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Von Taishan nach Jiangmen

IMG_9922Es ist ungewöhnlich kühl am Morgen. Ein fast eisiger Wind von Nordost bläst mir entgegen, als ich mal wieder recht spät am Tag in Taishan starte. Mit den Schauern von letzter Nacht, hat sich die Luft insgesamt wohl etwas abgekühlt. Dabei war der Sonnenschein vom Hotelzimmer aus betrachtet so verlockend und ich habe meine warmen Sachen tief in die Packtaschen gesteckt. Über die dünne Weste ziehe ich dann bald noch die dünne Windjacke.

Ich muss noch einmal durch die renovierte Altstadt, die hinter der Brücke über den Taishan Fluss beginnt und teils aus einem Gewirr von kleinen parallel, aber nicht geradlinig verlaufenen schmalen Straßen besteht, rechts und links jeweils eng mit den klassischen zweigeschossigen Häusern bebaut, die man in kleineren Städten noch sieht, die an vielen anderen Orten aber längst der kompletten Neugestaltung der Innenstädte zum Opfer gefallen sind.  Die Gebäude sind nicht nur in erster Reihe entlang der etwas breiteren, durch dieses Viertel hindurch führenden Hauptstraße teilweise völlig neu errichtet. Diese Neubauten imitieren den alten Baustil, haben aber beinahe glatte, weniger verschnörkelte Fassaden. Im unteren Geschoss befinden sich Geschäfte, Werkstätten, kleine Galerien. Für dieses Viertel müsste ich einen Tag Zeit haben, bin gestern am späten Nachmittag schon einmal hier vorbei gekommen, als ich mir noch eine große Parkanlage am Stadtrand angesehen hatte, jetzt kann ich auch nur langsam hindurch rollen und muss dann weiter. Gestern am Abend war hier deutlich mehr Verkehr auf der Straße.

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In der Altstadt von Taishan

Die kühle Luft bewegt sich unverändert, als ich etwas später wieder auf offenem Land auf der stark befahrenen S273 nordwärts fahre. Mancherorts sind die Ausblicke von dieser Straße ja recht interessant. Einmal ist da ein Dorf in geringer Entfernung, an dessen Nordende eine Art von Wehrturm den Abschluss dieses Dorfes bildet, etwas später bilden eingezäunte Gewerbeflächen den Rahmen der Straße, von Heavy Industries ist an der Zufahrt eines großen Areals mit gewaltigen Hallen, denen man nicht ansieht, was drinnen verarbeitet wird, zu lesen. Vielleicht wird Stahl erzeugt? Auf den riesigen Freiflächen stapeln sich jedenfalls Stahlplatten und -röhren verschiedenster Dimension.

Dann wieder Baustellen, Hochhausbau auf der einen Straßenseite, Straßenbau auf der anderen. Von einem größeren Industriebetrieb schwärmen Arbeiter auf ihren Elektro-Mopeds aus und kommen mir auf dem Seitenstreifen entgegen.
Inzwischen kommt die Sonne ab und zu durch die Wolken und es wird schnell wärmer, nach etwa 12 km auf dieser zwar geradlinig verlaufenden, aber dennoch unangenehmen Straße setze ich mich ostwärts in Richtung einer schmalen Querverbindung ab – und lande dort prompt in einer Sackgasse. Eher unscheinbar war bereits etwa 200 Meter zuvor ein schmalerer Betonstreifen schräg in die Landschaft hinein abgezweigt.

 

Okay, diese schmale, gleich hinter einer langgezogenen Biegung im Grünen in Richtung bewaldeter Hügel verschwindende Straße nehme ich jetzt. Doch es dauert nicht lang, da wird die Betondecke erst löchrig und ist ein gutes Stück weiter komplett eingebrochen. Für einige Meter überzieht bräunlich schlammiges Wasser die Straße, ein paar hundert Meter weiter ist es unebener, lehmiger Boden mit Pfützen, was anstelle der Straßendecke übrig ist und bald darauf sehe ich auch warum: zwischen den Hügel wird in der Richtung in die diese alte schmale Straße verläuft eine neue Straße angelegt. Von der Breite des aufgeschütteten Damms geschätzt, könnte es eine vierspurige Straße werden, teils sind die Hügel dafür abgetragen worden, wie ich später sehe, das bewegte Erdreich bildet den Damm, der an manchen Stellen über bereits gegossene Betonröhren aufgeschüttet wurde, die später als Wasser-Querläufe dienen werden. An anderer Stelle wird der Untergrund erst präpariert, werden Betonstützen gegossen.
Die Straße, die ich hier als Stille Alternative durch die Berge und entlang eines Stausees nutzen will, dient jedenfalls als Baustraße für diesen Neubau und die schweren Baumaschinen und Material-LKWs haben ihre offenbar schwer zugesetzt.
Im Moment ist von diesen Fahrzeugen allerdings nicht viel zu sehen, nur wenige Arbeiter sind überhaupt auf dieser riesigen Baustelle anwesend. Insgesamt komme ich natürlich vorwärts, aber ich muss oft stoppen, um dann vorsichtig durch die schlammigen Abschnitte zu fahren, und umdrehen will ich natürlich nicht. Glücklicher Weise sind jetzt keine großen LKWs auf der schmalen Straße unterwegs, lediglich ab und zu ein Kleintransporter, der mich überholt. Das gibt mir auch gleichzeitig die Gewissheit, dass die Straße durchgängig ist und nicht irgendwo wegen der Baustelle ganz endet.

 

Eigentlich ist es eine ruhige, weit entrückte Gegend, durch die ich hier komme und die schmale Straße wurde sicherlich einmal angelegt, um eine Versorgungsstraße für den Stausee zu haben. Wenn der Neubau erst fertig ist, wird sich das Bild vermutlich stark verändern. Nach etwa 20 km erreiche ich den nächsten Ort und kurz bevor die nun wieder mit zwei regulären Fahrstreifen ausgestattete und eng mit Straße in Shuang Shui auf die S271 mündet, halte ich an einem Restaurant, wo ich nach etwas längerer Verhandlung mit einer hilfsbereiten jungen Frau, die nur geringfügig besser Englisch spricht als ich Chinesisch, eine schöne Portion Gemüse und einen gedünsteten Fisch bekomme. Der ist stäbchengerecht vorgeschnitten und so zart, dass ich mit den Gräten nicht lange kämpfen muss.

