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Langer Marsch zurück nach Haikou

 

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Improvisierte Weide in der Nähe von Shenzhou

Wir verfolgen unsere Route weiter entlang der Küste in nördlicher Richtung. Am Vormittag haben wir zunächst die Begleitung eines weiteren Radlers, der mit uns in der Radfahrerstation übernachtet hat. Er stammt zufällig aus der Gegend in der auch Florence lebt und so haben die beiden sich eine Zeitlang einiges zu erzählen. Die Strecke bleibt für den Tag und darüber hinaus überwiegend flach, selten wird das Profil leicht wellig.
Nachdem wir die X435 verlassen haben, die von der Insel Shenzhou über eine noch recht neue Brücke ostwärts herunterführt, ist kaum noch Verkehr um uns herum. Wir bleiben weiterhin in Küstennähe und nach einigen Kilometern verläuft die Straße parallel zu einem längeren Strandabschnitt.
Zuvor passieren wir eine Gegend mit vielen größeren Fischzucht-Becken, so wie auch gestern abend schon, als wir von der anderen Richtung her gekommen waren. Die motorisch betriebenen Paddelräder, mit denen das Wasser belüftet wird, hatten wir gestern schon mehrmals im Küstennahen Bereich gesehen, und diese Becken erinnern mich sehr an den Süden Thailands, wo ich derartiges in noch viel größerer Zahl gesehen hatte. Auch mit mehr Paddelrädern pro Becken. Dort waren es Großgarnelen, hier sind es Fische in der Größe von Karpfen, die mit Netzen aus einem der Becken geholt und in mit Wasser gefüllte Styroporboxen gezwängt werden. Dann werden sie auf Klein-LKWs geladen. Auf der anderen Straßenseite stehen Wasserbüffel auf einer Art Weide, eine größere Gruppe dieser Tiere, die man sonst immer mal einzeln in feuchten Niederungen oder auf abgeernteten Reisfeldern stehen sieht..

An den Strand kommen wir nicht direkt heran, ein etwa 100 bis 200 m schmaler Streifen aus Koniferenwald schirmt die Küstenlinie von der Straße ab und nur alle paar hundert Meter ist ein schmaler Zugang angelegt. Teilweise etwas versteckt und verwahrlost – erstaunlich dass hier kaum jemand anzutreffen ist, wo der Strand selbst naturbelassen und einige Kilometer lang ist. Allerdings ist dieser Ort auch einige Kilometer von den nächsten Bettenburgen entfernt.

Eine gute Gelegenheit für eine kurze Pause im Schatten unter den locker stehenden Bäumen, denn der Himmel ist nur leicht bewölkt, die Sonne heizt die Luft im Lauf des Vormittags schnell wieder auf ca. 28 – 29°C auf. Am Strand liegt ein Fisch-Trawler, der offenbar in rauer See hierher gespült wurde. Stürme sind im Südchinesischen Meer vermutlich auch keine Seltenheit.

Laut Karte führt uns die Straße weiterhin immer nah der Küste auf einer schmaler werdenden Landzunge, die auf Landseite von einem großen See begrenzt wird, der nacheinander Kilometern als Long Wei River ins Meer mündet. Die Straße sollte durchgängig über diesen relativ breiten Fluss führen, endet dort aber abrupt an einer Kaimauer. Ein über das Wasser pendelnder, motorisierter Schwimmponton macht hier die Fähre. Nicht für Autos geeignet, aber voller Kleinmotorräder tuckert das Ding über den eher ruhigen Fluss, vorbei an einer Vielzahl von schwimmenden Fischzuchtbecken und Fischerbooten.

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Fähre über den Longwei River

In der Nähe des Ortes Hele verlässt uns unser neuer Begleiter schon wieder, von dem Florence mir einmal klagt, er würde zu viele Fragen stellen. Sein Englisch ist allerdings nur rudimentär, so dass er sich mit mir während der kurzen Zeit kaum unterhalten konnte. Er will zurück nach Wanning, das etwas weiter im Landesinnern an der Kreuzung mehrerer Fernstraßen liegt und das wir nun weiträumig umfahren haben, und von dort mit einem Bus nach Haikou und weiter nach hause. Mit seinem Faltrad kein Problem.

In den kleineren Städten herrscht immer ein sehr geschäftiges Treiben und wird der Verkehr schnell unübersichtlich. Viele Geschäfte und kleine Verkaufsstände an der Straße bieten Lebensmittel, Obst, Haushaltswaren, daneben befindet sich oft auch die eine oder andere Garküche und viele Leute schauen eher auf die Auslagen oder das Angebot, reden vom Moped aus im Vorbeifahren mit der Händlerin und keiner achtet so richtig auf seine Umgebung. Da werde ich häufig einfach ausgebremst, muss ständig selbst die Augen in alle Richtungen offen halten, denn gerne startet ein motorisiertes Zweirad gerade dann, wenn ich auf gleicher Höhe bin, oder kommt ausgerechnet dann um die Ecke, wenn ich die Einmündung passiere. Selten hält jemand gleich wieder an, nur weil ein Fahrrad daherkommt. Aber daran, dass ich hier mit dem Verkehr einfach mitschwimmen muss und das viele Gehupe getrost ignorieren kann, daran habe ich mich inzwischen gewöhnt.

