Veröffentlicht in China, Macau

Es geht weiter und nach Macau

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Happy Chinese New Year – year of the pig

Von Zhongshan aus fahre ich nicht direkt in südlicher Richtung weiter, denn die Berge dort lassen vermuten, dass die Strecke unangenehm werden könnte. Ich will stattdessen in einem Bogen entlang der Küste nach Zhuhai fahren, meinem letzten Stopp vor der Grenze nach Macau. In Richtung Osten führt mal wieder eine breit ausgebaute Verkehrsader vom Stadtzentrum weg und erst nach reichlich 12 Kilometern dann als S111 weiter in Richtung Süden. Stadtauswärts bietet sich auch hier das inzwischen bekannte Bild, mit nur geringer Veränderung: Wohnungsbau entlang der Schnellstraße, hier ein wenig abseits des eigentlichen Asphaltbandes. Beim Ort Nanlang kommt neben Autobahn, Schnellstraße dann auch noch eine neue Eisenbahntrasse hinzu.

Etwas weiter südlich bietet sich dann die Gelegenheit, zumindest vorübergehend auf eine Nebenstrecke auszuweichen, und hier kann ich das Radfahren bei deutlich weniger Verkehr auch wieder genießen. Das Wetter wird inzwischen zusehends besser und für einige Kilometer schlängelt sich die Straße regelrecht durch eine hügelige Landschaft. Nach kurzer Zeit weisen Hinweisschilder auf ein Museum hin: Das Dr. Sun-Yat-Sen-Museum erstreckt sich westlich neben der Straße in Form fast des ganzen Dorfes Cuiheng. Hier hat der Staatsgründer der Republik von 1921 zuletzt eine Residenz gehabt und steht auch dessen Geburtshaus. Der Besucherandrang vor einem Security Check am Eingang zu dem offenbar weitläufigen Gelände ist ziemlich groß.
Nach wenigen Kilometern führt die Straße aber zurück zur Autobahn in Richtung Süden und verläuft dann parallel dazu, in nur wenigen Metern Abstand. An einer nur für Kleinfahrzeuge zugelassenen Unterführung komme ich dann endlich wieder in östlicher Richtung weiter zur Küste.

 

In Shangzha halte ich spontan an einem Restaurant, lasse mir eine Nudelsuppe mit Gemüse und Huhn machen. Es sind Muslime, die dieses kleine Restaurant am Rand eines Gewerbegebiets betreiben und sie stellen ihre Nudeln in traditioneller Weise von Hand her, genauso wie ich es schon vor einigen Wochen in Bo’ao in Hainan gesehen hatte. Der Chef bestaunt neugierig mein vor seinem Eingang geparktes Fahrrad, sieht sich anschließend an, was ich denn da in mein Tagebuch schreibe, während sein Sohn in der Küche mit der Zubereitung des simplen Essens für mich ist.
Das sind dann einmal richtige Teignudeln, die in der Suppe verarbeitet wurden, nicht die sonst üblichen Reisnudeln oder gar Vermicellis.

Durch Shangzha und Xiazha fahre ich dann weiter und komme zurück auf die S111 und nach kurzer Strecke entlang dieser geradlinigen, neu gebauten breiten Straße an eine weite Bucht, die Quanwan Bay, an deren nördlichem Ufer sich eine ganze Kette von schneeweißen Hochhäusern erstreckt.
Der Bucht folgt nach dem Umfahren des Ausläufers eines Hügels die sich noch viel weiter nach Süden erstreckende Xiangzhou Bay, an der sich auch ein kleiner Fischerhafen, geschützt durch die vorgelagerte Insel Yeli Island befindet.

 

In der Nachmittagssonne sind Arbeiter damit beschäftigt, entlang einer Promenade Blumenrabatten für eine Neubepflanzung vorzubereiten.

Dieser äußerste Bezirk von Zhuhai besteht größtenteils aus Ferienwohnblöcken, die hinter teils hohen Zäunen gesichert in erster Reihe an dieser weitläufigen Promenade stehen, mit Blick auf die schneeweiße Fassade einer architektonisch ungewöhnlich gestalteten Konzerthalle auf dieser Insel.

Dieser äußerste Bezirk von Zhuhai besteht größtenteils aus Ferienwohnblöcken, die hinter teils hohen Zäunen gesichert in erster Reihe an dieser weitläufigen Promenade stehen, mit Blick auf die schneeweiße Fassade einer architektonisch ungewöhnlich gestalteten Konzerthalle auf dieser Insel.
Den Küstenbereich verlasse ich dann an diesem Teil der Bucht auch schon wieder und fahre von hier aus weiter in Richtung Innenstadt, denn mein Quartier befindet sich am genau entgegengesetzten Ende, der Stadt und noch etwa 8 km entfernt.