Auf der von Südwesten nach Jiangmen hinein führenden Landstraße dominiert dann bald wieder der schwere LKW-Verkehr und die Straße wird für zwei Brücken, die nacheinander über den Tan River führen, auch noch schmaler. Ein großer Teil dieses Verkehrs biegt aber auf eine Ringstraße ab, die am Ortseingang quer dazu verläuft und danach wird es gleich wieder ruhiger. Gewerbebetriebe liegen auf beiden Seiten der Straße, Möbeltischlereien hauptsächlich, die offenbar alle sehr ähnliche Designs an Tischen und kleineren Schränken in einem rötlich braunen Holz produzieren.

 

Schnell ist der übliche Innenstadtverkehr wieder um mich herum, den ich viel mehr beachten muss, als die LKW auf irgendwelchen Landstraßen.
Mein Quartier liegt dann für zwei Tage am Rand eines kleinen Parks und direkt Seite an Seite mit mit dem Xinhui Museum, einem repräsentativen Bau aus einer früheren Dynastie. Nach inzwischen knapp drei Wochen auf dem Rad will ich auch einmal einen Tag Pause machen.

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Überraschende Begegnung und der weitere Weg bis Taishan

Heute morgen ist es dann doch passiert (schreibe ich mir am 19.02. ins Tagebuch): auf der recht stark befahrenen G325, die etwas nördlich von Yangxi verläuft und die ich für etwa 6 – 7 km benutzen muss, bevor ich wieder ins Hinterland abtauchen kann, sehe ich bereits von Ferne die Silhouette eines eher ungewöhnlich beladenen Zweirads vor mir. Bald kann ich die typischen Reflektoren von Ortlieb Packtaschen an dem Rad, das etwas langsamer als ich fährt, erkennen. Ein Radreisender, der offenbar auf einer langen Tour ist, denn neben zwei großen Packtaschen am Hinterrad, hat er auch vorne zwei Taschen am Lowrider und zusätzlich einen wasserdichten Packsack auf dem Gepäckträger, außerdem einen leeren Wasserkanister. Ich überhole und grüße und es stellt sich heraus, dass es ein Chinese ist, etwa in meinem Alter, der seit rund vier Monaten sein Land bereist und nun auf dem Weg nach Shenzhen ist. Besonders gut ist sein Englisch nicht, aber für den kurzen Austausch genügt es. Es freut uns gegenseitig, uns getroffen zu haben und wir wünschen uns gegenseitig gute Reise, denn er fährt weiterhin auf der Fernverkehrsstraße, während ich an dem Abzweig, den wir inzwischen erreicht haben, auf eine weiter nach Süden führende Nebenroute wechsle. Ich will heute nur bis nach Yangjiang fahren und kann mir einige Kilometer Umweg leisten.

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So ungewöhnlich beladen fährt nur ein Radreisender

Kurzer Stopp nach etwa 12 km bei einer Bäckerei, die neben Süßgebäck und vielen verschiedenen Keksen auch belegte Toasts mit Käse anbietet. Ich brauche noch etwas für das ‚zweite Frühstück‘ und für den Nachmittag.
Seit Yangxi hat sich die Umgebung etwas verändert, mancherorts ist die Vegetation richtig üppig. Die Landschaft bietet mehr Abwechslung als an den letzten Tagen; grüne Hügel, wenig Agrarflächen, die Straße macht häufiger Richtungswechsel, kreuzt zweimal eine Bahntrasse. Die umliegenden Dörfer haben von dieser auf Betonstelzen, bzw. überwiegend auf einem Damm geführten, ihre Landschaft zerschneidenden Bahntrasse nicht viel, der nächste Bahnhof liegt weit entfernt.

 

Leider wird es heute gar nicht richtig hell, der Himmel ist dauerbewölkt, seit es gestern abend doch noch kräftiger geregnet hatte. Die Luft ist trotzdem nicht kühl, ungefähr 22°C bei sehr hoher Luftfeuchte, ab und zu fallen einzelne feine Regentropfen.
Auch in dieser Gegend komme ich gelegentlich an größeren Teichen vorbei, an denen in großer Zahl Gänse gehalten werden. An anderer Stelle sind es wieder Fischteiche, nicht immer sind sie in Betrieb. In den kleinen Städtchen ist immer viel Geschäftigkeit auf der Straße, ob da nun einzelne Leute unter einem Sonnenschirm am Straßenrand ihre Ware anbieten, manchmal nur etwas Obst, oder gleich mehrere Marktstände dafür sorgen, dass der Straßenrand blockiert wird, ob jemand Kartons einsammelt und mit der gefalteten Pappe seinen Handwagen oder gleich die Ladefläche eines größeren Dreirads überlädt, ob ein Handwerker vor seiner Werkstatt sitzt und an der frischen Luft seine Schweißarbeiten durchführt oder ob direkt an der Straße improvisiert gekocht wird. Eigentlich überall treffe ich auf Menschen, die mit irgendeiner Tätigkeit beschäftigt sind.

 

Neben einer Brücke über den Seitenarm einer nahen Bucht, die sich etwa vier Kilometer weiter südlich ins Meer öffnet, liegen einige größere Fischerboote, die vermutlich erst in der nächsten Nacht wieder auslaufen werden, um ihre Netze auszulegen. Eigentlich liegen immer irgendwo Boote am Ufer, oder auch ‚im Päckchen‘ falls der Platz am Ufer nicht ausreicht, wenn ein Wasserweg irgendwie einen Zugang zum Meer hat. Die Fischerei hat hier offenbar eine große Bedeutung, und sei es auch nur für den eigenen Bedarf.

Als ich mich am Rande des Ortes Pingdong etwas umsehe, beginnt es doch noch zu regnen. Ich kann mich dort aber mitsamt dem Fahrrad unter dem Blechvordach einer momentan verschlossenen Hütte unterstellen und abwarten. Irgendwann rennt eine Ratte im Zickzack quer vor der Hütte vorbei und verschwindet schnüffelnd und suchend an einem mit einer kleinen Plane abgedeckten Haufen irgendwelcher Dinge.
Ratten – ja, natürlich muss es die hier auch geben, bei den oftmals offenen Müllsammelstellen und den selten geschlossenen Abwasserkreisläufen auf dem Land. Zumal bei der recht hohen Anzahl plattgefahrener Exemplare, die ich täglich auf der Straße sehe. Die Tiere scheinen dem Straßenverkehr nichts beizumessen und rennen anscheinend jederzeit quer darüber, allerdings hatte ich bisher außer den toten Tieren auf der Straße, keine Ratten herum rennen gesehen.