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Pagode des Klosters von Bo’ao

War unser Quartier in der Nähe von Shenzhou so etwas wie eine Idylle, so ist Bo’ao wieder ein ziemlicher Hotspot. Die Stadt beherbergt nicht nur das ‚Boao Forum for Asia‘, eine NGO, die überregionale Konferenzen veranstaltet, am Rand der Stadt befindet sich auch das größte Buddhistische Kloster in Hainan, in das gleich noch ein offenbar beliebtes Museum mit angeschlossen ist. Die Besucher kommen jedenfalls in großer Zahl u.a. mit Bussen dorthin.
Wir erreichen die Stadt am späten Nachmittag nach etwas mehr als 90 km Fahrt und finden relativ schnell ein preiswertes Guesthouse in einer ruhigen Seitenstraße nahe des alten Zentrums.

Am nächsten Morgen bekommen wir die schon erwähnte Nudelsuppe bei den muslimischen Glaubensbrüdern. Die hintere Wand des kleinen Gastraums schmückt ein Wandgemälde einer großen Moschee. Der Himmel ist bewölkt, als wir uns auf die Räder setzen und losfahren, bei etwa 24°C.
Vom Altstadtkern des Städtchen Bo’ao existiert nicht mehr allzu viel, schnell geht die Bebauung der nach Norden führenden Straße in modernere Architektur und Wohnhochhäuser über. Die Ausfallstraße verlassen wir aber recht schnell wieder und fahren mit leichtem Rückenwind weiter nordwärts durch die dörflichen Siedlungen entlang der Küste bis Tanmen und weiter entlang der Bucht zwischen Changpo und Huiwen.

 

Auf Feldern neben der Straße werden teils im großen Stil Tomaten angebaut, die Früchte überwiegend in der Größe von Cocktailtomaten. Daneben werden Zucchini ähnliche Früchte gezogen, die wie die Tomaten an rankenden Pflanzen wachsen und recht groß werden.

Hainan ist eine ausgesprochen grüne Insel. Dort wo Flächen nicht landwirtschaftlich genutzt werden oder bebaut sind, scheint die Natur schnell wieder das zu überwuchern, was nicht hinein gehört. Das fällt manchmal am Straßenrand auf, wo hinter dem Straßengraben erstmal nichts außer Vegetation kommt, was allerdings im Küstenbereich selten der Fall zu sein scheint ist. Von möglicherweise wild lebenden Tieren ist praktisch nichts zu sehen, außer von einigen Schlangen, die zu unvorsichtig auf der Straße waren. Davon scheint es eine ganze Menge zu geben, lebendig habe ich allerdings keine gesehen.

In Wenchang wollen wir erneut mit einer Fähre über den dortigen, etwa einen halben Kilometer breiten Fluss übersetzen, da die Brücke der Fernverbindung S201 uns eher einen Umweg bringen würde. Florence will ein stückweit durch den ‚Coconut Forest‘ radeln, der sich etwas weiter südlich am gegenüber liegenden Ufer erstreckt. Doch die Fähre müssen wir suchen, als die Straße zum Hafen überraschend inmitten eines überdachten Marktes endet.

Etwas versteckt liegen aber an der Kaimauer zwei Barkassen, oder besser, zwei kleine Boote, die auf Kundschaft warten. Eines ist schon bereit zum Ablegen und die Eignerin des anderen Bootes – Frau Wang, wie das Namensschild an ihrem öligen Pullover verrät – erklärt uns, dass wir warten müssten bis genügend Passagiere zusammen sind, aber sie würde uns an der gewünschten Stelle weiter südlich am gegenüber liegenden Ufer absetzen – für je 10 Yuan mehr auch gleich. Das halte ich für geschenkt, bei einer quasi Privatfahrt, also laden wir das Gepäck ab, bringen die Räder und Taschen über den Bug auf das teilüberdachte Boot, während die Chefin die Maschine im Heck betankt. Ein Einzylindermotor, ähnlich denjenigen, die für die universellen Einachs-Zugmaschinen in der hiesigen Landwirtschaft verwendet werden.

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Auf dem Wenchang River

Sie legt mit uns ab und manövriert das Boot gekonnt zwischen den größeren Fischerbooten und verschiedenen anderen Schiffen, die vor Anker liegen hindurch, beginnt angestrengt zu telefonieren und steuert bald einen Punkt am direkt gegenüber liegenden Ufer an. Es dauert etwa 10 Minuten, bis wir dort zwischen mehreren ähnlich großen Booten anlanden. Aussteigen sollen wir nicht, stattdessen steigen weitere Personen zu, sechs freundliche Einheimische, die offenbar die Ursache für das Telefonat waren.
Die Weiterfahrt dauert noch einmal etwa 10 Minuten, nun entlang des Ufers in südlicher Richtung, bis zu einem weiteren Anleger, an dem Florence und ich dann aussteigen. Die anderen Passagiere lassen sich noch weiter chauffieren und winken zum Abschied.

