht es erst richtig steil und über viele geflickte Schlaglöchern weiter bergab. Ich bremse mich auf nicht mehr als 30 km/h ab, ansonsten ist das Rad bei den vielen Bodenunebenheiten kaum zu kontrollieren. Ich habe den Eindruck, dass je tiefer ich komme, es umso heißer wird und der weiterhin aus Norden blasende Wind drückt mir die Hitze aus dem Tal quasi ins Gesicht. Er ist so kräftig, dass er mich zusätzlich bremst.
Was wird wohl sein, wenn ich aus der Talsohle heraus gleich wieder den nächsten Berg erklimmen muss. Bis zu meinem anvisierten Quartier in der Foresters Arms Lodge muss ich etwa 10 km über Bhunya hinaus fahren, es geht dort genauso steil den Gegenhang hinauf.
Kurz hinter Bhunya, das nur aus einem gewaltigen Sägewerk und weiterer Holzverarbeitung zu bestehen scheint, mache ich etwa einen Kilometer oberhalb des Tals Pause und esse eine an der eben passierten Straßenkreuzung gekaufte Orange. Leider hatten die Frauen dort nur Obst im Angebot. Es hat jetzt 37° im Schatten, in zwei Stunden wird es dunkel und ich beschließe, hier nicht nocheinmal gegen den Berg anzukämpfen, dessen Rampe mir von oben böse zugrinst, sondern einen Pick-up oder ein ähnliches Fahrzeug anzuhalten und mich die letzten etwa 9 Kilometer mitnehmen zu lassen.
Für 500 Meter versuche ich es kurz darauf zwar noch einmal, aber bei 11% Steigung und nur noch minimal vorhandener Kraft in den Beinen, spüre ich, dass hier für heute Schluss ist. Ein Auto anzuhalten ist aber gar nicht so leicht, denn erstens kommen gar nicht so viele vorbei, dann haben sie oft schon ihre Ladefläche belegt, oder, wie mir ein sehr freundlicher Fahrer erklärt, der mich mitnehmen würde, muss er schon nach wenigen 100 Metern in den nächsten Wirtschaftsweg abbiegen.
So rufe ich in der Lodge an und lasse mich letztendlich abholen, was mir zwar ein wenig peinlich ist, aber durchaus auf großes Verständnis stößt.

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So erreiche ich nach 5 Tagen harter Radtour ein Kleinod in den Bergen Swasilands und lege hier auch gleich noch einen Pausentag ein. Die Regeneration habe ich jetzt dringend nötig. Es ist herrlich, in der langsam nachlassenden Nachmittagshitze bei einer kühlen Cola auf einer Terrasse zu sitzen, die Vogelstimmen (und Pferdegewieher in der Ferne) und die Aussicht auf die Weite des Eukalyptuswaldes der Umgebung zu genießen.