 

In Yangjiang gibt es, wie schon in anderen Großstädten, Leihfahrräder von mehreren Unternehmen, die offenbar gut nachgefragt werden. Schon früh bevor ich in die Innenstadt komme, fallen mir diese eher kleinen Räder vereinzelt auf.
Häufig haben die Leute auch gar keinen Platz, um dauerhaft ein Fahrrad bei sich unterzubringen, denn so etwas wie einen Kellerraum für jede Wohnung gibt es in einem Wohnhaus mit dutzenden Etagen einfach nicht, da ist es offenbar einfacher, bei Bedarf eines auszuleihen, wenn die Fahrräder denn quasi jederzeit und überall verfügbar sind. Auf dem großen Platz vor einer Shopping-Mall, gleich neben der Zufahrt in das dortige Parkhaus, stehen die Räder eines der im Land weit verbreiteten Verleiher gleich in großer Zahl. Überwiegend mit Elektromotor.

 

Nicht direkt im Zentrum, aber an einer der breiteren Durchgangsstraßen bekomme ich in Yangjiang ein bequemes, großes Zimmer mit Aussicht auf diese breite Straße. Es sind dort einige Händler von Motorrollern, Elektrorollern, Autowerkstätten und Händler für Werkstattbedarf und Haushaltsartikel. In dem südlich gelegenen Vorort, durch den ich in die Stadt hinein komme, befinden sich viele kleine Werkstätten an der Straße und sitzen die Leute u.a. draußen zusammen und spielen Karten.

Am nächsten Morgen wird mir das Frühstück aufs Zimmer gebracht. Beim Einchecken hatte man mir gestern gesagt, dass es Frühstück um acht Uhr geben würde, aber ich hatte dieser Information nichts Besonderes beigemessen. Um dreiviertelacht klopft es jedenfalls an der Tür, während ich mir noch die Zähne putze. Offenbar hat das Hotel eine Kooperation mit KFC, dann das Reis-Porridge mit Huhn und das geformte Spiegelei kommen in einer entsprechend bedruckten Papiertüte. Es sind 2 Portionen, da es ja ein Doppelzimmer ist, in dem ich übernachtet habe. So mache ich mir schnell Kaffee und esse in Ruhe, schreibe noch etwas, bevor ich packe und losfahre.

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Durchgangsstraße in Yangjiang

Zunächst zum Postamt, das ich gestern abend noch gesehen hatte, als ich in der nahen Shopping-Mall zum Essen gewesen bin. Ich will einige Karten wegschicken und endlich auch mal ein paar Briefmarken kaufen, was letztendlich auch gelingt. Aber es kostet wieder einmal viel Zeit. Hatten die Leute auf den Ämtern, bei denen ich bereits Karten abgegeben habe, immer schnell damit begonnen, die Karten zu stempeln, oder mir zu zeigen, wo ich denn die Karten einwerfen solle, müssen die beiden Angestellten hier im Amt erst einmal feststellen, wo denn die Karten hin sollen und ob das aufgeklebte Porto auch stimmt. Und das tun sie anhand eines handgeschriebenen Zettels, auf dem viele, viele Länderkürzel vermerkt sind. Die Karten werden gewogen und dann wird diskutiert, ob die 5 Yuan, die ich überall draufgeklebt habe, auch ausreichen. Schließlich leimt einer der beiden noch je zwei kleine, blaue Labels auf jede Karte. Vielleicht so etwas wie ‚Luftpost‘ ? Gesehen habe ich so etwas bisher jedenfalls noch nicht.

Nachdem ich auch noch Briefmarken bekommen habe (nur abgezählt und nicht zu viele, da die Marken-Ausstattung im Amt erstaunlicher Weise tatsächlich nicht besonders groß ist), mache ich mich aufs Rad und rolle erst relativ spät am Nachmittag im dichter werdenden Verkehr nordostwärts aus der Stadt heraus. Nach nur wenigen Kilometern befindet sich neben der Straße, an der sich etwas zurück gesetzt einige größere Betriebe zu befinden scheinen, auch eine richtig große Garküche, die gerade noch mit den Vorbereitungen für das mittägliche Kochen beschäftigt ist. Als ich mir die großen Feuerstellen und Töpfe genauer ansehe, wollen mich die Frauen gleich zum Essen einladen, aber mir ist das noch zu früh am Tag.

 

Für mehr als 2/3 der Strecke bis nach Enping habe ich außer der G325 keine Alternative, da aber parallel auch noch eine Autobahn bzw. ein Expressway existiert, bleibt der Verkehr ab dem Abzweig dorthin dann doch überschaubar. Zudem ist die Fahrbahndecke hier in so schlechtem Zustand, wie ich es bisher noch nirgends erlebt habe, weder auf irgendwelchen Provinzstraßen, noch auf den stark genutzten Fernverkehrsstraßen.
Auch an dieser Fernstraße finde ich Punkte, an denen ich mich kurz von der Fahrbahn zurückziehen und vorübergehend ausspannen oder einfach etwas Obst essen kann. Manchmal gibt es so etwas wie Niemandsland zwischen der Straße und dem nächsten Dorf.
An der Nebenstraße, über die ich Enping am Nachmittag erreiche sind mehrere holzverarbeitende Betriebe angesiedelt, die offenbar Furniere herstellen. Das Holz im Format großer Bögen trocknet auf Gestellen, die sich auf einer Fläche von hunderten von Quadratmetern verteilen.

Von Enping aus fahre ich dann in östlicher Richtung weiter. Taishan liegt etwa 50 km davon entfernt, aber die Landschaft wird erneut bergiger und die tatsächliche Strecke verläuft alles andere als geradlinig. Die Fernstraße G325 liegt weitab meiner Route, die dann an einigen kleineren Dörfern vorbeiführt und wegen des bergigen Geländes einige Extraschleifen beinhaltet. Am Ende werden es 67 Kilometer.
Der nur leicht bewölkte Himmel verspricht einen schönen Tag, wobei die Temperatur am Vormittag schnell auf 28° klettert. Die Luft ist zudem recht schwül.
An größeren Siedlungen entlang der Strecke sind eigentlich nur Chishui und Sanhe erwähnenswert; Orte, an denen ich jeweils auch von einer Landstraße auf eine andere wechsle, Marktflecken mit sympathischer Geschäftigkeit. In Chishui, einem Städtchen mit typischer, zweigeschossiger Archtektur, suche ich kurz nach einem Restaurant und finde nur eines am zentralen Verkehrskreisel, mache dort dann eine längere Mittagspause unter dem weit ausladenden Blechdach und esse Blattgemüse (Bai Cai) mit etwas Huhn und Reis.