Über schmale und ruhige, durchweg betonierte Wirtschaftswege fahren wir weiter durch die üppige Vegetation, bis nach Dongjiao. Kokospalmen stehen dicht an dieser schmalen Straße und die schräg gewachsenen Palmen überragen sie häufig, die Kronen voller Kokosnüsse. Es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit und dann auch der Statistik, wann die nächste Nuss auf ein Fahrzeug fällt und wieviele Leute schon dadurch zu Schaden gekommen sind. Ein Fahrradhelm dürfte gegen eine herabsausende Nuss auch wenig ausrichten können, überlege ich während ich unter den vielen drohenden Nüssen hindurch fahre.

Von Dongjiao sind es immer noch rund 15 km, die wir größtenteils wieder auf der ausgebauten Fernverbindung entlang der Küste fahren. Das Gelände ist leicht profiliert und die Anstiege ziehen sich beinahe schnurgerade hin. Kurz vor dem Abzweig nach Longlou dann ein gut gesichertes Museum am Straßenrand, in der Ferne in Richtung Küste kann ich mehrere hohe, quaderförmige Hallen erkennen, Montagehallen für Weltraumraketen. Mir war gar nicht so recht klar, dass es in Hainan auch einen Weltraumbahnhof gibt. Später sehe ich an einer Straßenkreuzung im Ort ein Modell einer Rakete vom Typ ‚Long March‘.

Longlou ist eher ein verschlafenes Nest, das Gästehaus, das wir in einer Seitenstraße finden, aber ist relativ neu und das geräumige Zimmer bietet genügend Platz auch einmal die Wäscheleine zu spannen und die zuletzt noch feuchten Dinge alle einmal aufzuhängen. Dazu lasse ich die Klimaanlage im Entfeuchtungsmodus laufen und am nächsten Morgen ist auch tatsächlich alles trocken.

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Ein Modell des Typs ‚Langer Marsch‘ an einer Straßenecke

Von Longlou bis nach Haikou sind es dann doch noch knapp über 100 km, die wir am nächsten Tag in Angriff nehmen und dank des leicht böigen Windes aus östlicher Richtung auch schneller zurücklegen, als zu erwarten wäre. Auch wenn wir nicht den direkten Weg entlang der Fernverbindung S201 wählen. Viel Abwechslung gibt es entlang der Strecke trotzdem nicht, das Wetter hält aber durch und den Regen zurück, auch wenn die Bewölkung sukzessive zunimmt und später in Haikou sogar unangenehm kühler Wind aufkommt.

Etwa 40 km vor dem Stadtzentrum machen wir am Nachmittag, als die Sonne doch einmal für längere Zeit durch die Wolken kommt, in dem Städtchen das eigentlich auch schon unter die Verwaltung des Großraums Haikou fällt, eine etwas verspätete Mittagspause. Aber bis dahin lief es gut, da wollte ich nicht zu früh unterbrechen, umso stärker ist jetzt der Hunger. Es gibt wieder einmal Nudelsuppe mit Eistich und da der Chef der Küche auch eine kleine Vitrine mit Backwaren präsentiert, zum Nachtisch noch einen etwas zu süßen, fluffigen Teigball.

Kurze Zeit später wird der Verkehr auch deutlich dichter und rund um den Flughafen, an dem wir direkt vorbei müssen, ist wegen Baustellen dichter Stau. Haikou ist eben eine Großstadt und sobald wir den Innenstadtbereich erreichen, lassen wir die breiten Straßen links liegen und fahren für etliche Kilometer auf einer Promenade, die sich direkt am Ufer des Haikou River entlang nordwärts erstreckt. Leider endet sie abrupt wegen einer Uferbaustelle und wir müssen doch entlang der Straße fahren.
Bis zum Banana Hostel ist es aber nicht mehr weit, der Fluss macht einen 90°-Knick und trennt den nördlichen Teil Haikous, die eigentlichen Innenstadt, als eine Insel vom Rest der Stadtfläche, dem weitaus größten Teil ab. Wir nutzen die dritte der Brücken über den Fluss, auf der eigene Fahrstreifen für Zweiräder zur Verfügung stehen. Eine schöne Runde um die Insel Hainan endet damit nach rund 677 Kilometern.
Morgen werden wir mit einem der vielen Fährschiffe nach Hai’an auf das Festland übersetzen, wo ich dann meine Reise durch einen Teil Südchinas in Richtung Macau fortsetzen will, während Florence dann mit einem Nachtbus nach hause fährt.

