Veröffentlicht in Swasiland

Die Hügel lassen nicht locker

Am Montag lasse ich mir Zeit mit dem Frühstück, wärme mich am Kamin des Gastraums von Malandela’s B&B auf und warte dann anschließend noch ein Weilchen, bis die Wolkendecke weiter aufreißt und das Thermometer auch wieder in Richtung 20 Grad gestiegen ist. Bis nach Manzini sind es nur um die 20 Kilometer und weiter will ich heute auch gar nicht fahren, habe also keine Eile.

Manzini ist das wirtschaftliche Zentrum Swasilands, entsprechend dicht ist der Verkehr dorthin. Von Malkerns folge ich noch den letzten 3 Kilometern der MR27 bis an den Autobahnzubringer MR103 heran, an deren Kreuzung offenbar ein Wechsel- oder Umsteigepunkt der vielen Kleinbusse, dem quasi öffentlichen Personentransport, zu sein scheint. So viele dieser modern aussehenden und offenbar aus chinesischer Produktion stammenden Kleinbusse an einem Punkt halten und weiterfahren, habe ich bisher in dem kleinen Land noch nicht gesehen. Entsprechend viele fliegende Händler sitzen entlang der Straße und ich nutze die Gelegenheit, um Bananen zu kaufen.
Auf dem rötlich braunen Boden der Gegend werden Zuckerrohr und Ananas angebaut. Die niedrigen Ananasstauden tragen allerdings keine Früchte, die sehe ich erst später auf einem Markt in Manzini.

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Ananas auf dem Feld in der Gegend von Matsapha

Wie gewohnt bleibt die Straße hügelig und erst als ich bei Matsapha dann auch tatsächlich auf die Autobahn fahre (ein Traktor ist dort auch unterwegs, so mache ich mir gar keine Gedanken), fährt es sich beinahe genussvoll. Die Autobahn endet in Manzini allerdings in schneller Talfahrt ohne Vorankündigung an einer Ampel. Und das ganze Zentrum der Stadt zieht sich dann in das Tal des hinunter und am Gegenhang über etwa eineinhalb Kilometer wieder leicht bergan. Viele kleine Geschäfte, Restaurants, Bürohäuser, Shopping Malls, Werkstätten und dann aus- und einparkende Autos die immer mal wieder zum Anhalten zwingen.
The George Hotel ist heute meine Wahl, etwas oberhalb des Stadtzentrums, durch das ich später am Nachmittag noch eine ganze Weile spaziere (ohne allerdings etwas Interessantes zu finden) und mich über die immer mehr werdenden Menschen wundere. Viele Geschäfte schließen offenbar schon recht früh und die Leute gehen ihrerseits selbst dann einkaufen.

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Bunte Wasserboiler hängen zum Verkauf

 

Heute am  Dienstag starte ich ziemlich früh (für meine Verhältnisse jedenfalls) in Manzini, bin bereits vor 9:00 Uhr auf der Strecke. Der Tag könnte heiß werden, denn von Anfang an ist keine Wolke am Himmel zu sehen. Von Anfang an komme ich aber trotzdem nur gebremst vorwärts, da es für die ersten vier Kilometer hauptsächlich aufwärts geht. Immer noch, obwohl das Gelände in Richtung Osten doch eigentlich in eine Tiefebene auslaufen sollte. Manizini lag auf etwa 700 Metern Höhe und der Hlane Royal National Park, bis zu dem ich heute kommen will liegt auf etwa 250 Metern, da sollte es doch… tut es auch, nur eben nicht gleichmäßig. Zwei wellige Höhenzüge liegen noch dazwischen und erst nach rund 25 km wird das Gelände richtig sanft (siehe Beitragsbild am Anfang).