Es fährt sich heute bei dem geringen Verkehr doch deutlich angenehmer, als an den letzten Tagen. Einheimische schauen mich öfter mal etwas ungläubig an und es kommt sogar vor (nicht nur heute), dass jemand im Vorbeifahren den Daumen in meine Richtung hebt. Das zeigt mir immer wieder, dass ich nicht einfach nur als Störung auf der Straße wahrgenommen werde. Anhalten tue ich bei dem warmen Wetter heute auch häufiger, als ich es an den letzten Tagen gemacht hatte, um zu trinken. Wasser ist dabei nie ein Problem.

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Parkanlage in Taishan

Am Nachmittag unternehme ich in Taishan dann noch einen Ausflug in eine größere Parkanlage am östlichen Ende der Stadt. Dort gibt es neben einem See, um den herum viele Läufer trotz der Nachmittagswärme ihre Trainingsrunden drehen, einen Höhenzug, auf dem Buddhistische Mönche in früheren Zeiten an Granitfelsen einige Inschriften hinterlassen haben.

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Romantische Küste und einsame Landstriche

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Offene Müllbeseitigung in der Nähe von Xige

Wirklich einsame Landstriche sind in diesem bevölkerungsreichen Land natürlich Mangelware, besonders wo selbst die kleineren Städte permanent wachsen. Von der Ein-Kind-Politik hat China sich ja schon länger wieder verabschiedet, die jungen Familien brauchen Wohnraum und selbst auf dem Land und in den Dörfern wird neu gebaut, wenn auch in kleinerem Maßstab.

Nachdem ich Wuchuan verlasse, bleibe ich für die nächsten Tage weiter in der Nähe der Küste, habe zweimal ein Quartier direkt am Meer, an teilweise recht abgelegenen Orten, in Yangxi allerdings wieder mitten in der Stadt. Die Länge der Tagesstrecken schwankt dabei zwischen 45 und knapp 70 Kilometern. Wegen meiner um einen Tag verspäteten Anreise nach Hainan verzichte ich auf den in Shapa Bay geplanten Pausentag und komme damit nach den inzwischen rund zwei Wochen, die ich nun unterwegs bin, endlich wieder in meinen ursprünglichen Zeitplan.

Auch während der Nacht in Wuchuan ist ab und zu Feuerwerk zu hören. Nicht direkt in der Nähe des Hotels, aber doch recht deutlich und es scheint üblich zu sein, damit immer erst spät in der Nacht zu beginnen, wenn müde Radreisende schlafen wollen. Es ist hier aber längst nicht so ausdauernd wie die Nacht zuvor in Xiashan.
Die Stadt verlasse ich zunächst in nordöstlicher Richtung, will die G228 als ausgebaute Fernverbindung vermeiden und fahre einen weiten Bogen durch die östlich von Wuchuan liegende, wieder etwas ländlichere Region.

 

In einem der kleineren Städtchen, fahre ich direkt am offenen Markt vorbei, den Suppentöpfen wird dort über der Gasflamme schon ordentlich eingeheizt, doch eine längere Pause für eine Nudelsuppe mache ich erst später in der größeren Stadt Dianbai. Der Tag ist sonnig und warm, schnell klettert das Thermometer in Richtung 26°C, später am Nachmittag auf knapp unter 30°C im Schatten; Werte die ich zuletzt im Süden Hainans hatte.
Dianbai liegt an einer großen Bucht, fast ein Binnensee, der nur einen verhältnismäßig schmalen Zugang zum Meer hat. Die chinesische Marine betreibt hier unter anderem einen großen Werftstandort und auf den Straßen sind in der Mittagszeit auch ab und zu Angehörige des Militärs in ihren grau-blau-weißen Tarn- bzw. Alltagsuniformen zu sehen. Aber um die Mittagszeit sind immer viele Menschen auf den Straßen unterwegs, erledigen Besorgungen oder gehen essen. Auf einer Promenade am Ufer eines kleinen Süßwassersees sitzen hier im Schatten hoher Bäume jetzt auch einige Leute und unterhalten sich entspannt, oder spielen Karten, was offenbar sehr beliebt ist und mir auch später an anderen Orten immer wieder auffällt.

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Diskussion unter Bäumen

Die Bucht von Dianbai muss ich vollständig umfahren, um mein im Südosten davon gelegenes Tagesziel zu erreichen. Leider gibt es aber in östlicher Richtung aus der Stadt heraus nur die Schnellstraße, der ich nun doch für einige Kilometer mit ihrem unangenehmen Verkehr folgen muss, bevor ich am Rande von Danchang im 90°-Winkel nach Süden und erneut auf eine unbedeutendere Nebenroute abbiege. Beim Dorf Xige habe ich dann beinahe die östliche Seite der schmalen Öffnung der Bucht erreicht. Die Straße verläuft hier auf einem Damm, der das Seewasser von den auch in dieser Gegend reichlich vorhandenen Fischteichen zurückhält.
Auf der Seite in Richtung Meer liegen einige Fischerboote im Wasser, in einer improvisierten Werkstatt sind zwei Männer damit beschäftigt, einen Bootsmotor zu warten oder zu reparieren. Viele Getriebeteile liegen auf dem Boden verteilt aber die stammen eher von früheren Reparaturen. In der Nähe schwelt eine Müllhalde vor sich hin, der Rauch folgt dem Wind in Richtung Westen. So vorbildlich beinahe überall im öffentlichen Raum Menschen damit beschäftigt sind, herumliegenden Straßenmüll aufzusammeln, oder Laub zusammenzufegen, so häufig wird der zusammengekehrte Müll auch einfach im Straßengraben angezündet.

 

Von dem etwas größeren Flecken Hengshan ausgehend führt dann eine Stichstraße bis direkt ans Meer heran und das Hotel, in dem ich vorab ein Zimmer reserviert hatte, liegt gut geschützt direkt am Meer. Es ist nach dem Hai Bin Resort in Xiashan bereits das zweite Mal, dass ich in einer eingezäunten und gesicherten Hotelanlage übernachte. Es mag daran liegen, dass man hier gemeinsam mit einem Wyndham Luxus-Resort kooperiert, an dem ich auf der Zufahrt durch das großzügige Gelände auch vorbeikomme.
In dem Haus, das vielleicht einmal als Feriendomizil verdienter Parteigenossen vor schon Jahrzehnten entstanden sein mag, bekomme ich jedenfalls ein mit bequemen Sitz- und ansonsten schon etwas abgewohnten Möbeln eingerichtetes, großes Zimmer, in dem auch mehr als nur ein Fahrrad Platz finden würde.