Den Küstenbereich verlasse ich dann an diesem Teil der Bucht auch schon wieder und fahre von hier aus weiter in Richtung Innenstadt, denn mein Quartier befindet sich am genau entgegengesetzten Ende, der Stadt und noch etwa 8 km entfernt. Wieder muss ich einen Umweg fahren, da, wie sich herausstellt, die Brücke der S366 über den Qianshan River, die ziemlich direkt in das Viertel mit meinem vorab reservierten Hotel führen würde, mal wieder für Fahrräder gesperrt ist. So muss ich einige Kilometer entlang des Flussufers fahren, bis zu einer mehr Behelfsbrücke, die dann aus einer anderen Richtung und mitten durch eine Baustelle hindurch dorthin führt. Auch nicht schlimm, doch ich brauche eine Weile, bis ich das etwas versteckt in dem Viertel liegende Hotel auch finde.


Letztlich finde ich aber das Lim-Hotel doch und später am Abend ist das anfangs etwas winkelig angelegte und verwirrend wirkende Viertel mit seinen vielen kleinen Geschäften auch gar nicht mehr so unübersichtlich.
Zum Essen am Abend, Reis mit Sellerie und Chinesischem Spinat plus einem Eierpfannkuchen, trinke ich einmal ein Tsingtao-Bier, als Abschied von China, das ich morgen über die Grenze nach Macau wieder verlassen will.

Doch an der Grenze werde ich mit meinem Fahrrad zurückgewiesen, da hilft alle Diskussion mit einem Aufseher und mit einem der Grenzpolizisten nichts. Das Fahrrad wird nicht als Fahrzeug angesehen, ich soll damit, beladen wie es ist, so wie hunderte andere Fußgänger auch, durch eine große Abfertigungs-, Kontroll- und Zollhalle hindurch. Der Gonbei-Port wirkt wie ein riesiges Bahnhofsgebäude und eine freundliche Polizistin erklärt mir auf meine Frage hin, dass ich dort mit meinem Fahrrad durchaus hindurch darf.
Noch vor dem Gebäude werden die Reisenden auf mehrere Korridore aufgeteilt, an deren jeweiligem Ende alles Gepäck durchleuchtet wird. Also alle Taschen abladen und in den Scanner schieben, das Fahrrad interessiert nicht. Danach geht es in die große Halle hinein, wo die Pass- bzw. Ausweiskontrolle hauptsächlich automatisiert erfolgt. Nicht jedoch für Ausländer. Vor dem Kontrollschalter muss ich das Rad durch den fest abgezäunten, schmalen Korridor schieben, genau wie wenige hundert Meter dahinter noch einmal auf der Seite von Macau. Mein Pass und das Visum werden untersucht, der Computer braucht dann eine Weile, bis er der Beamtin am Schalter erlaubt, den Ausreisestempel in meinen Pass zu drücken.
Dann folgt der chinesische Zoll, wieder muss ich die Taschen abladen und in den nächsten Scanner schieben. Doch es gibt keine Beanstandungen.

Auf der anderen Seite der großen Halle gibt es noch nicht einmal einen Stempel in den Pass, lediglich einen Zettel. Dann bin ich auf einmal in Macau – kleiner Busbahnhof, die Sonne drückt inzwischen wieder stärker durch die Wolken.
Ich setze mich auf eine Bank, ziehe die dünne Jacke aus. Vor mir erhebt sich eine Wand aus schmucklosen acht-, bis vierzehngeschossigen Wohnhäusern zwischen denen die schmale Straße verschwindet, auf der ich kurz darauf in die Enge dieser Stadt eintauche.
An Einbahnstraßen muss ich mich jetzt gewöhnen, an unvermittelte Richtungswechsel und plötzliche Anstiege hinter der nächsten Ecke – und an Linksverkehr. Der ist noch das geringste Problem, aber die Einbahnregelung verbunden mit der Enge der Straßen bremsen mich mehrmals aus.

Die enge Bebauung direkt entlang der Straßen, an denen oft nur ein schmaler Fußweg minimalen Abstand bietet, macht die Stadt sehr unübersichtlich. Eine kurze Übersicht verschaffe ich mir in einer Seitenstraße, die steil einen Hügel gleich etwa 500 Meter nach der Grenze hinaufführt, zu einem kleinen Park und den Resten eines alten portugiesischen Forts. Dem ‚Fortaleza da Mong Ha‘.
Ringsum sehr unterschiedliche Wohnhochhäuser und in der Ferne die Silhouette des ‚Macao Towers‘ und des Kasinos ‚Gran Lisboa‘.

Bis zu meinem Quartier hier in Macau, dem Guia Hotel, das auf halber Höhe unterhalb des gleichnamigen Leuchtturms an einer weiteren Erhebung, etwas weiter südlich liegt, ist es keine 2 Kilometer weit, doch wegen der Einbahnstraßen brauche ich noch etwa eine halbe Stunde bis dorthin.

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Guia Leuchtturm inmitten von Macau
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