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Hainans Vielfalt entlang der Ostküste

 

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Die Tage sind sonnig und warm, abends bleibt es bis etwa 19 Uhr hell, morgens kommt die Sonne kurz nach sieben über den Horizont. Schnell ergibt sich ein Tagesrythmus, nach welchem Florence und ich uns gegen 8 Uhr zum Frühstücken treffen, uns zumindest auf die Suche nach einer Straßenküche oder einem kleinen Restaurant machen, und gegen halbzehn sind wir meist auch schon mit den Rädern unterwegs. Mehrmals ist es Nudelsuppe, die wir morgens bekommen, manchmal Porridge oder dampfgegarte Hefeklöße.
Xincun, Shenzhou, Bo’ao und Longlou sind die Stationen auf dem Weg um die Insel herum, zurück in Richtung Haikou. Dabei sind Strandabschnitte, Steilküste, kleinere Berge, Landwirtschaft und Fischzucht, Märkte und Dörfer genauso Bestandteil, wie manch hektische Innenstadt und immer wieder Ausblicke auf Bauinvestitionen, deren tatsächlichen Nutzen ich mir bei dieser großen Zahl an entstehenden Gebäuden nicht erklären kann.
Es wird allerorten Werbung für die (vermutlich zu kaufenden) Apartments gemacht, doch wer kauft die? Jetzt im Moment ist wegen des Chinesischen Neujahrsfestes Hochsaison in Hainan, die Straßen sind in den größeren Städten teilweise verstopft mit großen, neuen Limousinen und Luxus-SUVs aller namhaften europäischen (vor allem deutschen) und japanischen Autokonzerne, aber die jetzt schon verfügbaren Bettenburgen sind gar nicht richtig ausgelastet. Zumindest ist dies mein Eindruck.
Dieser Teil ist zwar für meine Reise nur eine Randerscheinung, lässt sich aber nicht ausblenden und ist natürlich fest mit der Entwicklung Hainans verbunden. Dieser Aspekt sorgt dann auch für einen großen Kontrast.

In Xincun gibt es Frühstück in einer Straßenküche mit wenigen kleinen Tischen auf dem überdachten Fußweg direkt davor. Einer davon ist gerade frei. Es gibt Nudelsuppe mit etwas Lauchgemüse und für mich mit einem direkt in der Suppe gegarten Ei, Florence zieht die Fleischeinlage vor. Da hierzulande mit wenig Salz gekocht wird und in den Restaurants nie ein Salzstreuer vorhanden ist (man würzt eher mit Sojasoße nach), hatte ich mir am Abend zuvor in einem Supermarkt mit großer Haushaltsabteilung einen Salzstreuer gekauft (eigentlich eine kleine Dose für Zahnstocher, da es keine Salzstreuer gibt, und eine Tüte Meersalz, deren restlichen Inhalt ich nach Befüllen der kleinen Dose dem Restaurant geschenkt hatte, in dem wir später gegessen haben). Damit salze ich die Suppe und versuche so meinen im Moment erhöhten Salzbedarf über das Essen etwas auszugleichen.
Am nächsten Morgen in Shenzhou frühstücken wir dann z.B. erst auf dem Weg, da es an der Bikerstation, wo wir in Zelten preiswert übernachten konnten, selbst nichts gibt. Einen Tag weiter in Bo’ao ist es ein kleines mulslimisches Restaurant, in dem wir Nudelsuppe bekommen und wo man den Leuten bei der Nudelherstellung, beim ausziehen des Teiges, draußen vor der Tür zuschauen kann. So ist jeder Morgen anders.

 

Die am Abend auf dem Hoteldach aufgehangene Wäsche ist über Nacht nicht trocken geworden. Es wird nachts zu kühl und die Luftfeuchtigkeit ist in Küstennähe einfach zu hoch. Florence versucht mit dem Haarfön ihre Sachen noch zu trocknen, dann fahren wir auch bald aus der sich schnell wieder mit Tagestouristen füllenden kleinen Stadt hinaus und entlang der G223 in Richtung Norden, weg von der Küste, denn dort verläuft lediglich eine Autobahn, die mit Rädern nicht befahren werden darf. Vermutlich auch weil es die Autobahn gibt, bleibt der Verkehr auf dieser Landstraße den Tag über recht ruhig.

In Lingshui überqueren wir den Lingshui River und danach führt die Straße nach etwa 25 km Strecke in die Berge. In der weiteren Umgebung sind es Erhebungen bis zu 400 m, die Straße selbst windet sich über wenige Kilometer zweimal mit bis zu 8% Steigung auf nicht ganz 200 m hinauf, bei der Mittagshitze von über 30° C aber ist das eine schlauchende Angelegenheit. Wir sind nicht die einzigen Radler, die sich diese Strecke antun. Am ersten Anstieg sitzen drei Leute mich Mountainbike und leichtem Tagesgepäck im Schatten des Hanges und reparieren eines ihrer Räder, kurz vor der Höhe rolle ich langsam an einer Familie mit zwei Jungs vorbei. Der Vater wartet bereits oben. Ich stelle mich dazu und warte auf Florence, die ihr Rad die letzten Meter nach oben schiebt.
Danach folgt eine langgezogene Abfahrt über mehrere Kilometer, die es leicht macht, die kurze Anstrengung von den beiden Anstiegen zuvor wieder zu vergessen. Wir rollen nun durch den Distrikt Wanning und eine weiterhin wellige Landschaft mit bewaldeten Hängen.
In dem Dorf Nanqiao dann eine Mittagspause, einige hundert Meter weiter wird Feuerwerk gezündet.