 

Am nächsten Tag muss ich die etwa 2 Kilometer lange Stichstraße bis zum nächsten Dorf wieder zurückfahren, um meinen Weg in östlicher Richtung fortzusetzen.
Das Hotel bietet nichts an, deshalb mache ich mir nur einen Kaffee und esse zwei Bananen als Frühstück; fahre dann auch bald los. Kurz bevor ich nach etwa 12 Kilometern in Mangang auf die G325 komme, will ich dann nach einem Restaurant schauen. Dort sollte es kein Problem sein, etwas Essbares zu finden.
Erstaunlicher Weise hat das kleine Nest Hengshan an der ersten Straßenkreuzung nicht nur ein eigenes kleines Postamt, dieses Postamt hat sogar am Sonntag geöffnet. Zumindest nimmt der Beamte, der mir am Tag zuvor noch einige Briefmarken verkauft hatte, die geschriebenen Karten dort an seinem Schalter ab.

Wieder einmal ist es am Vormittag bewölkt und es bleibt den Tag über eher trübe, auch wenn am frühen Nachmittag ab und zu die Sonne mal durch die Wolken kommt. Richtig auflockern tut die Bewölkung erst am späten Nachmittag. So warm wie am Tag zuvor wird es aber nicht, durch den ständigen Wind ist es zeitweise eher unangenehm kühl.
Irgendwo verbrennt jemand Erntereste auf einem Feld, vielleicht ist auch Müll dabei, und der Rauch verteilt sich über Kilometer in der Landschaft, sorgt für eine leicht diesige Sicht.

 

Zwischen einzelnen Dörfern stehen manchmal größere Kiefernbestände, ohne dass man von Wald sprechen könnte. Größeren zusammenhängenden Wald sehe ich immer nur in der Ferne an Berghängen, ansonsten Felder mit Mais, Gemüse auf kleineren Parzellen, außerhalb der Dörfer betreiben die Leute hier auch Entenzucht. Irgendwo müssen ja auch die an manchen Straßenküchen in Vitrinen von Fett goldig glänzenden, bereits fertig gegrillten Enten herkommen. Offenbar werden sie an größeren Teichen zu Hunderten gemeinsam in einer Altersstufe gehalten. Mal sind die Enten jung, mit hellem Gefieder, vermutlich wenige Wochen alt, mal sind sie bereits ausgewachsen, vergnügen sich auf dem Wasser oder ruhen faul auf dem Trockenen. Diese ‚Entenfarmen‘, oft großzügige Flächen mit einem riesigen Teich, liegen häufig direkt am Weg, die Tiere lassen sich von vorbei fahrenden Fahrzeugen nicht stören. Halte ich aber mit dem Fahrrad an dem oft nur niedrigen Zaun an, der die flugfaulen (oder flugunfähigen, weil sie es nie gelernt haben) Tiere am Verschwinden hindert, dann fühlen sie sich offenbar bedroht und strömen in großer Zahl in einen anderen Winkel des Geländes.

 

Auf dem Markt in der Stadt sieht man die Tiere dann manchmal in mobilen Gehegen als lebende Ware, die genauso wenig weiß was sie erwartet, wie die Hühner, die oft zwischen Straße und Grundstücken auf Futtersuche herumpicken. Wohl genährt, fast schon zu fett führen sie offenbar ein gutes Leben, bevor sie in den Topf kommen. Hühnerfarmen sind mir hier in Guangdong bisher nicht aufgefallen, in Hainan hatte ich dagegen einige gesehen. Immer unter dicht stehenden, schattigen Bäumen, ein niedriges Holzhaus für die Gelege und viel Freifläche drum herum für hunderte von glücklichen Hühnern, die auf dieser jeweils verhältnismäßig großen Fläche herumlaufen konnten wie sie wollten. Ein einziges Mal ertönte an solch einer Hühnerfarm sanfte Musik aus einem Lautsprecher, zarter Gesang zu einer beruhigenden Musik, die aber vermutlich auch nicht zu größeren Eiern geführt hat. Vielleicht war es auch einfach nur ein Versuch eines Hühnerzüchters.

Shapa Bay ist ebenfalls ein eher verträumtes Nest mit kleineren Hotels direkt an einer Strandpromenade, einem kleinen Vergnügungspark und einigen Restaurants, die bei ihrer Größe offenbar ganze Busladungen an Gästen erwarten. Jedes präsentiert sein Angebot an Krustentieren und frischen Seefischen in großen Aquarien direkt neben dem Eingang, so wie bei Fischrestaurants im Süden Chinas offenbar üblich. Das kann man auch in größeren Städten manchmal sehen. Nur die Nachfrage ist offenbar im Moment gering. Es sitzen am Abend wenige Gäste an den Tischen, einige der Restaurants sind nicht einmal geöffnet.

 

Aber mit dem Einsetzen der Dämmerung treffen sich einige Einheimische zum gemeinsamen Tanzen auf einem kleinen Platz an der Strandpromenade, die Musik dazu kommt aus einem etwas gequält klingenden Lautsprecher und gibt dem fröhlichen Miteinander eine nette Note von Improvisation.

Bisher hatte ich mit dem Wetter richtig Glück. Sonnig war es zwar nicht immer, aber richtigen Regen hatte ich bisher noch nicht. Heute morgen prasselt es jedoch so richtig auf den Balkon, als ich wach werde. Wie lange es in der Nacht schon geregnet hat, weiß ich nicht, als ich bei dann nur noch leichtem Regen am Vormittag in die nächste Etappe in Richtung Yangxi starte, sind die Straßen jedenfalls patschnass und es stehen Pfützen auf dem manchmal nicht sehr ebenen Beton, denen ich nicht ansehe, wie tief sie tatsächlich sind. In Laifuyuan, einem etwa 5 Kilometer entfernt gelegenen Nachbarort von Shapa Bay, suche ich mir zunächst etwas fürs Frühstück, da Shapa Bay selbst an dem Morgen wie ausgestorben ist. Selbst die Backstube, in der ich gestern am Nachmittag noch Kuchen bekommen hatte, ist geschlossen.

Auch wenn die Nebenstrecke bis zunächst Shangyang nicht allzu weit von der Küste entfernt verläuft, wird die Landschaft doch allmählich bergiger und bewaldeter, und die Wolken hängen noch lange nach dem Regen tief an den Hängen. Offenbar wird hier neben der Land- auch Forstwirtschaft betrieben und der Baumbestand ist ziemlich jung, hauptsächlich Eukalyptus, vereinzelt stehen aber auch hier junge Kiefern dazwischen.

In den weiten Tälern bleibt aber der Reisanbau bzw. was davon nach der letzten Ernte zur Zeit noch übrig ist, dominierend.

