Veröffentlicht in Thailand

Landschaften

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Blick vom Dinsor Mountain, nördlich von Chumphon

So ein Tag beginnt schon mal mit kleinen Überraschungen. Einmal werde ich durch einen Stromausfall am Morgen wach. Der Hauptschalter des Bungalows fällt mangels Netzspannung geräuschvoll ab – keine Kühlung und kein fließendes Wasser mehr. Zähneputzen mit Trinkwasser aus dem Wasserkocher vom Vortag (gestern hatte ich Wasser für Kaffee gekocht), rasieren fällt im Moment aus und die eine Klospülung setze ich mit Bedacht ein. Gut wäre es, hier jetzt einen mit Wasser gefüllten Noteimer zu haben, wie sie in manchen Hotels in Malaysia auch tatsächlich im jeweiligen Bad gestanden hatten, aber den gibt es nicht.

Ein anderes Mal beginnt es nach dem Weckerklingeln zu regnen. Erst sacht, doch das Geräusch der auf den Boden vor der Hütte fallenden Wassertropfen schwillt langsam an, wird zu einem Rauschen und steigert sich auf dem Blechdach von einem Prasseln schnell zu einem Tosen.
Vorläufig komme ich hier nicht weg, nicht mal, um die ca. 300 Meter zum Haupthaus der Anlage zu gehen oder zu laufen, in der ich mich hier am Bang Boet Beach für eine Nacht einquartiert hatte. Da ich aber frühstücken will und irgendwann auch weiter fahren (der Regen muss ja auch wieder aufhören), gehe ich nach mehr als einer Stunde Wartens, in der ich immerhin Fotos sortieren und Post erledigen konnte, doch mit Regenschirm und dünner -jacke los. Inzwischen steht aber das Wasser in der Bungalowanlage stellenweise Knöchelhoch auf den eh schon höher liegenden, gefliesten Wegen. Es ist das erste Mal, dass meine ansonsten Wasser abweisenden Schuhe volllaufen. Die kann ich dann später noch ein Weilchen trocknen lassen. An diesem Morgen komme ich erst viel zu spät am Vormittag los. Es ist aber auch der erste Tag, an dem die Temperatur bei 24° C fest stehen bleibt. Dauerbewölkung, Nieselregen, Wind – zum Radfahren eigentlich nicht so schlecht.

Von Chumphon aus fahre ich zunächst nicht allzu weit, nur bis nach Saphli, das ich am Nachmittag noch als Ausgangspunkt für eine kurze Bergwanderung nutzen will, die Aussicht vom Dinsor Mountain ist dann später auch grandios. Es dauert nur erst ein Weilchen, bis ich auch ein Quartier gefunden habe, denn die ersten beiden Hotels/Motels, bei denen ich nach einem Zimmer fragen will, sind verschlossen. Ich finde aber etwas außerhalb des Ortes eine Anlage, in der immerhin schon zwei der recht großen Zahl an Hütten vermietet sind. Hier bekomme ich eine hölzerne Hütte im Thai-Stil für die Nacht.

Am nächsten Tag starte ich dann etwas früher, nachdem ich noch zwei Karten geschrieben habe. Durch den starken Wind vom Meer her habe ich in Nordrichtung auf der Straße ab und zu Rückenwind. Die Steigung bis zum Dinsor Mountain fährt sich doch etwas leichter als erwartet. Bei einem großen Obst-Verkaufsstand an der Straße (viele Ananas und Melonen) kaufe ich frische Bananen. Das Gelände bleibt für etwa 10 km weiterhin hügelig, bis zu einer Einmündung auf die Route 3201 in Richtung Strand. Nun geht es wieder flach weiter und ab hier ist der Seitenstreifen in beiden Richtungen auch als Radweg ausgewiesen. Also, so richtig mit runden, blauen Schildern und Fahrradsymbol auf dem Asphalt. Ist das vielleicht für Touristen gedacht? – Leider ist der so markierte Streifen gleich am Anfang zugeparkt.