Das Chinesische Neujahrsfest liegt zwar schon wieder einige Tage zurück, aber in den Städtchen und Dörfern, durch die wir kommen, wird immer wieder Feuerwerk abgebrannt, manchmal sind die Kracher wie ein dumpfes Grollen in der Ferne zu hören, die Papierfetzen der Böllerketten liegen vor manchem Haus malerisch verstreut herum. Und an vielen Müllsammelstellen türmen sich noch die Reste des Feuerwerks von der Neujahrsnacht. Die Böllerketten können mehrere Meter lang sein, werden aufgerollt in riesigen Verpackungen verkauft und die Leute haben offenbar ihren Spaß daran, solche Ketten entlang der Straße auszulegen und den Vorbeifahrenden die Sicht zu vernebeln (abgesehen von dem krachenden Lärm).

Später kommen wir an die Küste zurück, die teils als Steilküste schöne Ausblicke bietet und weiter in eine küstennahe Ebene mit Landwirtschaft und vor allem einfacher Fischzucht in großen, flachen Becken, die mit motorisch betriebenen Paddeln ständig mit Sauerstoff versorgt werden. Natürlich auch hier vor der Kulisse mit Apartment-Hochhäusern in Strandnähe.
Die Insel Shenzhou ist mit zwei kurzen Brücken an das Festland angebunden und
hier konzentrieren sich am landseitigen Ufer die etwa 18 geschossenen Wohnhäuser, während die Seeseite ein weiter Strandpark und eben der Strand ziert.
Mitten in der Anlage liegt eine Art Zentrum mit Restaurants und einem Supermarkt, wo wir am Abend noch den Wasser- und Obstvorrat auffüllen und am nächsten Morgen bei herrlichem Sonnenwetter frühstücken.

Für die Nacht aber nehmen wir, wie einige der unterwegs getroffenen Radler auch, Quartier bei einer Fahrradstation auf dem Festland, etwas versteckt an der Umgehungsstraße gelegen, wo neben Mehrbettzimmern auch Zelte zur Verfügung stehen. Für den Abend kocht der Chef persönlich für alle und zaubert etwa 14 verschieden zubereitete Leckereien, hauptsächlich Gemüse, auf den runden Tisch.
Wie in China üblich greift jeder mit seinen Stäbchen überall zu und probiert von (fast) jeder Speise – ein fröhliches Durcheinander und die beste Möglichkeit, ein breites Spektrum der chinesischen Küche kennenzulernen.

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Public Transport und die Südostküste bei Sanya

Von Nadao aus nehmen wir einen Bus nach Sanya, da die weitere Westküste nicht viel Interessantes zu bieten hat und mir ein weiterer Tag mit weniger Strecke nach der langen Anreise und dem noch nicht ganz verdauten ersten Tag mit fast einhundert Kilometern Strecke auch noch ganz gut tut.
Wir sind früh am Busterminal, um die Tickets zu kaufen, denn es wird nur zwei Verbindungen für den Tag geben. Es herrscht bereits hektisches Treiben vor den Ticket-Automaten und vor dem einen geöffneten Schalter steht bereits eine längere Warteschlange, so dass es etwa 20 Minuten dauert, um für den 11.00 Uhr-Bus Tickets zu bekommen. Ob wir die Fahrräder mitnehmen können, will man uns jedoch nicht zusagen.
Dann erst einmal frühstücken, das Hotel hatte angeboten, Reisporridge zu kochen, was schnell auch ganz schön satt macht. Zu halbelf sind wir dann wieder am Busterminal. Dort ist hektischer Betrieb an der Zufahrt, Leute werden mit Taxen gebracht oder abgeholt, lokale Busse halten in der Nebenfahrbahn, wo Mofas in beiden Richtungen zirkulieren und außerdem ein Obsthändler seine Ware anbietet. So ist Vorsicht beim Einfahren auf den kleinen Vorplatz angesagt.

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Lokale Busse in Nadao, teilweise mit Elektroantrieb

Für den Ticketkauf musste ich schon meinen Pass vorlegen, dessen Nummer mit meinem Namen dann in das Ticket eingedruckt wurde, jetzt beim Betreten der Wartehalle wird das Ticket mit dem Pass von einem Polizisten verglichen, das Gepäck wird durchleuchtet, doch das Fahrrad darf so wie es ist durch den Metalldetektor. Sicherheit wird offenbar im öffentlichen Personenverkehr ernst genommen, das war mir vorgestern schon beim Bahnhof von Lingao aufgefallen, wo wir zuerst um den Transport der Räder nachfragen wollten. Aber in den Hochgeschwindigkeitszügen, die in Hainan ausschließlich eingesetzt werden, sind Fahrräder nicht zugelassen. Wir mussten sie außerdem weit abseits des Bahnhofsgebäudes parken, die dortige Polizei hatte uns erst gar nicht mit ihnen auf den Vorplatz gelassen.