Da ich bis nach Yangxi mit knapp unter 50 Kilometern keine richtig lange Strecke habe, lasse ich mir mit einer längeren Pause etwas Zeit, rolle am Mittag durch das kleine, aber um diese Zeit auch hektische Shangyang langsam hindurch. Die Leute kommen von ihrer Arbeit aus den umliegenden Betrieben oder von den Feldern mit ihren Mofas zum Essen in die Stadt gefahren, wie in anderen Städten auch, die kleinen Restaurants haben jetzt Hochbetrieb und auch viele Schüler haben jetzt eine längere Pause und belagern Tea-Shops oder kleine Fastfood-Restaurants.

In dem Dorf Shidingxin, etwa eine halbe Stunde später, sehe ich neben einer kleinen Zweiradwerkstatt eine kleine Garküche, bei der ein leckerer Duft von etwas aufsteigt, das zunächst im Dunkel der Überdachung verborgen bleibt. Ein Tisch unter dem Vordach ist frei, Hunger habe ich inzwischen auch und die hier in einer großen gußeisernen Pfanne entstehenden, fett gebackenen und gefüllten Teigfladen sind jetzt genau das Richtige. Inzwischen kommt sogar die Sonne durch die Wolken und Heizt die Luft auch schnell wieder auf.

Bis nach Yangxi hinein ist es dann auch nicht mehr sehr weit. Ich komme aus südlicher Richtung in die Stad hinein gefahren, passiere zunächst einen der älteren Außenbezirke, mit engeren Straßen und älterem Häuserbestand, bevor ich das Zentrum erreiche, in dem die Straßen wie üblich breit und voll sind und ich den universell genutzten Nebenstreifen benutzen muss.

An einer Fußgängerampel, an der ich warten muss, hängt sich ein junger Mann mit seinem Rennrad hinter mich. Ein Student, wie er mir langsam in etwas schwerem Englisch erklärt, der hier in der Stadt lebt. Er ist an meinem Fahrrad interessiert und macht ein Foto mit seinem Smartphone. Begleiten kann er mich nicht allzu lange, nach wenigen Straßenkreuzungen biegt er in seine Richtung ab und ich verfolge meine Richtung auch weiter.

Hier in Yangxi finde ich ein ruhig gelegenes Zimmer in einem kleinen Hotel mitten in einem Wohnviertel, bei dessen kleinen Restaurants im Umkreis ich später die Qual der Wahl habe.

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Von der Südspitze Guangdongs bis nach Wuchuan

Von Florence verabschiede ich mich am 12.02. in Xuwen, nachdem wir die etwa 13 km vom Fährhafen in Hai’an aus bis nach Xuwen geradelt sind – viel später am Abend als gedacht, aber der Andrang zu den Fähren war enorm und der Kauf eines Tickets kompliziert, zumindest für mich als Ausländer. Eineinhalb Stunden dauerte die ruhige Überfahrt, aber für den frühen Nachmittag war kein Schiff mehr verfügbar und selbst die 17:00 Uhr-Fähre verließ den Hafen erst mit mehr als einstündiger Verspätung. Die in den Autos auf dem riesigen Hafengelände wartenden Leute, die eigentlich ihr jeweiliges Ticket mit bestätigtem Termin hatten, warteten teilweise schon den halben Tag, wie Florence bei einer Familie erfragt hatte. Insofern hatten wir Glück, dass wir mit den Rädern an allen Warteschlangen vorbei fahren konnten. Wir mussten dennoch direkt am Schiff etwas warten, bis man uns mit den Rädern an Deck ließ und wir zwischen zwei LKWs parken durften.

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In den Außenbezirken von Leizhou

Xuwen verlasse ich am nächsten Morgen bei bewölktem Himmel und milden 23°C bei außerdem leichtem Nordostwind. Es ist fast schon zu kühl nach den deutlich höheren Temperaturen der letzten Tage. Die stark befahrende Durchgangsstraße in Richtung Norden verlasse ich aber schon an der nächsten Hauptkreuzung, nehme zunächst in östlicher Richtung einen Umweg entlang des hohen Damms eines Wasserstaubeckens in Kauf, um auf einer Nebenstrecke aus der Stadt heraus zu kommen. Viele verschiedene Fernbusrouten nehmen in Xuwen ihren Ausgangspunkt zu verschiedenen Städten in Guangdong wie auch den Nachbarprovinzen und jetzt am frühen Vormittag scheinen viele davon zu starten. Ich muss zumindest mehrmals bei einem solchen Bus am Straßenrand im Vorbeifahren auf die etwas orientierungslos drum herum wuselnden Personen aufpassen, die gerade dabei sind, Koffer einzuladen.
Genauso wenig wie z.B. ein auf der Straße wendender Bus nicht auf den fließenden Verkehr achtet, machen es die Fahrgäste noch weniger.

Nach wenigen Kilometern biege ich dann in eine Nebenstrecke ein, die nur noch von wenigen Autos und Kleinlastern benutzt wird. Ich tauche damit auch gleich in das ländliche Guangdong ein, das zumindest hier an dessen Südzipfel sehr von Landwirtschaft geprägt ist. Keine großen Flächen in Monokultur, sondern sich abwechselnde Pflanzungen von z.B. Bananen, Zuckerrohr, Ananas, Salatpflanzen, manchmal auch Kürbis. Dazwischen liegen kleinere und größere Dörfer, in denen zur Zeit das Zuckerrohr zentral gesammelt wird. Auf den Feldern von Hand geerntet, schaffen Mini-LKWs den Transport zu diesen Sammelplätzen, von denen es dann mit großen Lastern zur nächsten Zuckermühle transportiert wird. Zwei davon sehe ich heute im Laufe des Tages.

 

Die erste am Rand von Tiaofeng, in dessen Zentrum ich auch noch relativ spät am Mittag bei einem freundlichen Koch eine schöne Portion Mangold sehr ähnlichem Gemüse mit Tofu und Reis bekomme.
Manchmal kann es so einfach sein. Je schlichter und offener die Küche, desto einfacher kann ich auf das zeigen, was ich gerne essen würde, denn ohne die Hilfe von Florence habe ich nun deutlich mehr Probleme, mich zu artikulieren. 60 km bin ich bis dort etwa gefahren, 35 km kommen später noch hinzu, bei inzwischen immer weniger bewölktem Himmel und vielleicht 26°, die sich später auch noch etwas steigern, nachdem die Sonne endgültig durch die Wolken kommt.