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Die MR3 nördlich von Mpaka

Nach etwa 42 km mache ich heute auch einmal so richtig Mittagspause. Ich habe Hunger, trotz des umfangreichen Frühstücks im George Hotel und immer nur ein zwei Bananen während des Tages, ist zu wenig. In Mpaka, von dem ich nicht mehr als einen Eisenbahnhaltepunkt erwartet habe, das aber eine in der Fläche recht weit verstreute Siedlung ist, gibt es neben dem offenbar verwaisten Tio Ze Restaurant gleich am Beginn des Ortes auch noch eines an der wichtigsten Straßenkreuzung, kurz vor dem recht umfangreichen Güterbahnhof. Die junge Köchin hat Reis mit buntem Gemüse, Krautsalat und gebackenem Fisch im Angebot. Da schlage ich doch gerne zu, und mit einer kühlen Cola ist diese viel zu große Portion für mich schmalen Radreisenden für 30 Emalangeni (respektive Rand) auch noch ziemlich preiswert.

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Fisch mit Reis, Gemüse, Kartoffeln, Salat

Okay, Bananen kosten an der Straße sonst etwa 1 – 2 Rand, ein Apfel (das Angebot an Äpfeln ist erstaunlich groß) 1,5 Rand. Zum Vergleich: Der südafrikanische Rand wird etwa 16 zu 1 Euro gehandelt. Eine Banane kostet also rund 10 Cent. Für Avocados zahlt man etwa 5 Rand das Stück. Eine Cola kann 8 – 15 Rand kosten, ein Bier liegt meist bei 20 Rand, eine große 1,5 L Wasserflasche bei 12 – 18 Rand.

Nachdem ich die Bahngleise überquert habe (man hat hier sogar eine Straßenbrücke spendiert) beginnt links der Straße für viele Kilometer ein eingezäuntes Gebiet, in dem die Vegetation offenbar wachsen kann wie sie will. Trockene, größtenteils kahle, niedrig gewachsene Laubbäume (überwiegend Akazienarten) und Büsche bilden einen undurchdringlichen ‚Busch‘,  an dem die Straße schnurgerade entlang führt. Erst in östlicher Richtung und nach einer langgezogenen Kurve an dem Abzweig nach Siteki dann weiter in Richtung Norden, gegen die Sonne und auch gegen den Wind. Wobei der jetzt am Nachmittag gar nicht sehr stark bläst. Dann wieder eine Siedlung auf beiden Seiten der Straße.
Hier fülle ich an einer kleinen Grocery meinen Wasservorrat auf, der sich im Laufe des frühen Nachmittags, wegen der nun doch wieder mehr als 35° im Schatten, etwas reduziert hat.

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Einige Kilometer weiter beginnt das Schutzgebiet dann offiziell. Ein unspektakuläres Gate mit einem Viehrost soll Tiere am Verlassen hindern und Rinder natürlich fern halten. Dahinter dann ein Hinweisschild, dass mit Großwild an der Straße gerechnet werden muss. Die Straße durchschneidet nun für etwa 15 km Länge den Hlane Royal National Park und ich freue mich schon auf das Camp, das sich mitten da drin befindet.

Langsam fahre ich nun die letzten Kilometer bis zu meinem Tagesziel, schaue aufmerksam nach rechts und links in den Busch. Kaum vorstellbar, dass sich bei dem doch relativ starken Durchgangsverkehr Wildtiere an die Straße wagen sollten. Aber die sind den Verkehr vermutlich gewohnt, denn bald sehe ich zwei Giraffen im Schatten einer etwas größeren Akazie gar nicht mal so weit entfernt stehen. Eine davon nimmt auch schnell reißaus, das langsam rollende, bunte Fahrrad auf der Straße scheint ihr nicht zu behagen.

 

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Ein Kommentar zu „Die Hügel lassen nicht locker

  1. Jeden Morgen unsere erwartungsvolle Frage: „Wieder ein Bericht aus Afrika?“
    Ja!!!
    Heute begleiten wir Dich, lieber Christian, über die Hügel zum Hlane Royal Nationalpark und fühlen uns fast so, als wären wir wirklich dabei. Deine Beschreibungen öffnen uns die Augen für das südliche Afrika und korrigieren auch ein wenig unsere bisherigen Vorstellungen über diese Region.
    Alles Gute weiterhin!
    Anneliese und Günter

    Liken

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