Die Tür nach draußen zum bereitstehenden Bus öffnet sich erst 10 Minuten vor der geplanten Abfahrt. Es ist ein kleiner Bus mit vielleicht 35 Sitzplätzen, aber wir haben Glück mit den Rädern, da nur wenige der Reisenden ihr Gepäck im Laderaum verstauen. Also Lenker querstellen und mit etwas Geschick bekommen wir die beiden Fahrräder in den Laderaum des Busses geschoben. Sie kosten dann noch jeweils 40 Yuan extra, die von der Busbegleiterin direkt kassiert werden, bei 78 Yuan für das einfache Ticket.

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Eine der vielen Skylines von Sanya

Nadao ist zwar keine Großstadt, aber trotzdem quält sich der Bus im dreispurigen Stau dann nur langsam aus der Stadt heraus. Die Fahrbahn ist uneben und der Fahrer hat eine recht ruppige Art, das Fahrzeug alle paar Meter zum Stehen zu bringen. Schnell wird einigen Leuten schlecht und bald zieht säuerlicher Geruch durch den Innenraum. Das kann ja noch heiter werden, wo die Fahrt doch gerade erst beginnt, denke ich. Eine Zeit lang überlege ich, ob ich auch eine Tüte aus meiner Packtasche herauskrame – für alle Fälle. Aber das schlechte Gefühl vergeht wieder. Die betroffenen Leute werfen später ihre kleinen schwarzen Plastiktüten nach vorne in den Gang des Busses, der irgendwann am Fahrbahnrand anhält, wo die Begleiterin den Müll dann nach draußen befördert.
Überhaupt hält der Bus noch einige Male, nachdem wir schon lange außerhalb der Stadt sind direkt auf der Autobahn. Unter einer Straßenbrücke am Fahrbahnrand, oder an einer Ausfahrt, wo jeweils noch Leute zusteigen. Jedesmal holt die Begleiterin einen Mini-Klappstuhl aus der oberen Ablage hervor, auf den sich die Zugestiegenen dann in der kleinen Freifläche im vorderen Busbereich hinsetzen können. Die Sicherheit ist offenbar doch relativ weit auslegbar.

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Strand mit Blick auf Sanya

Die Fahrt endet nach rund vier Stunden am Rande von Sanya, am Busterminal West. Von dort sind es noch etwa 15 km bis ins Zentrum, für die wir uns in der Nachmittagssonne Zeit lassen. Die Stadt an der Südspitze von Hainan dehnt sich über eine Landzunge in südlicher Richtung aus und und schon von weitem sieht man die lange Skyline während man die Bucht von Sanya gerade erst erreicht. Sandstrand und ein Strandpark ziehen sich über viele Kilometer entlang der Küstenlinie und in etwa 50 bis 200 m Abstand verläuft eine dicht befahrene Straße, an der auch bald die ersten Hotelbauten auf der vom Strand abgewandten Seite stehen. Bald folgt ein Hotel oder Resort dem nächsten, teils etwas von der Straße zurückgesetzt und oft luxuriös gestaltet. Ein wenig fühle ich mich an die Kalakaua Avenue in Waikiki erinnert. An vielen Stellen gibt es kleine Parkplätze am Rand des Beachparks, alle überfüllt, und an den Zufahrten ist hohe Vorsicht geboten, da die Autos dort auch teilweise die Straße verstopfen, denn offenbar wissen sie nicht wirklich, wohin. Uniformierte Wächter sorgen dafür, dass zumindest nicht auf der Straße geparkt wird.

 

Sanya liegt etwa am südlichsten Punkt der Insel und von hier aus fahren wir in den folgenden fünf Tagen entlang der Ostküste zurück nach Haikou. Nicht immer direkt an der Küstenlinie, manchmal sogar recht weit im Landesinnern, wenn die Route, der wir folgen ihren Weg mit möglichst wenig Steigungen durch die teils bergige Landschaft nimmt.

Offenbar wollen viele Leute in Richtung Südosten aus der Stadt heraus und nachdem wir die beiden Brücken über den Sanya River überquert haben, schwimmen wir mit dem dichten Verkehr mit, vorbei an einer Marinebasis entlang der G224, um einen etwa 400 m hohen Berg herum und aus dem dichter besiedelten Bereich heraus.
Bald ist Stau auf dieser Ausfallstraße, der sich vor einem Abzweig in Richtung einer offenbar beliebten Badebucht mit angrenzendem Naturschutzgebiet bildet. Hinter dem Abzweig, der uns nicht weiter interessiert, sind wir dann schon fast allein auf der breit ausgebauten Straße.