Nachdem ich von dem Städtchen vielleicht 3 – 4 km entfernt bin, hupt hinter mir ein Fahrzeug – was ja nicht ungewöhnlich ist – überholt aber nicht, sondern fährt links neben mir gleichauf, das Seitenfenster geöffnet. Als ich mich zur Seite drehe, um zu sehen, warum das dunkle Auto nicht vorbei fährt, hält mir eine junge Frau unvermittelt eine Halbliterflasche Wasser entgegen. Ich schaue kurz verblüfft, greife aber zu und nehme mir die angebotene Flasche, obgleich meine eigenen Flaschen noch ganz gut gefüllt sind, rufe etwas wie ‚谢谢‘ während das Auto schneller wird und gleich nach der nächsten Kurve aus der Sicht verschwindet.
Ich halte an und verstaue die Flasche, muss innerlich grinsen. Zuletzt hatte ich soetwas vor rund einem Jahr, als ich in Malaysia mit dem Fahrrad unterwegs war, und damals war es ein isotonisches Getränk, nicht nur schlichtes Wasser, aber so kleinlich will ich mal nicht sein.

Die Landschaft wird etwas welliger und bietet verschiedene Grünschattierungen durch die unterschiedliche und sich immer wieder abwechselnde Art der Vegetation, oft grenzt ein schmaler Streifen aus jungen Eukalyptusbäumen eine landwirtschaftlich genutzte Fläche ab, irgendwann ist das Zuckerrohr aber dominierend. Für die manchmal in Terrassen angelegten Salat- und Gemüseflächen am Rand kleiner Dörfer gibt es ein verzweigtes System aus schmalen, betonierten Bewässerungskanälen. Auch hier wird offenbar die nötige Feldarbeit von Hand erledigt.

 

Die Gegend wird weiter nördlich immer flacher, ich komme der Küste wieder näher und dem dorthin mäandernden Nandu River und wenige Kilometer vor dem Städtchen Leigao ist in der Ferne auf einer einsamen Erhebung ein riesiges Radom zu sehen, das sich dunkelgrün kaum von der Umgebung abhebt. Der nächste größere Militärhafen ist auch nicht sehr weit entfernt, aber dort komme ich erst am nächsten Tag hin. Im Bereich des Nandu River verläuft die Straße über vielleicht drei Kilometer auf einem Damm, obwohl die Küste noch mehr als zwei Kilometer entfernt ist. Wie schon in Hainan sind hier viele Wasserbecken zur Fischzucht angelegt, allerdings offenbar zur Zeit nicht alle genutzt, denn vielfach ist die Belüftung nicht in Betrieb.

Auf einer größeren Fläche zwischen dem Fluss und den Ausläufern der Stadt Leizhou befinden sich zwischen einigen Dörfern Reisfelder, die jetzt abgeerntet sind und auf denen Wasserbüffeln ähnliche Rinder grasen, die offenbar auch die Wärme der Nachmittagssonne genießen.
Nach Leizhou hinein komme ich auf einem Wirtschaftsweg, der in ein Stadtviertel mit schmalen Straßen, viel alter Bausubstanz und vielen kleinen Geschäften und Straßenhändlern mündet. Urplötzlich befinde ich mich dann aber in der Hektik einer weiteren Großstadt, ordne mich an der ersten Ampel in die Menge der wartenden Zweiräder und versuche, das von mir bereits vorreservierte Hotel nicht zu übersehen.

 

Das City Comfort Inn bietet am Morgen ein Frühstücksbüffet in seinem kleinen Restaurant an, so muss ich nicht auf die Suche gehen. Reis-Porridge, gegarte Tomaten mit etwas Rührei, Süßkartoffel, Brokkoli und süßes Gebäck; leider gibt es keinen Kaffee.
Mit der Weiterfahrt lasse ich mir etwas mehr Zeit, da ich heute nicht viel mehr als 60 km auf dem Plan habe. Anstrengend wird der Tag dennoch, da ich nun hauptsächlich in nordöstlicher Richtung und meist gegen den Wind fahre.
Der Verkehr ist ähnlich hektisch wie gestern am späten Nachmittag. Um aus Leizhou heraus zu kommen, muss ich erstmal in das Zentrum zurück, immer schön in der breiten Nebenfahrbahn, in die auch die lokalen Busse zum Halt einfahren und wo die Leute mit ihren E-Mofas in eigentlich alle Richtungen fahren, nicht einfach nur geradeaus in der vorgesehenen Fahrtrichtung. So muss ich ständig aufpassen. Am Postamt an der Hauptkreuzung werfe ich einige Postkarten ab und nehme dann die Hauptstraße in östlicher Richtung, vorbei an einem mitten in der Stadt gelegenen See, auf dessen Vorplatz erstaunlich viele Menschen flanieren und Kinder spielen. Nach etwa 4 km biege ich in eine schmale Seitenstraße ab und rolle durch die hinter der Hauptstraße liegende Bebauung.

 

Haus neben Haus, schlichter Beton meist, manchmal auch noch aus Ziegeln errichtet und in den unterschiedlichsten Größen. Nach etwa 500m befinden sich auf einmal Marktstände rechts und links der Straße. Sehr klein, das Obst oder Gemüse oft am Boden auf einer kleinen Plane liegend. Fleisch liegt ungekühlt auf stabilen Holztischen, die auch gleichzeitig als Hauunterlage bzw. als Arbeitsfläche dienen.
Als ich kurz anhalte werde ich ungläubig angeschaut. Kurz darauf bin ich auch schon aus der Stadt hinaus und rolle wie gestern nachmittag entlang von Reisfeldern. Irgendwo ist ein Bauer mit seinem kleinen Schlammtraktor dabei, die Reste nach der Ernte unterzupflügen, sofern man bei dem schlammigen Grund davon sprechen kann.

 

Die ruhige Nebenstraße mündet bald auf eine besser ausgebaute Fernstraße und diese verläuft nach kurzer Zeit parallel zur stark genutzten S373, quert sie auch zweimal bis sie direkt an einer Brücke über einen schmalen Fluss abrupt endet. Als die S373 gebaut wurde, hat man genau an dieser Stelle wohl die alte Trasse genutzt, bis dahin aber parallel neu gebaut. Dieses Detail war auf der Karte nicht zu sehen und die parallele Führung geht auch einige hundert Meter danach weiter. Ich muss aber an dieser Stelle erst einmal zurück, dann auf die Schnellstraße wechseln, bei nächster Gelegenheit auf die andere Straße zurück wechseln, deren Belag jetzt aber massiv schlechter ist, und dieses Spiel später noch einmal wiederholen.
An der nächsten Flussüberquerung, etwa 12 Kilometer weiter, führt die S373 dann in Richtung Osten und ich folge dieser Straße weiter. Bald zeigt sich die Nähe zum Überseehafen von Yanjiang in Form von Industrieanlagen unweit der Straße. Eine gewaltige Chemieanlage wirkt bedrohlich und verströmt unangenehme Gerüche und auch Geräusche, bei denen ich nicht lange verweilen will.