Auf den kurzen Straßenabschnitten, die ich direkt in östlicher Richtung fahre, weht mir der Wind kräftig von der See her entgegen, doch ich drehe ja bald wieder in Richtung Norden und habe den Wind dann böig und quer zu meiner Fahrtrichtung und das macht sich zumindest nicht mehr ganz so negativ bemerkbar. Heute habe ich zwei Begegnungen: hinter einer langen Biegung, in der die Straße ihre Richtung um fast 270 Grad dreht und wo außerdem erst vor kurzem neu asphaltiert wurde, befindet sich ein Restaurant an einem schmalen Flusslauf, der ein Stückweit zur Straße parallel verläuft und dem Restaurant so nur wenig Raum lässt. Es ist deswegen langgezogen und schlecht zu überblicken, aber am Holzzaun zur Straße stehen vier Fahrräder mit Packtaschen, die mir sofort ins Auge fallen. Die dazu gehörenden Fahrerinnen und Fahrer sitzen im Schatten des Restaurants und löffeln Nudelsuppe, nette Leute aus Holland und Belgien. Ich bestelle mir einen frischen Ananas-Apfel-Saft und setze mich zu ihnen, wir unterhalten uns ein Weilchen in Deutsch, was mir auch mal ganz gut tut. Sie machen eine Radtour von Bangkok aus nach Chumphon (da war ich vor zwei Tagen) und wollen mit der Bahn wieder zurückfahren.
Das ist eine recht geschickte Idee, wenn man die Hauptwindrichtung betrachtet.

Eine Mittagspause mache ich erst etwas später und dabei die Erfahrung, dass die Köchin sich doch auch bei den Zutaten mal vergreifen kann. Die Portion „Stir fried seafood“ ist laut Karte nicht besonders groß (selten, dass es bei einem der vielen kleinen Straßenrestaurants überhaupt einmal eine Karte gibt), aber diese kleine Portion ist mit Ingwer, Chili und grünem Pfeffer hoffnungslos überwürzt. Ich habe ja Hunger, aber so schlecht wie hier hat es noch nie geschmeckt.

Eigentlich ist es jetzt richtig herrlich, so entlang des Strands zu radeln, tief im Südosten Asiens. Inzwischen bin ich von Singapur mehr als 2000 Kilometer entfernt und habe 10 Breitengrade überquert.
Diese Gegend ist insgesamt nur dünn besiedelt, größere Orte befinden sich meist weiter im Landesinneren entlang der Bahnlinie nach Bangkok, aber selten direkt an der Küste.
Bei einer kurzen Pause im Schatten am Strand rollen zwei weitere Radfahrer mit Packtaschen beladen oben auf der Straße in Gegenrichtung an mir vorbei. Sie nehmen mich nicht wahr, freuen sich offenbar, mit dem Wind recht schnell vorwärts zu kommen.
Es sind nicht nur Kokospalmen, die in dem hier schmalen Streifen zwischen Meer und Straße Schatten geben, immer häufiger lockern Zedern das Bild auf. Im Wind sehen sie allerdings mit ihren eher zottelig gewachsenen Ästen recht zerzaust aus. Ihre langen Nadeln bilden an manchen Stellen einen Teppich entlang des Rands der Straße.

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Alle paar Kilometer bilden Karstfelsen und manchmal kleinere Berge mit dem Küstenstreifen vorgelagerten kleinen Inseln einen natürlichen Abschluss eines längeren Strandabschnitts. Der Tidenhub scheint nicht sehr bedeutend zu sein, bei Ebbe ist der flache Strand 20 – 30 Meter breit sein, bei Flut bleibt davon so gut wie nichts übrig. Die Buchten können schon mal 8 – 10 Kilometer lang sein.
Die Durchgangsstraße windet sich dann weiter ins Land, passt sich dem Gelände in vielen Kurven und manchmal langen Umwegen um so einen Berg herum an. An besonders exponierten Lagen befindet sich dann gerne mal eine Buddhistische Tempelanlage. Abwechslung ist also reichlich vorhanden.

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