In der Bucht von Haitang kommen wir endlich weg von dieser Schnellstraße, die zwar landschaftlich ganz nett eingebettet ist und zwischen zwei bewaldeten Höhenzügen hindurch geführt hat, aber schöner sind doch schmalere Straßen mit weniger Verkehr. Entlang dieser Bucht wird offenbar auch in die Zukunft investiert und fleißig zubetoniert. Straßen und Wege sind schon da, Grünstreifen und Palmenzeilen ebenfalls, die aufwändig bewässert werden, aber die eigentlich Bauflächen liegen noch brach bzw. beginnen sich zu entwickeln – und dies über viele Kilometer. Lediglich im nördlichen Bereich sind neben einem imposanten Hotelturm in angedeuteter Segelform noch weitere Hochhauszeilen in Küstennähe zu sehen.

Landeinwärts liegen Dörfer in der Hitze des frühen Nachmittags. Es sind ca. 28° im Schatten und auf gut Glück suchen wir ein kleines Restaurant im Zentrum eines der Dörfer. Die dort hineinführende Straße scheint neu angelegt worden zu sein, Plakate erzählen davon (so bekomme ich es zumindest übersetzt), dass mit dem Abriss der alten Substanz der Ort doch viel moderner geworden sei. Gegenüber einer Laden-/Restaurantzeile, in deren Schatten wir Reisnudelsuppe mit Gemüse und Erdnüssen bestellen, befinden sich modern gestaltete, zweigeschossige Reihenhäuser, frisch gekalkt und vermutlich erst kürzlich fertiggestellt.

Für einige Kilometer geht es zurück auf die Landstraße, da Flüsse und auch zweimal die Hainan umspannende Autobahn gequert werden müssen, danach geht es schnell wieder ins ländliche, küstennahe Hainan. Der Chili-Anbau war mir ja zuvor schon aufgefallen, bei dem Dörfchen Dapo sind einige Leute auf dem Feld mit der Ernte beschäftigt. Die Pflanzen tragen offenbar sehr unterschiedlich, je nachdem wann die Pflanzen gesetzt worden sind, denn auf anderen Feldern hatte ich die niedrigen Büsche auch noch in Blüte gesehen. Diese hier tragen lange, schmale Früchte, die sich bald in großen Säcken am Straßenrand stapeln.

In Xincun ist es dann Zeit, ein Quartier zu suchen, was nicht gleich bei den ersten Gästehäusern klappt, bei denen wir fragen und die etwas abseits der Hauptstraße liegen. Entweder ausgebucht, oder einfach geschlossen. Xincun ist zwar ein größeres Nest, liegt aber ganz nett der Halbinsel Monkey Island vorgelagert, zu der eine Seilbahn hinüber führt, und ist deshalb hauptsächlich bei Tagesbesuchern beliebt. So ist zwar als wir ankommen, noch recht viel Leben und Lärm in der zentralen Straße des Ortes. Die meisten Händler und Straßenküchen bauen aber ab oder packen ein, bereits mit dem Einsetzen der Dämmerung.

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In Xincun, Seeseite
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Im Nordwesten von Hainan

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Am Rand des Zentrums von Haikou

Dass Hainan vor etwa 25 Jahren eher noch als Entwicklungsgebiet eingestuft wurde, sieht man der chinesischen Provinz heute kaum noch an. Haikou und Sanya sind Großstädte, die genauso boomen wie andere Städte in China auch. Vielleicht ist die Bauaktivität hier sogar noch etwas stärker als in anderen Provinzen, denn Hainan hat nach wie vor den Status einer Sonder-Entwicklungszone und der Staat fördert hier zudem massiv den Ausbau des Tourismus. Die Chinesen haben die Insel längst als ihr tropisches Ferienparadies entdeckt.
Wegen des bevorstehenden Chinesischen Neujahrsfestes sind nun Anfang Februar auch entsprechend viele Urlauber und Heimkehrer aus allen Provinzen des Landes hier. Man merkt es nicht nur am Autoverkehr.

Die küstennahe Ausfallstraße von Haikou aus in Richtung Westen ist zunächst sechs-, später vierspurig angelegt, und der innerhalb der Stadt noch als Nebenfahrbahn parallel geführte Zweirad- bzw. Mehrzweckweg wird dann zu einem eigenen Radweg abseits der Straße. Eigentlich ist dies eine ganz praktische Trennung, die aber nicht konsequent beachtet wird. Sowohl Zweiradfahrer nutzen die Bahn in beiden Richtungen, wie auch gelegentlich Autofahrer, niemanden scheint es zu stören. Stattdessen wird hupend drauf hingewiesen, dass ‚man kommt‘.
Ein Verhalten, an das ich mich gewöhnen muss, genauso wie das Benutzen von Fußgängerüberwegen an großen Straßenkreuzungen. Das Radfahren ist dann auf der eigentlichen Fahrbahn viel entspannter, als auf diesem Mehrzweckweg.