Nachdem ich die Zufahrt zum hiesigen Überseehafen passiert habe, sind auch kaum noch LKW mit Containern auf der Straße, trotzdem wird der Verkehr dichter und staut sich vor der nächsten Ampelkreuzung. Bahngleise verlaufen quer zur Straße die an dieser Stelle einen Umweg machen muss, da die direkt hinüber führende Brücke nur für Zweiräder zugelassen ist. Kurz dahinter komme ich an eine kleine Parkanlage direkt an der See und bis zu meinem Quartier ist es auch nicht mehr weit. Das liegt auweit von einem zentralen Verkehrsknoten in einer eigenen Parkanlage auf einem kleinen Hügel, quasi im Grünen mitten in der Stadt.

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In der Nacht ist leider an Schlaf nicht zu denken, da ab etwa 22 Uhr bis in die frühen Morgenstunden permanent Feuerwerk im näheren Umfeld des Hotels abgebrannt wird.

Da ich gestern abend in einem Supermarkt doch noch löslichen Kaffee gefunden habe, kann ich mir heute früh Kaffee kochen – und esse zunächst nur eine Banane, schreibe einen Blog-Artikel fertig und packe dann meine Sachen. Beim McDonalds um die Ecke frühstücke ich dann etwas mehr. Dann mache ich mich in nördlicher Richtung auf den Weg, sehe ein Postamt und werfe dort meine gestern noch geschriebenen Karten ein. Am Abend hatte ich noch vergeblich versucht, bei einem Geldautomaten Geld zu ziehen, hier gleich neben der Post sehe ich am Straßenrand eine weitere Filiale der China Construction Bank und habe diesmal Erfolg. Weitere 2000 Yuan sollten für die nächste Woche auf jeden Fall reichen.


Dann biege ich nach etwa 3 km Strecke zu einem Fähranleger ab, den breiten Fluss will ich mit der Fähre überqueren, das Ticket kostet 2,4 Yuan für mich und das Fahrrad. Allerdings muss ich etwa eine halbe Stunde warten, da das Boot nicht ständig pendelt. Die Nachfrage ist wegen der etwa 1 km weiter nördlich vorhandenen Schnellstraßenbrücke offenbar sehr gering. Doch einer dicht befahrenen Brücke von vielen hundert Metern Länge, die außerdem einen Umweg bedeuten würde, ziehe ich die Fährverbindung vor. In Potou, am anderen Ufer des Flusses folge ich dann zunächst der S373, die als vierspurige Fernverbindung leider bald recht stark befahren ist. Es gibt in dieser Gegend aber leider keine Alternative, erst nach etwa 15 km.

IMG_0519An der Ortsumgehung des Städtchens Jiaodaling, die dann als G228 weiter in Richtung Wuchuan verläuft, verlasse ich diese Verkehrsader schließlich und wähle stattdessen die Ortsdurchfahrt und anschließend einen etwas weiteren Bogen entlang der Alternativroute nach Wuchuan. Es sind jetzt viele Dörfer, die direkt an dieser Straße oder auch in einigem Abstand dazu liegen. Mir fallen plötzlich die bunten Fähnchen entlang der Straße auf, ab und zu in dreieckiger Form und mit aufgedruckten Drachen. Dass immer wieder mal Feuerwerk zu hören ist, irgendwo in der Ferne oder auch nahe der Straße, müsste ich eigentlich viel öfter erwähnen, denn es ist nach wie vor ein ständiger Begleiter, vor allem abends in den Städten.
Dann höre ich plötzlich dumpfes Trommeln irgendwo voraus und eine schräge Musik mischt sich in die Windgeräusche, denn der Wind ist ein weiterer ständiger Begleiter. Bisher zumindest.


Einige hundert Meter voraus ist auf einmal eine Störung im Verkehrsfluss und dann sehe ich die vielen Leute in roten Kostümen und ja, ein Trommler und mehrere Leute mit Trompeten. Oder was ich so laienhaft als Trompete bezeichne, denn der Klang ist schrill und will zu der Trommel gar nicht so recht passen. Die Gruppe von Leuten marschiert entlang der Straße, trägt in ihrer Mitte etwas unter einem kleinen Baldachin und verschwindet dann auf dem größeren Gelände einer Bauunternehmung. Wenige hundert Meter weiter kommt eine andere Gruppe vom Gelände eines Sportplatzes auf die Straße zugelaufen, wo schon ein Teil dieser anderen Gruppe zu warten scheint. Hauptsächlich junge Leute, auch sie tragen in ihrer Mitte eine Art von Schrein. Einige Kilometer weiter marschiert noch eine ähnliche Gruppe junger Leute auf das Gelände eines Tempels zu. Die Fähnchen und derartige Prozessionen habe ich zuvor nirgends gesehen, nur hier in dieser Gegend zwischen Jiaozhen und Wuchuan. Danach auch nicht wieder. Weiterhin bestimmt aber Landwirtschaft im kleinen Stil die flache Landschaft und bevor ich Wuchuan erreiche ist auch die typische Hochhausarchitektur das erste was von der nahen Stadt zu sehen ist.

Der letzte Abschnitt nach Wuchuan hinein, nachdem ich über die lange Brücke des Jian Rivers gerollt bin, und gleich an der nächsten Ecke dahinter nach rechts in die Seitengassen abtauche, ist dann wieder ein spannendes Beobachten des Alltags vor den Läden und in den Werkstätten abseits der Hauptverkehrswege und ich bin immer erstaunt, was die kleinen Geschäfte so alles bieten. Zweiradteile, manchmal ein Geschäft ausschließlich für Fahrrad- bzw. Motorradschlösser, herunter gekommene Tante-Emma-Läden und herausgeputzte Mini-Konditoreien mit einer bunt gemischten Auslage in kleinen Vitrinen zur Selbstbedienung, oder kleine Metall verarbeitende Betriebe mit Dreh- und Fräsmaschinen im Halbdunkel und der Enge einer garagenähnlichen Werkstatt.
Mein Quartier in Wuchuan liegt zwar an der Hauptstraße aber das Zimmer selbst etwas zurückgesetzt im Hinterhof und damit viel ruhiger als gedacht.

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