Nachdem wir den Hafen und zwei Marinestützpunkte passiert haben, folgen mehrere Strandabschnitte mit Grünstreifen, die noch am Vormittag im Nebel liegen, da die Luft feucht von See her aufs kühlere Land drückt. Später ist es sonnig und wird mit 28° sehr warm. Ab und zu wird gestoppt, um im Schatten kurz abzukühlen und zu trinken, oder Obst zu essen. Da meine Haut noch nicht an die intensive Sonnenbestrahlung gewöhnt ist, schmiere ich mir zweimal selbige ein.

Unser Tagesziel Lingao erreichen wir erst am späten Nachmittag nach 98 km Fahrt entlang von Badeorten, die noch im Entstehen sind, und durch kleinere Städtchen abseits der Hauptverbindungswege sowie durch einige landwirtschaftlich genutzte Flächen. In den Niederungen sind es neben einzelnen Reisfeldern vor allem Gemüse und vereinzelt Erdbeeren, in höher gelegenen unebenen Flächen sind es Ananaspflanzungen, Bananen und Eukalypthus-Pflanzungen.

Lingao ist eine etwas größere Provinzstadt im Nordwesten Hainans, etwa 12 km von der Küste entfernt gelegen. Im Zentrum eng und pulsierend, wobei aber ganze Straßenzüge erweitert werden, um offenbar Platz für mehr Verkehr zu schaffen, an der Peripherie der Stadt weit und regelmäßig angelegt. Verlässt man die Stadt in Richtung Norden, so fährt man alsbald durch Geisterbezirke, wo frisch angelegte Straßen noch ins Nichts führen und 20-Geschosser entstehen, die von noch niemandem bewohnt werden. Selbst an der Küste wird eine ganze Hochhaussiedlung buchstäblich in den sandigen Boden gesetzt.
An einer Landzunge befindet sich eine kleine Parkanlage in der ein monumentales Denkmal an die Befreiung Hainans von der japanischen Besatzung im 2. Weltkrieg erinnert, unweit einer Fischersiedlung.

Die Nacht zum Chinesischen Neujahrstag wird sehr laut und stickig. Feuerwerk war ja schon den ganzen Tag über immer mal und irgendwo, in der Nähe oder von weiter weg zu hören. Um Mitternacht aber beginnt ein Dauerfeuer in der näheren und weiteren Umgebung. Die Kracher sind hierzulande dann auch viel lauter, als in Deutschland je erlaubt wäre. Schnell zieht der Qualm nicht nur die Straßen entlang, sondern zwischen den hohen Gebäuden auch aufwärts, so dass ich die Balkontür für den Rest der Nacht geschlossen halte. An Schlaf ist vorläufig nicht mehr zu denken, und den Jetlag habe ich noch längst nicht verdaut.

Von Lingao aus fahren wir weiter in südlicher Richtung, zunächst entlang einer der stärker befahrenen Landstraßen, über eine Autobahn hinweg, die einmal um die ganze Insel herum führt und nach etwa 18 Kilometern erst auf eine Nebenstrecke und dann entlang von teils unbefestigten Wirtschaftswegen durch eine etwas hügeliger werdende und teils dicht bewachsene Landschaft. Von einem größeren Staubecken gehen einige wasserführende Kanäle aus, die ein offenbar weit verzweigtes Bewässerungsnetz speisen. Rund um den Ort Nabao befinden sich weitere landwirtschaftliche Flächen, die offenbar auf diese Weise mit Wasser versorgt werden.
Es ist inzwischen Zeit für eine längere Pause, außerdem meldet sich nach rund 40 km Strecke auch der Hunger. Hier in Nabao finden wir dann auch eine kleine Straßenküche, in der wir Brotteig am Spieß und Spinatgemüse frittiert serviert bekommen, mariniert in einer leckeren süßlichen, scharfen Soße. Es ist allerdings auch die einzige Alternative an diesem frühen Nachmittag.
Hier im Ort, wie auch immer wieder entlang der bisherigen Strecke, sind sporadisch Böller und Kracher zu hören. Das Abbrennen von Feuerwerk hat mit der Neujahrsnacht nicht geendet, sondern offenbar erst begonnen und vielerorts werden Böllerketten in großen, rotgelb dekorierten Verpackungen an der Straße verkauft.

Nadao erreichen wir nach 67 Kilometern durch diese abwechslungsreiche aber teils auch hügelige Landschaft, die Nachmittagshitze lässt bereits etwas nach. Der Straßenverkehr ist an diesem Feiertag überschaubar, das Busterminal, an dem wir vorbeikommen, ist geschlossen. Die Stadt ist Sitz der Provinzverwaltung, deren repräsentatives Gebäude am Rande des Stadtzentrums inmitten einer großen, bewachten Parkanlage liegt.
Später, auf der Suche nach einem Restaurant in der Innenstadt, spazieren wir auch an diesem Park vorbei und ein junger Mann spricht mich in sehr gebrochenem Englisch an. Er würde eine internationale Sprachschule betreiben und sucht einen neuen Englischlehrer – fragt mich, ob ich nicht gleich bleiben wolle. Da kann ich ihn dann nur enttäuschen.

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